»Wir machen uns die Welt« – Wie man Jugendliche von Kunst begeistert

Jugendliche und Kunst – das ist ein Thema für sich. Es scheint, als wäre es schier unmöglich die Jugend von Kunst und Kultur zu begeistern und sie dafür einzunehmen. Ich selbst habe mich als Kind auch immer davor gedrückt, wenn es um Museumsausflüge ging. »Langweilige« Ausstellungsstücke, deren Wert ich nicht erkannt habe und die verstaubt in großen Hallen herumstanden. Als Kind verstand ich nicht, warum ich sie nicht anfassen darf. Für Kinder bedeutet anfassen und hantieren zu »erleben«. Für mich sollte Kunst kein reines Aufsaugen von Wissen bedeuten. Ich wollte es richtig fühlen dürfen. Da waren Kindermuseen, die zum Berühren und interagieren einluden. Genau richtig für mich, denn sie konnten das erste Interesse wecken. Mittlerweile bin ich älter und damit hoffentlich reifer. Zumindest kann ich mich nun auch für Kunst begeistern, ohne sie anfassen zu müssen (wobei ich das hin und wieder trotzdem gerne machen würde). Das hat allerdings einige Jahre und Kunst-Kurse gedauert. Gibt es vielleicht auch einen einfacheren Weg? 

»Wir machen uns die Welt« verbindet digitale Medien und Kunst

Vor diesen und ähnlichen Fragen standen Birgit Hauska und Nina Waibel, die sich vor allem mit der Frage beschäftigt haben, wie man Jugendlichen Kunst näherbringen könnte, um sie wieder in die Museen zu locken. Kunst gehört zu den Themen, die ja eher stiefmütterlich behandelt werden – auch in den Familien. Angesagt sind coole Klamotten, Individualität durch DIY und natürlich die neusten Smartphones. Irgendwie müssen sich diese Themen doch geschickt miteinander verbinden lassen? Ja, das geht, oder besser: Das haben Birgit und Nina geschafft. Sie haben – in Zusammenarbeit mit der SK Stiftung Kultur – den kreativen Guide „Wir machen uns die Welt“ für Jugendliche herausgebracht, der digitale Medien, DIY-Ideen und Kultur auf spielerische Art und Weise miteinander verbindet.

Wir machen uns die Welt Inhalte

Wer beispielsweise seine neuen Schuhe auf Instagram posten möchte, kann es direkt mit dem Motto #fromwhereistand kombinieren. Für diese Idee werden lediglich ein Smartphone (oder Kamera) und eine Videosoftware (bzw. App) benötigt. Jetzt einfach nur noch täglich die Füße in verschiedenen Umgebungen ablichten und zusammenschneiden. Klingt total simpel, macht Spaß (vor allem, wenn man Instagram ohnehin schon nutzt) und – das ist der Clou: Es ist Kunst. Dass es so einfach sein kann, hätte man kaum erwartet, oder? Insgesamt befinden sich in »Wir machen uns die Welt« 25 DIY-Ideen, die Jugendliche mal mit mehr, mal mit weniger Material umsetzen können. Der Guide richtet sich insbesondere an Teenager zwischen 12 und 17 Jahren, hat in einigen Blogs aber auch bereits die Aufmerksamkeit älteren Klientels erregt. So berichtet beispielsweise Bloggerin Sina-Christin, vom Agon-Theaterblog, dass nicht nur die Jugend Spaß am Buch haben kann:

»Genau solche Versuche sind es, die es schaffen können, junge Menschen an das Themenspektrum Kultur heranzuführen. Mit der Methode Do It Yourself dürften die Erfolgsaussichten recht positiv sein, denn sie spricht Jung und Alt gleichermaßen an und trifft häufig auf mehr Akzeptanz bei Neulingen und ›Fachfremden‹ als rein theoretische Ansätze.«

