Im Vorfeld meiner Opernreise nach Lyon durfte ich ein Telefoninterview mit Peter Lohmeyer führen. Der erfahrene und bekannte Schauspieler erlebt derzeit mit einer Sprechrolle in der »Entführung aus dem Serail« sein Opern-Debüt.

Lohmeyer beschreibt seine derzeitige Opern-Rolle vor allem als eine »neue und spannende Erfahrung«. Der ganze Probenprozess sei ein anderer. »Es ist faszinierend, welche Präsenz die Sänger auf die Bühne bringen«, erzählt er mir. Für ihn sei es vor allem wichtig, bei etwas für ihn Neuem dabei zu sein und sich anderen Erfahrungen zu stellen. »Ich erlebe da schon ganz irre Momente, wenn an einigen Stellen in der Oper sich alles auf mich fokussiert, umgeben von Weltklasse-Sängern und Choristen. Das ist schon anders als bei einem Theaterstück.«

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Darüber hinaus sei Oper in vielerlei Hinsicht grenzüberschreitend. Nicht nur verschiedene Künstler (Schauspieler, Sänger, Musiker) fänden da zusammen. Auch sei die Besetzung – anders als beim Theater – international gemischt.

Auf meine Frage, wie sich die Bedeutung der Oper durch die aktuelle Erfahrung für ihn persönlich ändert, ist die Antwort nicht ganz eindeutig: »Ich sehe die Oper jetzt auf jeden Fall mit anderen Augen. Als Schauspieler konnte ich mir manches in der Oper einfach nicht anschauen, wenn die Sänger da vorne so leidlich spielen. Aber es gibt Ausnahmen, wie auch hier in Lyon. Sie spielen alle mit dir, weichen dir nicht aus. Und im nächsten Moment schmettern sie eine Arie. Da hab‘ ich schon Respekt vor«

Eine klare Meinung hat Peter Lohmeyer indes hinsichtlich der Frage, ob sich die Oper stärker für junge und digitale Zielgruppen öffnen muss: »Dass zu wenige junge Menschen in unsere Spielstätten kommen, ist nicht nur ein Problem der Oper. Das Theater ist ebenfalls sehr oft zu wenig von Jungen besucht. Sicher müssen sich die Häuser mehr öffnen und junge Leute stärker ansprechen. Das soll nicht heißen, dass man gleich mit allen Traditionen brechen sollte. Sich für die Oper ein wenig schick zu machen, finde ich nach wie vor richtig. Aber man muss sich andererseits nicht gleich aufregen, wenn mal an angeblich falscher Stelle geklatscht wird.«

Lyon stellt sich dieser Herausforderung nach Ansicht des Schauspielers sehr gut: Dort sei ein bunt gemischtes Publikum zu finden. Er erzählt, wie sich tagsüber Hiphopper unter den Arkaden treffen, um ihre Tänze einzustudieren. So integriert sich das ganze Haus ganz alltäglich ins Stadtbild.

Insgesamt wirkt das Gespräch mit dem sympathischen und gelassenen Schauspieler wie ein Plädoyer für Offenheit und Neugierde. Das belegen auch seine nächsten beiden Stationen: Lohmeyer geht von Lyon zunächst nach Salzburg, wo er seit Jahren den »Jedermann« spielt. Danach folgt eine Bukowski-Tour, bei der der Schauspieler selbst singen wird – wenn auch »nicht so gut wie die Kolleginnen und Kollegen hier in Lyon.«

Für mich war der Austausch mit dem vielseitigen Künstler Lohmeyer vor allem ein starkes Plädoyer für die »analoge Kunst«. Bei allem Digitalen sollte man nicht vergessen, wie schön es ist, einfach mal ein Konzert, die Oper oder das Theater zu besuchen – bei ausgeschaltetem Smartphone.

Copyright Fotos: Stofleth

Sabine Haas
Die Diplom-Psychologin, Medienexpertin und Gründerin der 3C Dialog GmbH gehört zu Deutschlands bekanntesten Fachfrauen, wenn es um die Themen »Service2020« und »Digitale Kommunikation« geht. Mit ihrer in Köln ansässigen Digitalagentur berät und begleitet die Unternehmerin seit über 20 Jahren namhafte Unternehmen und große Medienanstalten auf deren Weg in die Digitalisierung. Sabine Haas ist zudem leidenschaftliche Bloggerin, gern gesehene Speakerin und gefragte Interviewpartnerin. Seit 2013 ist sie als Dozent für »Onlinemarketing« an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.