Online-Kunstausstellung: sinnvoll oder wenig überzeugend?

Derzeit findet in Köln die dritte smartkunst statt, eine Ausstellung,  die man sowohl »live« im Kulturbunker als auch im Internet besuchen kann. Die Idee dahinter ist simpel: Sämtliche Werke sind im Netz auf konzentrierte Weise dargestellt, sind mit Werk- und Preisinformationen versehen und es wird auf die jeweilige Webseite des Künstlers verwiesen. Für Interessenten gibt es außerdem einen großen Button „Kaufinteresse“, der auf ein sehr schlichtes Kontaktformular verweist. Das ist eigentlich schon alles.

Die Frage ist natürlich, ob diese Art von Angebot zu Recht den Namen »Online-Ausstellung« trägt. Handelt es sich nicht eher um einen Online-Katalog? Denn die Größe der Bilder, das Material, ihre dreidimensionale Gestalt und auch die Wirkung von Kunst im Raum gehen in der Webdarstellung weitestgehend verloren. Auch den Künstlern rückt man nicht näher, wie man es teilweise bei Ausstellungen ja durchaus vermag.

Sicher: Man könnte die Ausstellung mit mehr Aufwand virtuell umsetzen. Man könnte 3D-Ansichten anbieten oder virtuelle Rundgänge. Aber ich denke, der Ansatz von »smartkunst« ist im Prinzip richtig: Die Nutzung muss einfach und auch mobil möglich, die Umsetzung sollte schnell und kostengünstig konzipiert sein, damit auch viele Ausstellungen davon profitieren können.

Positiv zu vermerken ist aus meiner Sicht, dass man in nur wenigen Minuten einen Eindruck von der Ausstellung erhält, ohne extra dorthin fahren zu müssen. Man kann eine erste Sichtung der Werke vornehmen und dann sehr gut entscheiden, ob sich ein Besuch lohnt. Auch können Interessenten aus anderen Regionen an der Ausstellung teilhaben.

Mein Fazit: Eine Idee, über die nachzudenken lohnt. Der Nutzen ist groß, der Aufwand überschaubar. Auf Augenhöhe mit einer realen Ausstellung ist die virtuelle „smartkunst“ allerdings nicht.

Was meint Ihr? Macht ein solches Angebot Sinn?

P.S.: Beispiele für sehr aufwendig gemachte und gelungene Online-Ausstellungen finden sich meist im Bereich Geschichte. Hier können O-Töne, Bilder und Originaldokumente multimedial recht wirkungsvoll zusammengeführt werden:

Beispiel 1: Wendejahre

Beispiel 2: Du bist anders

Beispiel 3: Anne Frank

Von |2015-05-06T16:40:48+00:0006.05.2015|Allgemein, Kunst|

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

Ein Kommentar

  1. Jürgen Oster 7. Mai 2015 um 16:28 Uhr - Antworten

    Ein sehr interessanter Beitrag. Natürlich kann man die Darstellung auch anders wählen, leider schaut sich kaum einer an, weil es zu lange dauert. Früher habe ich als Initiator von smartkunst.de mit einer Übersichtsseite gearbeitet, mit dem Effekt, dass man sich ein paar Künstlerseiten angesehen hat und dann wieder weg war. Deshalb auch der weniger zeitaufwändige Ansatz mit Wischen und Scrollen. 1/3 aller Besucher besucht smrtkunst.de mittlerweile mit Tablets und Smartphones.

    Ein ganz wesentlicher Aspekt fehlt mir allerdings noch bei der Betrachtung: Es ist ein guter Weg, die Menschen wieder an die Kunst heranzuführen, denn die Besucherzahlen betragen etwa das Zehnfache dessen, was in realen Ausstellungen zu erwarten ist. Das Ganze funktioniert aber nur dann, wenn die Leute über ein sehr großes Netzwerk direkt zu erreichen sind. Das Netzwerk von smartkunst.de in XING beträgt momentan etwa 8.400 Kontakte und in LinkedIn sind es 1.400 Kontakte.

    Außerdem sei die Frage erlaubt, ob die Presse Kunstausstellungen überhaupt noch durch Berichte unterstützt. Nein, tut sie meistens nicht, nur die großen Ausstellungen werden in Berichten gewürdigt und somit ist ein gutes Netzwerk die einzige Möglichkeit, die Menschen zu informieren.

    Die Besucherzahlen bei dem noch jungen Kunstportal smartkunst.de liegen derzeit zwischen 2.000 und 3.000 Besuchern im Monat.

    Die Kombination, die Arbeiten Online und real zu zeigen, hat sich als überaus positive Vorgehensweise bestätigt. Online-Ausstellungen sollen und können reale Ausstellungen nicht ersetzen, sind aber ein außerordentlich sinnvoller Weg, wenn Kunstinteresse geweckt und überhaupt erreicht werden soll.

    Jürgen Oster

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