Jugendlichen neue Perspektiven ermöglichen

Neben den DIY-Ideen bietet »Wir machen uns die Welt« auch eine weitere Hilfestellung: Das Buch unterstützt Jugendliche in der Wahrnehmung sowie Selbstreflexion. Sie lernen ihre Meinung auszudrücken, die Perspektive zu wechseln und über die Welt nachzudenken. Dabei entstehen verschiedene Kunstwerke wie Skulpturen aus Wasser, Klangkunst mit der Waschmaschine und lustige Animationsvideos mit Obst. Die Herausgeber Nina und Birgit sehen zudem in den Künstlerinterviews einen weiteren Vorteil des Buches:

»Als zusätzliches ›Angebot‹ geben die Künstlerinterviews ehrliche Einblicke in das Leben und Denken „echter“ Künstler. Mich hat das als Jugendliche immer wahnsinnig interessiert: Wie tickt der Mensch, der solche Kunst produziert. Und natürlich unterstützen diese Inhalte Jugendliche darin, ein Stückchen mehr von der Welt zu verstehen….«

Lichtbilder mit der Kamera

Auch, wenn ich selbst nicht zur Zielgruppe gehöre, finde ich die Ideen durchaus spannend. Ich habe sogar schon selbst Kunst gemacht, ohne es zu wissen. Bei einem Grillabend haben wir mit einer Spiegelreflexkamera, langen Belichtungszeiten und Taschenlampen experimentiert. Dabei sind ein Licht-Herz und ein Licht-Engel entstanden. Ein großer Spaß, eben nicht nur für Jugendliche.

 

diy-guide-jugendliche-und-kunst-coverInteresse geweckt?

»Wir machen uns die Welt« – Ein kreativer Guide für Jugendliche gibt es im Athena Verlag für 19,50 Euro (ISBN: 978-3-89896-651-1).

Auf Instagram, Twitter und Facebook findet man zudem unter dem Hashtag #wirmachenunsdiewelt umgesetzte DIY-Ideen und weitere Rezensionen zum Buch.

 

 

 

Von |2018-11-13T10:17:27+00:0004.01.2017|Allgemein, Empfehlungen, Kunst, Literatur|

Über den Autor:

Yasmin Neese hat die Webagentur der result gmbh - Institut für digitalen Wandel seit 2015 unterstützt. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. Privat kennt man Sie unter dem Namen "Die Rabenmutti". Hier schreibt Sie im gleichnamigen Blog zu den Themen Familie, Literatur, Rezepte, Produkte & Co.

5 Kommentare

  1. […] Wie man Jugendliche von Kunst begeistert […]

  2. Birgit Hauska 21. Februar 2017 um 15:24 Uhr - Antworten

    Liebe Yasmin,

    herzlichen Dank für Deine Worte!

    Über Deine Rezension zu unserem Buch haben wir uns sehr gefreut!

    Deine Licht-Engel- und Licht-Herz-Fotos sehen großartig aus – ganz in Anlehnung an unsere „Künstleridee 06: Lichtmonster“ 🙂

    Wir wünschen Dir weiterhin viel Freude beim Ausprobieren, Entdecken und Gestalten!

    Liebe Grüße
    Birgit Hauska

    • Yasmin Neese
      Yasmin Neese 22. Februar 2017 um 11:27 Uhr - Antworten

      Hallo liebe Birgit,

      hab vielen Dank. Wenn wir damals schon gewusst hätten, dass wir „Kunst“ gemacht haben,, hätte ich die Bilder schon eher hervorgekramt. Erst durch das Buch fiel mir wieder ein, dass wir das mal gemacht haben. War auf jeden Fall sehr lustig – eigentlich müsste ich noch Outtakes der „verunglückten“ Figuren einpflegen 🙂

      Liebe Grüße
      Yasmin

      • Birgit Hauska 10. März 2017 um 8:52 Uhr - Antworten

        Liebe Yasmin,
        Du weißt doch: der Weg ist das Ziel…. & die Bilder sind kreativ und sie herzustellen hat sicher viel Spaß gemacht. Kunst würde ich das noch nicht nennen 😉
        Liebe Grüße
        Birgit

  3. […] dem Kulturblog habe ich bereits über das Buch „Wir machen uns die Welt“ aus dem Athena Verlag berichtet. Hierbei habe ich vor allem die kulturelle Perspektive fokussiert: Wie kann das Buch das […]

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