Der Schnee der letzten Wochen ist nun hoffentlich allmählich von gestern und weicht seit dieser Woche hellem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen. Da aufgrund von Lockdown und Social Distancing die Städte aber gerade immer noch kein „echtes“ kulturelles Leben ermöglichen können, bleiben digitale Angebote von Kulturinstitutionen weiterhin die einzige Option. Unter den Angeboten finden sich nicht nur sehenswerte virtuelle Videoformate, sondern auch verschiedene spannende Audioformate, die durchaus Beachtung verdienen. Alexa Brandt hat eines dieser Angebote getestet.

So etwa die auditiven Spaziergänge der Berlinischen Galerie entlang der Ausstellung „Anything goes? Berliner Architekturen der 1980er Jahre“. Nun lebe ich leider nicht in Berlin, sondern in Köln und kann gar nicht genug betonen, wie groß die Sehnsucht nach stundenlangen Spaziergängen durch meine Wunschheimat Berlin seit Monaten ist. Wenigstens viermal im Jahr verbringe ich dort kleine Auszeiten, erlaufe die Stadt, die für mich einem großen Erkundungs- und Erfahrungspark gleicht. Umso mehr habe ich mich gefreut, als die E-Mail von Berlinsche Galerie im elektronischen Postfach vom Kultur-Blog landete. So hatte ich die Gelegenheit, die hörenswerten Betrachtungen zu sehenswerten architektonischen Objekten und ihren Geschichten mit Kopfhören auf den Ohren zu „erkunden“. Im Angebot sind 3 Audiotouren in Kiezen, die ich ohnehin gerne mag:

  1. Rund um die Berlinische Galerie
  2. Behutsame Stadterneuerung in Kreuzberg
  3. Friedrichstraße. Neuer Glanz für den geteilten Boulevard

Jede Tour hat zwischen 11 und 14 Stationen, bei denen die Macher Interessantes zu berichten wissen. Besonders gefallen hat mir die warme und ausgefeilte Stimme des Sprechers und die insgesamt sehr gute Tonqualität der etwa drei bis vier Minuten langen Beiträge pro Stationspunkt.

Die anvisierte Laufzeit in Schritten vor Ort beträgt ca. 90 Minuten. Für mich auf dem Sofa dauert jede einzelne Tour ca. 30 Minuten. Während dem Hören der ersten bin ich immer wieder in Gedanken an die Stellen gereist, die ich tatsächlich vor meinem geistigen Auge präsent habe oder aber digital per Google Maps Street View-Modus ansteuern kann.

Dass die Macher*innen dem Hören alle Aufmerksamkeit widmen wollten, erahne ich beim Blick auf die Seite. Alle Texte, das Seitendesign insgesamt und auch die Abbildungen sind in Schwarz-Weiß gehalten. Nur der „Tour starten“-Button prangt leuchtend rot auf der Seite und deutet das „Erlebnis” an.

Ich werde diese auditiven Architek„touren“ bei nächster Gelegenheit in aller Ruhe auf dem heimischen Sofa fortsetzen.

Apropos Architektur-Touren: Ein Podcast, den ich in den vergangenen Monaten ebenfalls zu schätzen gelernt habe, sind die themenbezogenen Folgen von Dach über Berlin. Die gut aufbereiteten Inhalte und visierten Gäste, die das Team von Ticket B hier präsentiert, entschädigen die manchmal mäßige Tonqualität. Gefühlt sitze ich beim Hören immer mit im Raum am Frankfurter Tor.