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Das Musikerprojekt »All of Bach« steckt zwar noch in den Kinderschuhen, ist aber schon jetzt mehr als beeindruckend. Die Niederländische Bachvereinigung hat sich in den Kopf gesetzt,  anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums im Jahr 2021 alle Bachwerke als Video ins Netz zu stellen. Das sind insgesamt 1.080 Stücke, die nun Woche für Woche veröffentlicht werden. Bislang wurden bereits 95 Videos hochgeladen.

1.080 Stücke warten auf Inszenierung

Die Niederländische Bachvereinigung legt großen Wert auf Authentizität, daher werden die Stücke in historischer Aufführungspraxis inszeniert. Die Ton- und Bildqualität ist dabei jedoch hervorragend, sodass ein jeder auf der ganzen Welt in den Genuss der Meisterwerke kommen kann. Denn das ist der Plan von Leiter Jos van Veldhoven: Er möchte Bach bekannter werden lassen und seine Musik einfach jedem zugänglich machen.

Bereits im September 2013 begannen die Musiker die Bachwerke zu performen und aufzunehmen. Seit Mai 2014 werden die Stücke nun jeden Freitag auf ihrer Webseite online gestellt. Zum Jubiläum hin muss sich der Publikations-Rhythmus allerdings erhöhen, damit rechtzeitig alle 1.080 Stücke online verfügbar sind. Die Musikstücke werden dabei in ausgewählten Szenerien aufgeführt: Kantaten werden in der Kirche, Kammermusik in Wohnzimmern gespielt. Dort werden sie aufgenommen, aufbereitet und anschließend online gestellt. Neben dem Video liefert »All of Bach« aber noch weitere Zusatzinformationen. Es gibt Interviews, in denen die Musiker darüber sprechen, was ihnen die Musik in ihrem Leben bedeutet und wie sie zur Musik stehen. Außerdem werden Hintergrundinformationen zum Stück sowie Reaktionen der Hörerschaft geliefert. Über eine Forumsfunktion kann das Publikum am Bildschirm auch Kommentare zu den einzelnen Stücken abgeben – was auch sehr gut angenommen und rege genutzt wird.

Große Beliebtheit in den sozialen Netzwerken

Doch das ist nicht die einzige Interaktionsmöglichkeit. Bei der Bachvereinigung vermischt sich die Klassik mit der Moderne, da sie auch in den sozialen Medien zu finden sind. Sie haben schon eine große Fanbase auf Facebook und Twitter um sich herum sammeln können und sind in den Netzwerken sehr aktiv. Das wird mit großen Interaktionsraten gewürdigt, denn die Beiträge werden ordentlich geliked, geteilt, kommentiert und retweetet. Und damit ist der Plan, die Bachwerke bekannt zu machen, doch deutlich aufgegangen. Dass damit die Klassik auch noch die modernen, digitalen Medien erobert, ist ein sehr schöner Nebeneffekt. Was die Musiker da leisten und noch vorhaben, ist wirklich ein immenses Projekt, was allein gar nicht zu stemmen ist. Daher spielen regelmäßig Gastmusiker in den Inszenierungen mit und unterstützen die Bachvereinigung tatkräftig mit ihren Instrumenten und Stimmen. Das ist auch notwendig, denn die Kosten dieses Projektes belaufen sich auf jährlich 750.000 Euro. Diese müssen privat über Stiftungen und Spender finanziert werden.

Und wie hört es sich an? Sehr gut. Die Aufnahmen sind wirklich sehr gut im Klang – zumindest für mich als Laie. Ein Experte klassischer Musik bin ich nicht, da vertraue ich auf das Medienecho, welches ebenfalls sehr positiv auf die beschwinglichen Klänge reagiert hat. Schade nur, dass bisher nur vereinzelt deutsche Medien (wie etwa WDR 3) auf dieses großartige Projekt verwiesen haben. Ob bis zum Jahr 2021 tatsächlich alle 1.080 Werke eingespeist worden sind? Ich würde es mir wünschen, nicht nur für die Musiker, sondern auch für all jene, die sich in den Klängen Bachs verlieren möchten, aber wenig Möglichkeiten haben, die Stücke live anzuhören.

All of Bach

Kurzporträt der Niederländischen Bachvereinigung

Bereits im Jahre 1921 wurde die Bachvereinigung gegründet. Der Hauptsitz ist in Utrecht. Damals wurde sie durch ihre jährliche Aufführung der Matthäus-Passion in Naarden bekannt. Die Bachvereinigung fokussiert die Musik des 17. sowie 18. Jahrhunderts. Bereits seit 1983 ist Jos van Veldhoven Intendant der niederländischen Bachvereinigung, gehört aber noch lange nicht zum alten Eisen, schließlich steht er voll und ganz hinter dem Online-Projekt.

Yasmin Neese

ist Medienwirtin, Redakteurin und Non-Stop online. Über den Leistungskurs Kunst hinaus hat es zwar nicht gereicht. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich aber gerne mit außergewöhnlicher, moderner Kunst. Wenn Familie und Beruf es zulassen, treibt sie auf ihrem Familienmischblog als »Die Rabenmutti« ihr Unwesen.