Das Netz bietet nicht nur die Möglichkeit, digitale Kultur im Land sichtbar und erlebbar zu machen und eine Plattform für ganz neue digitale Ausdrucksformen zu werden. Onlineangebote können auch dabei helfen, die Grenzen des eigenen Kulturradius zu erweitern und so auf Neues zu stoßen, das bislang nicht im »Relevant Set« der eigenen Aktivitäten stand. 

Gerade NRW bietet eine unglaubliche Vielfalt an kulturellen Highlights. Das war mir zwar irgendwie bekannt, aber doch nicht so richtig bewusst. Seit ich verstärkt in die Oper gehe und mich mit dem entsprechenden Angebot auseinandersetze, ist mir deutlich geworden, wie viel es in NRW zu erleben gibt. So habe ich im vergangenen Jahr nur einmal meine »Hausoper« in Köln besucht. Daneben war ich in Hagen, Mönchengladbach, Düsseldorf, Dortmund, Essen. Die Anreise ist von meinem Wohnort aus mehr oder weniger gleich aufwändig (ich brauche für jedes Ziel etwas mehr beziehungsweise für Köln etwas weniger als eine Stunde).

Mich begeistert diese Vielfalt. Es ist nicht nur jedes Mal eine andere Aufführung, die man erlebt, sondern auch ein jeweils anderes Publikum, andere Häuser mit anderer Atmosphäre. Für mich war es früher undenkbar, außerhalb von Köln in ein Theater- oder Konzerthaus zu gehen. Inzwischen ist der Besuch einer Kulturveranstaltung untrennbar verbunden mit einer Entdeckungsreise durch die Spielstätten von NRW. Und diese Reise ist noch lange nicht abgeschlossen.

Tatsächlich habe ich diese Öffnung des eigenen kulturellen Radius dem Internet zu verdanken. Durch die Vernetzung mit Kulturinteressierten in ganz NRW und die Tipps und Hinweise auf Facebook sind die landesweiten Kulturstätten in meinem Kopf zusammengewachsen zu einem einzigen großen Angebotsraum. Und es macht mich übrigens sehr stolz, das in meiner Heimat vorzufinden. Die Mannigfaltigkeit hier in NRW sucht ihresgleichen. Wer muss da noch bis nach Berlin? 😊

In diesem Jahr geht die Reise somit weiter. Unter nrw-buehnen.de findet man nahezu das gesamte Bühnenangebot NRWs für 2018. Die Menge an Veranstaltungen ist wirklich beeindruckend, und es ist in jeder Richtung etwas dabei. So wollte meine Tochter gerne einmal ein Ballett besuchen. Problemlos haben wir ein typisches »Anfängerstück« gefunden und konnten schon vergangene Woche die wunderbare Inszenierung des Nussknackers in Dortmund genießen. Die Aufführung ist wirklich zu empfehlen, weil kurzweilig, bunt und unterhaltsam. Ein toller Abend und schöner Einstieg in ein für uns bislang unbekanntes Genre. Als nächstes steht Schwanensee auf dem Programm. Auch dieses Ballett haben wir auf Anhieb bei unserer Suche unter nrw-buehnen.de gefunden.


Am Ende ist genau das es, was die Digitalisierung so spannend macht. Nicht die Technik und auch nicht die virtuellen Angebote an sich sind das Entscheidende. Es sind die Veränderungen in unserem Verhalten, unserer Mediennutzung und unserem Zusammenleben, die dem digitalen Wandel seine enorme Relevanz verleihen. Umso wichtiger erscheint es da für Kulturbetriebe, bei der aktiven Gestaltung mitzuwirken. Denn nur wenn es gelingt, das Kulturangebot in NRW digital sichtbar zu machen, wird es in den Köpfen der Nutzerinnen und Nutzer relevant bleiben.

Darum muss es gehen. Und dafür müssen mehr und bessere Angebote her, die für die Vielfalt der #KulturNRW werben.

Sabine Haas
ist Medienpsychologin, Philosophin und beschäftigt sich seit Jahren mit dem digitalen Wandel. Einer ihrer Schwerpunkte sind dabei Kulturangebote in Fernsehen und Radio. Auch das Thema „Kultur im Netz“ behandelt sie seit längerer Zeit. Daneben ist sie eine leidenschaftliche Liebhaberin der Oper.