Vom 11.5. bis zum 12.5.2015 trafen sich etwa 200 Personen in der DASA, der Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund zu einem reichhaltigen Programm rund um das Thema “Museum and the Internet”. Social Media Manager, Online Redakteure, Museumspädagogen, Journalisten, Archivare, Pressesprecher, Projektleiter und noch so viele mehr waren unter diesen 200 Menschen. Ein reger Austausch der Fachgebiete, der Interessen und Projekte fand statt. In der unglaublich gut organisierten und straff geplanten Zwei-Tage-Tagung drehte sich alles um die Museen und Kultureinrichtungen und ihren Auftritten im Internet, ihren Online-Ausstellungen und ihren Apps.

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Die Kultur ist experimentierfreudig! Die Kultur ist ängstlich! Zwei Aussagen, die beide wahr und falsch zugleich sind. Das hat diese Tagung wieder einmal deutlich gezeigt. Fangen wir mit dem Begriff experimentierfreudig an:

Es gibt sehr viele unterschiedliche digitale Projekte im Kultur- und gerade auch im Museumsbereich. Diese reichen von einer Digitalisierung der Sammlung bis hin zu aufwändigen Social Media Strategien mit digitalen Zeitschriften, Apps und Videokanälen. Die absoluten Durchstarter sind dabei wohl das Städel Museum, das Alimentarium und das Rijksmuseum. Alle drei haben aufwändige Strategien mit mehreren digital basierten Projekten.

So hat das Städel etwa ein “Digitorial” entwickelt, ein neues digitales Vermittlungsformat, das schon vor der Ausstellung “Monet” Informationen bietet. “Das Digitorial präsentiert wesentliche Ausstellungsinhalte verpackt in einer spannenden Erzählung.” In einem Blogbeitrag berichtet Antje Lindner von ihrer ersten Erfahrung damit. Es ist im Grunde genommen eine Website, auf die man mit Smartphone, Tablet und Co. wunderbar zugreifen kann. Dann wird nach unten gescrollt und die Texte, Bilder und Informationen entrollen sich. Eine sehr interessante Idee. Und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Das Digitorial ist sogar für den Grimme Online Award nominiert.

Das Alimentarium ist das weltweit einzige Museum für Ernährung und hat seinen Standort in der Schweiz. Es wartet gleich mit einer ganzen Reihe an Projekten im Netz auf. So hat es nicht nur ein digitales Magazin, sondern auch seine Sammlung digitalisiert und online verfügbar gemacht, sowie eine Academy eingerichtet für Lehrer, Familien und Schüler und schließlich noch Spiele entwickelt. Dabei wird bei allem die Themen Nahrung und Ernährung behandelt.

Drittens ist schließlich noch das Rijksmuseum zu nennen, die mit der Digitalisierung ihrer eigenen Sammlung schließlich DAS Gesprächs- und Diskussionsthema der letzten Jahre im Museumsbereich sind, wenn es um Bildrechte geht. Das Rijksmuseum hat einen Schritt in die digitale Welt gewagt, den sehr viele deutsche Museen noch scheuen bzw. sich in rechtlichen Grauzonen verdiskutieren. Das niederländische Museum aus Amsterdam hat sich dazu entschieden seine Sammlung zu digitalisieren und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung zu stellen. Und zwar hochauflösende Digitalisate. Ob zur privaten oder kommerziellen Nutzung ist egal. Jeder darf an die Bilder ran.

„It belongs to all!“ sagt @rijksmuseum #maitagung

— Stephanie Müller (@muellerstephie) 12. Mai 2015

Die Urheber sollen natürlich genannt werden, aber es werden keine Verwertungsrechte mehr geltend gemacht. Mit dem Rijksstudio können Internetuser neue Galerien erstellen uvm. Außerdem hat das Rijksmuseum um die Kreativität seiner Nutzer und Besucher anzukurbeln und auch zu belohnen den Rijksstudio Award ausgerufen. Damit werden Projekte hervorgehoben, die mit Hilfe der Bilder des Museums entstanden sind. So gibt es etwa Kleidung, Schmuck und Produktdesign, die sich auf die berühmten Gemälde von Rembrandt und Co. beziehen. Marketing- und Imagetechnisch gesehen war es für das Museum vielleicht das beste, was sie machen konnten. Jeder spricht darüber und man bleibt sprachlos und staunend zurück. Erst recht, wenn man darüber nachdenkt, ob das im eigenen Museum überhaupt möglich wäre.

 

Alle drei Museum haben betont, dass Kooperationspartner, Förderer und natürlich einige andere Kapazitäten dahinter standen, ohne die es einfach nicht möglich gewesen wäre, diese Projekte zu stemmen. Und das glaube ich sofort. Ohne Geld und Manpower sind diese schon “riesig” zu nennenden Vorhaben nicht zu leisten. Das aber etwas durchaus eindrucksvolles, positives und mit Mehrwert dabei herauskommen kann, wenn man sich dazu durchringt zu Geld und Zeit zu investieren, ist ebenso deutlich geworden!

 

Die Kultur ist ängstlich!

Auch das ist eine Aussage, die weiterhin stimmt. Gerade bei dem Thema Bildrechte, Urheber- und/oder Verwertungsrechte besteht weiterhin ein großer Diskussionsbedarf. Überall herrscht die gleiche fragende Hilflosigkeit. Auch wenn die Grundlagen eigentlich klar sind: Urheber bleibt Urheber. Da ist nicht dran zu rütteln (zumindest in Deutschland). Bei jedem Vortrag, der eine interessante neue Herangehensweise hatte, kam unweigerlich in der Fragerunde danach die Frage: Wie handhaben Sie das mit den Bildrechten? Ob You-Tube-Tutorial, Videos von Künstlern, Fotografien, Online-Ausstellungen, Typographie – sobald es online ist, kann es auch gefunden werden und die Möglichkeit besteht irgendein (gefragter/ oder nicht gefragter) Rechteinhaber könnte Klage einreichen. Es ist eine Grauzone, wie man so schön sagt. Manchmal ist es ein dunkleres Grau und manchmal ein helleres. Von einem Anwalt habe ich mal den Begriff “Einzelfallabwägung” gehört. Das mag auch stimmen, ist aber sehr umständlich. Und genau aus dieser Umständlichkeit – bei jedem Foto, jedem Video neu zu überlegen, geht das jetzt oder nicht – stammt die Hilflosigkeit. Wir sind es gewohnt in den Kategorien Ja/Nein, Schwarz/Weiß zu denken, zu arbeiten und zu leben. Ein vielleicht oder eine dazwischen kommt zwar viel häufiger vor, aber klare Regeln, klare Strukturen geben auch Sicherheit.  Geht man nun als Museum auf Nummer sicher? Oder wagt man auch mal was, was vielleicht zu einem tollen Erfolg werden kann wie etwa beim Rijksmuseum? Diese Fragen muss jedes Museum für sich selbst beantworten. Und die Diskussionen und die Hilflosigkeit bei diesem Thema werden wohl noch eine Weile weitergehen, daher auch die Aussage: die Kultur ist/bleibt ängstlich, aber auch neugierig und experimentierfreudig. Ich bin sehr auf die zukünftigen Projekte gespannt, die Museen sich ausdenken werden.

Stephanie Müller
ist freiberufliche Redakteurin und Lektorin und arbeitet vorwiegend in den Bereichen Archäologie, Geschichte und Museum.#redaktion #museum #archäologie