Die Museen waren im späten Coronawinter kurz wieder geöffnet, zumindest mit Einschränkungen. Sabine Haas konnte endlich wieder eines besuchen – und hat dabei gemerkt, was ihr im langen Lockdown fehlte.

 

Es war die schönste Nachricht seit vielen Wochen: Die Museen öffnen wieder. Für meine Freundin und mich ein Grund, sofort eine Reise nach Frankfurt zu planen. Schon vor Corona hatten wir uns vorgenommen, endlich einmal gemeinsam das Städelmuseum zu besuchen, denn dort bin ich bislang noch nie gewesen. Und so waren wir unter den ersten, die einen Termin für das große Kunstmuseum gebucht hatten.

Bei trübem Wetter ging es mit dem Auto nach Frankfurt. Auch eine Premiere, denn normalerweise würden wir diese Strecke immer mit dem Zug zurücklegen. Pünktlich um 10.30 standen wir vor dem Eingang. Die erste Überraschung: Es war das übliche Publikum, das vor uns in der Schlange stand. Es waren nicht junge oder digitalaffine Zielgruppen, die den Weg zur Online-Terminbuchung als erste gefunden haben, sondern das klassische „Weißhaar-Publikum“, das in Kultureinrichtungen meistens die Mehrheit stellt. Sie alle hatten ihr Online-Ticket gezückt und ihre Kontaktdaten-Formulare vorbereitet mit dabei. Wieder mal ein Beweis dafür, dass Digitalisierung schon lange keine Frage des Alters mehr ist.

Im Museum ist das Tragen einer FFP2- oder OP-Maske Pflicht und es gelten die bekannten Abstandsregeln. Letzteres war allerdings kein Problem: In fast allen Ausstellungsräumen war es mehr oder weniger leer. Meist waren wir zu zweit in einem Saal, manchmal zusammen mit zwei bis vier anderen Personen. Also Abstand mehr als genug. Und was noch viel besser war: Freie Sicht auf die Kunstwerke und jederzeit die Möglichkeit, vor einzelnen Bildern sehr nah und lange zu verweilen, ohne andere Besucher*innen zu stören.

Die einzige Ausnahme war die Sonderausstellung zu Beckmann. Sie war etwas stärker frequentiert. Um auch hier für ausreichend Abstand zu sorgen, wurden die Besucher*innen nur in begrenzter Anzahl eingelassen. Der Rest musste warten, bis wieder „Plätze frei“ waren. Wir hatten Glück und mussten uns weniger als zehn Minuten gedulden, bevor wir in die Beckmann-Räume konnten.

Insgesamt konnten wir uns gar nicht von der Ausstellung lösen, da die Ruhe und Leere sehr wohltuend waren und man sich dadurch in den Bildern regelrecht versenken konnte. Nach etwa zweieinhalb Stunden machte sich allerdings die Maske unangenehm bemerkbar. Auch den obligatorischen Zwischenstopp im Museums-Café haben wir vermisst.

Was aber zum Abschluss trotz Corona noch möglich war: Der Besuch im Museums-Shop (ebenfalls mit begrenztem Einlass). So mussten wir zumindest auf den Kauf der Postkarten mit unseren Lieblingsmotiven (bei mir Renoirs „Nach dem Mittagessen“) zum Ende unserer Museums-Tour nicht verzichten.

Der anschließende Spaziergang am Main-Ufer fiel dann allerdings in sehr kaltes Wasser. Unsere Mittagspause haben wir daher mit einem leckeren China-Menu im Auto verbracht. Auch das eine Premiere.

Alles in allem wird mir mein erster Städel-Besuch mit Sicherheit in Erinnerung bleiben. Es war der seltsamste Museums-Besuch, den ich bisher erlebt habe, aber dennoch war er wunderschön. Und eines ist leider bei allen Anstrengungen der digitalen Kulturlandschaft immer wieder deutlich: Virtuelle Kulturerlebnisse können mit den realen Besuchen von Kultureinrichtungen nur schwer mithalten. Es tat gut, endlich wieder auf echte Gemälde zu blicken.

 

Bild: Auguste Renoir „Nach dem Mittagessen“ (Ausschnitt)

Lizenz: CC BY-SA 4.0 durch das Städel Museum, Frankfurt am Main