Im Spielrausch – eine Ausstellung über Computerspiele und ihre Ähnlichkeit zum Theater

Das Museum für angewandte Kunst Köln (MAKK) glänzt zurzeit damit, als eines der wenigen Museen hierzulande eine Ausstellung über Computerspiele zu präsentieren. Obwohl das Medium nach einer zwischenzeitlichen Phase, in der es in die Zimmer männlicher Jugendlicher verbannt war (so zumindest der Ruf), wieder in die Wohnzimmer (beinahe) aller gesellschaftlichen Schichten avanciert ist, trifft es in Museen auf erstaunlich wenig Aufmerksamkeit.

Die Ausstellung „Im Spielrausch: Von Königinnen, Pixelmonstern und Drachentötern“ ändert nicht nur diesen Zustand, sondern zeigt, dass sich Computerspiele nicht hinter anderen Medien verstecken müssen. Ganz im Sinne des Instituts für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln, von deren Mitarbeitern und Studierenden die Ausstellung maßgeblich gestaltet wurde, zieht die Ausstellung einen Vergleich mit der Theaterwelt. Der Fokus liegt dabei auf Verkörperungen, ein Phänomen, das die beiden Kunstformen miteinander verbindet.

Ausstellungen wie diese sind nicht nur für Gamer relevant. Gerade für Menschen, die sich nicht mit dem Medium beschäftigen, oder die sich aus Zeit- oder Geldgründen nicht damit beschäftigen können oder wollen, bieten sie einen Zugang zu einem Medium, das nicht nur blanker Zeitvertreib ist, sondern das mittlerweile fester Bestandteil des gesellschaftlichen Diskurses ist.

Das Computerspiel ist in eine Phase der Selbstreflexion eingetreten und reiht sich damit nun endlich mit anderen etablierten Medien in die Ausstellungsräume der Museen ein, wie auch eine Ausstellung des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt vor zwei Jahren zeigte. Das macht nicht nur den Zugang zu sich selbst einfacher, sondern erfreut auch Menschen wie mich, die sich intensiv mit dem Medium auseinandersetzen. Bisher rufe ich auch an der Uni in eine sehr homogene Echokammer, wenn ich mit Kommilitonen oder auch Dozierenden über Computerspiele diskutiere.

Das MAKK versucht ebendiese Echokammer etwas zu erweitern. Zu der Ausstellung gibt es eine Podiumsdiskussionsreihe namens „Im Rederausch“, die sich mit relevanten Themen zur Ausstellung und zum Medium Computerspiel auseinandersetzt. Zwei Termine stehen hier noch aus, die sich mit Spielen und Welten (10.01.2018) und mit Perspektiven des Spielens (24.01.2018, beide um 18:00 Uhr im MAKK) auseinandersetzen.

Bei den bisherigen Diskussionen zeigt sich leider, wie wenig über Computerspiele außerhalb der Gamerszene gesprochen wird: Auch umstrittene Themen wie Videospiele und Gewalt stoßen hier auf wenig aufgebrachte Gemüter. Die Killerspieldebatte, die nach dem Amoklauf in München kurz aufgekocht, dann aber wieder als begraben ausgerufen wurde, ist dies leider noch lange nicht. Der Glaube, Computerspiele (und zwar eigentlich alle) lösten Gewalt aus, ist absurd, aber dennoch weit verbreitet. Bei der dazugehörigen Podiumsdiskussion ging es trotzdem mehr um Zensur in der Videospielbranche – die Anwesenden waren die Fragen zu „Killerspielen“ leid und hielten sie für überflüssig, niemand protestierte. Hier zeigt sich, dass sich ebendiese Menschen, die Computerspiele ablehnen, nicht mit ihnen beschäftigen.

Computerspiele gibt es nun schon seit deutlich über 50 Jahren, rechnet man ab dem ersten digitalen Spiel „Spacewar!“ von 1961. Seitdem hat sich viel verändert. Auch von dem ersten 3D-Spiel „Doom“ von 1993 bleibt nur noch die Dreidimensionalität übrig (und auch die ist kaum wiederzuerkennen), heutige Spiele können weite Landschaften, ausgeklügelte, tiefgehende Charaktere und massig Gelegenheit zur Identifikation bieten, die Film, Drama und Literatur in nichts nachstehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist „The Last of Us“, das zurzeit häufig auch als Betrachtungsobjekt wissenschaftlicher Publikationen dient.

Woran liegt es, dass sich größtenteils Gamer in diesen Podiumsdiskussionen wiederfinden? Liegt es an der Veranstaltungsform im Allgemeinen? Wenn man ehrlich ist – zum Teil ist das wahrscheinlich der Fall, Podiumsdiskussionen sind nicht die populärste aller Bühnenformen. Dennoch: Im Plenum saßen fast nur Studierende und ein paar Leute, die in irgendeiner Art und Weise mit der Ausstellung zu tun hatten, ähnlich sieht es in den Ausstellungräumen aus. Es will sich niemand mit Computerspielen beschäftigen, der sie nicht spielt.

Daher mein Aufruf an alle, die dies lesen und sich noch nie näher mit Computerspielen beschäftigt haben: „Im Rederausch“ bietet einen wundervollen Zugang zu dem Medium, ohne viel Geld oder eine Einarbeitung in die teilweise recht komplexen Steuerungen der Spiele zu verlangen. Die Gelegenheit im MAKK sollte man wahrnehmen, Ausstellungen über Spiele sind dünn gesät.

Die Ausstellung hat noch bis zum 04.02.2018 geöffnet.

Von | 2018-07-12T14:14:39+00:00 08.01.2018|Allgemein, Empfehlungen, Kultur in der Region, Museum|

Über den Autor:

Medienwissenschaftler (B.A.). Studiert derzeit Medienkulturwissenschaft im Master an der Universität zu Köln. Seine Studienschwerpunkte sind Game Studies, Medientheorie und die soziale Wirkung von Medien.

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