Podcasts sind ein selbstbestimmtes Medium. Ihre Kontrolle obliegt nur den Produzent*innen und nicht großen Konzernen wie YouTube oder Facebook. Die redaktionelle und technische Umsetzung, inklusive des Hostings und Verbreitens, kann durch eine einzelne Person (oder ein Bot) durchgeführt werden und doch weltweit über die unterschiedlichsten Geräte und Software empfangen werden. Doch seitdem Podcasts in den kommerziellen Interessensbereich gerückt sind, ist die Sorge groß, dass diese Bastion der kommunikativen Freiheit im Internet durch „Plattformisierung“ in algorithmisierte Gleichheit gepresst wird.

Auch wenn viele prominente Stimmen der Podcast-Szene diese Bedenken einmal teilten, ist das Bild, das die derzeitige Podcast-Welt abgibt, nicht so schlimm, wie oftmals (auch von mir) befürchtet. Podcasts sind immer noch ein Nischenmedium, daran haben auch die großen kommerziell betriebenen Formate nichts geändert. Noch hat sich nicht, wie einmal befürchtet, die Monotonisierung und Monopolisierung durch einen großen Player eingestellt, auch wenn viele Internetriesen immer noch versuchen, sich den Markt einzuverleiben. Wie kann das sein? Ob soziale Netzwerke, Videostreaming, Einzelhandel oder Mobilität – bisher ist die Erfahrung, dass der Kontakt einer Branche mit dem Internet meist mit genau diesen Entwicklungen einhergeht.

Für das Ausharren der Podcast-Kultur in ihrer dezentralen, unabhängigen Form gibt es sicher deutlich mehr Gründe, als dass ich sie überblicken oder hier wiedergeben könnte. Ein paar Umstände halte ich jedoch für besonders relevant.

Traditionen sichern die Vielfalt

Anders als viele von Monopolisierung betroffene Bereiche sind Podcasts nativ digital. Wie ihr Name verrät, sind sie durch das Apple-Universum stark geprägt, allerdings vor dessen Karrierehochpunkt als Datenriese und Kompatibilitäts-Muffel. Man mag es kaum glauben, Apple haftete mal der Charme eines alternativen Konsums an. Apple ist es hier wie so oft gelungen, eine Technologie, die (unter dem Namen Audioblogging) eigentlich schon bestand, für sich zu branden (Podcast = iPod + Broadcast). Hinter der Integration in den iPod, dem zweifellos die erste große Verbreitung des Mediums zu verdanken ist, befanden sich jedoch frei verfügbare Technologien, die sich so auch schnell wieder vom Konzern emanzipieren konnten.

Daraus sind jede Menge Communities, Software, Hardware, Plattformen[1] (aber eben keine übermächtigen) und natürlich Podcasts entstanden. Die Vielfalt macht die Podcast-Welt nicht nur spannend, sondern auch sehr schwer zu überblicken und zu kontrollieren. Die unzähligen Menschen, die an der Podcast-Community mitgewirkt haben, haben einfach zu viel Energie hineingesteckt, als dass sie ihre zur Tradition gewordenen Praktiken für einen Exklusivvertrag mit einem Internetriesen aufgeben wollen würden. Nicht, dass grundsätzlich etwas Verwerfliches am Wunsch wäre, etwas Geld einzunehmen, schließlich ist Podcasting je nach Veröffentlichungsfrequenz und Episodenlänge recht aufwändig, aber für viele ist es eher eine Leidenschaft als ein Job und so wird das auch bleiben.

Nur um ein kleines Beispiel zu nennen: Die Podcast-Suchmaschine fyyd wird von einer einzelnen Person als Hobby betrieben. Sie gewinnt vielleicht keinen Design-Award, tut aber genau das, was sie soll. Daten werden nur bei Login erhoben, den man nur braucht, wenn man einen eigenen Podcast listen will. Das Datenschutz-Motto: „Ich möchte die Menge an Daten, die ich über Euch Nutzerinnen hier habe schon aus einem einfachen Grund so gering wie nur möglich halten: Faulheit. Je weniger Daten da sind, desto weniger Arbeit macht mir das.“

Um die Podcast-Community haben sich viele kleinere Firmen gegründet, die das Leben der Podcaster*innen erleichtern. Ein Beispiel ist hier Auphonic, eine Webseite, auf der mittels Machine Learning Tonaufnahmen für Podcasts optimiert werden und direkt in die passenden Dateiformaten, inklusive eingetragener Metadaten, umgewandelt werden können. Die Webseite ist ein eigenständiges Projekt, das besonders in der Entwicklungsphase eng mit Podcaster*innen zusammengearbeitet hat, erzählt mir Georg Holzmann, der das Projekt vor etwa 10 Jahren initiiert hat.

Auch wenn Podcasts von Unternehmen und großen Medienhäusern manchmal kritisiert werden, da sie dem Ideal des freien, privaten Podcastens nicht entsprechen – auch sie halten die technische und thematische Vielfalt aufrecht. Ihre finanzielle Stabilität und das Interesse, möglichst viele Kanäle zu bedienen, hält sie davon ab, sich auf einen Anbieter zu beschränken. Insbesondere die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bereichern so jede Podcasting-Plattform.

Diese Vielfalt hat sich entwickelt, lange bevor sich die großen Audio-Plattformen darum gerissen haben und die Community, die dahintersteht ist so mit all den Technologien und Praktiken verwoben, dass sie sie nicht so leicht aufgeben wird. Von einer Plattformisierung kann also noch lange keine Rede sein.

[1] Hier gibt es noch unzählige weitere Beispiele, in den Links nur ein paar bekannte.