Bei unserem jüngsten Familienausflug nach Berlin haben wir neben der Komischen Oper auch das Deutsche Spionagemuseum besucht. Ich fand es sehr interessant, in einer Stadt wie Berlin mit ihrer besonderen Geschichte etwas über die Aktivitäten der Geheimdienste während des Kalten Krieges zu erfahren. Allerdings war ich nicht sicher, ob das »junge« Museum (geöffnet seit 2015) nicht eher reißerisch und touristisch ausgelegt ist. 

Ich muss sagen, meine Befürchtungen waren unbegründet. Der Besuch des Museums hat einen Riesenspaß gemacht, denn es war eine sehr gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung.

Besonders beindruckt hat mich, dass es dem Spionagemuseum auf perfekte Weise gelingt, digitale Technologien und Mitmach-Elemente zu kombinieren, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Es ist in meinen Augen ein Best Practice-Beispiel für die Digitalisierung von Ausstellungen und für ein zeitgemäßes Museum.

Bei Museumsbesuchen zu geschichtlichen oder geisteswissenschaftlichen Themen geht es mir häufig so, dass ich entweder – auch bei neueren Angeboten – vor einem Wust analoger Texttafeln und eher langweiligen Exponaten stehe oder – im anderen Extrem – vor einer Menge blinkender Bildschirme mit ungezählten Video- und Audiostationen, die mich komplett überfordern. Das Deutsche Spionagemuseum bietet dagegen eine Ausstellung, die beide Darbietungsformen gekonnt miteinander verbindet und so für jeden etwas bereithält: Von der digital gesteuerten Informationswand mit unzähligen Texten zur Geschichte der Spionage bis hin zum Laserparcours ist alles dabei.

Fast jedes Thema ist sowohl informativ in Textform aufbereitet, als auch durch Exponate, Mitmachstationen oder Multimedia-Inhalte unterstützt. Das ermöglicht den Besuchern je nach Alter und Interesse, sich die jeweils passende Vermittlungsform auszusuchen. Ein wunderbares Konzept! So kann man beispielsweise an den meisten Ausstellungskästen die Exponate auf einer Tafel auch digital anschauen und den zugehörigen Text lesen.

Natürlich gibt es auch im Spionagemuseum Audio- und Videostationen – und davon eine ganze Menge. Aber man hat nicht den Eindruck, diese zum Verständnis der Ausstellung alle ansehen zu müssen. Sie sind ein Angebot, aber man kann durchaus auch einige davon links liegen lassen. Es bleibt genug an Information in anderen Aufbereitungsformen.

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Inhaltlich ist das Museum aus meiner Sicht ebenfalls sehr gelungen. Das Themenspektrum umfasst Geschichte, Politik, technische Spionageausrüstung, Codierungs- und Verschlüsselungsmethoden und Spionage in Filmen und Literatur. Meine Highlights: Die Verschlüsselungsmaschine »Enigma« und ihre Nachfolgemodelle, die digitale Wand zur Geschichte der Spionage von der Antike bis heute – eine Videoinstallation, bei der man vom Beobachtenden zum Beobachter wird – sowie die Videowand zu dem Einsatz von Tieren im Geheimdienst.

Insgesamt war der Besuch für alle Familienmitglieder ein gelungenes Ereignis, auch wenn das Museum recht voll war und man an den Mitmachstationen manchmal warten musste. Was ich witzig fand: Facebook-Fans erhalten beim Ticketkauf vor Ort zwei Euro Nachlass. Gute Idee und für alle Beteiligten lohnender als Facebook-Ads.


Bild: © Deutsches Spionagemuseum Berlin