Das Online-Auktionshaus start your art bietet jungen Künstlern eine Plattform für ihre Werke, um damit erste Schritte im Kunstmarkt wagen zu können. Gegründet wurde es im Jahr 2010 von der Münchner Kunsthistorikerin Jenny Seul, die eine Plattform für Kunstbegeisterte mit begrenzten Ressourcen sowie junge, noch unentdeckte Künstler bieten wollte. Eine zunächst großartige Idee: Kunst wird damit für alle an jedem Ort und zu jeder Zeit verfügbar. Bisher unscheinbaren Talenten wird gleichzeitig die Chance gegeben, ihr Können unter Beweis zu stellen und sich aller Welt zu präsentieren. Ohne leidige Zwischenhalte.

Mit start your art schlummernde Talente entdecken

Als Jugendliche wollte ich selbst Künstlerin werden. Darum habe ich auch den Kunst-Leistungskurs belegt. Aber schon bald wurde mir klar, dass meine Träume und Lebensziele nicht mit meiner Leidenschaft vereinbar waren. Die Realität war fies: Kaum ein freischaffender Künstler macht das wirklich große Geld, kann davon ein Haus bezahlen oder eine Familie ernähren. Die Künstler, die ich kenne und natürlich auch schätze, weisen einen hohen Anspruch an sich und ihre Kunst auf. Gleichzeitig geben sie sich aber mit einem eher bescheidenen Leben zufrieden, mehr gibt die Kunst leider nicht her. Aber das wäre mir nicht genug. Also weg damit, dieser Idee irgendwann »entdeckt« zu werden.

»Die Künstler, die wir in unser Portfolio aufnehmen, müssen etwas Besonderes mitbringen.« (Jenny Seul)

Damals gab es simple Marketingsintrumente wie start your art auch noch nicht. Man war auf Galerien angewiesen, die sich bereit erklärten, die Kunstwerke auszustellen. Es gab immer diese »erste Hürde« zu nehmen, man musste sich am »Gatekeeper« vorbeimogeln, um überhaupt die Chance zu bekommen, entdeckt zu werden. Nicht von den Galeristen, sondern vom breiten Publikum aller Kunstliebhaber. Dank dem digitalen Wandel verlagern sich die Märkte aber – der Kunstmarkt eingeschlossen. Längst wird nicht mehr alles vor Ort, sondern bequem per E-Mail oder über Social Media geklärt. Das Internet steht jedem frei zur Verfügung, was aber den Nachteil mit sich bringt, dass das Angebot sehr vielfältig ist: Kunst ist nicht gleich Kunst.

Martin Friedl: Good Night Sleep Tight

Martin Friedl: Good Night Sleep Tight (2/6), 2013/15, Druckgraphik, 60 x 120 cm

 

Ist das Kunst oder kann das weg? Qualität zählt!

Doch woran kann ein junger Künstler nun den Wert seiner Werke bemessen, wenn er sich nicht mehr an Galeristen vor Ort wendet? Für diejenigen, die erste Erfahrungen sammeln und ihren aktuellen »Marktwert« ermitteln möchten, bietet start your art einen guten Einstieg in den Kunstmarkt. Das Preismodell erscheint fair, denn fällige Provisionen werden zwischen Künstler und Käufer aufgeteilt. Die Auktionszeit startet zudem erst, wenn auch tatsächlich ein Gebot eingegangen ist. Man spart also massig Zeit und muss seine Kunstwerke nicht wieder und wieder einstellen, bis sich der passende Käufer gefunden hat. Selbstverständlich ist dem Unternehmen aber die Wahrung seiner eigenen Qualitätsstandards wichtig. Daher können nur ausgewählte Künstler auch tatsächlich Werke auf der Plattform einstellen. Das hat aber auch seinen Grund:

»Es werden maximal 50 Künstler gleichzeitig präsentiert. Dadurch verhindern wir, dass das Angebot unübersichtlich und beliebig wird. Der Kunde kann sich sicher sein, dass sich die von uns präsentierten Künstler nicht nur durch Originalität, sondern auch durch Virtuosität auszeichnen.«

Kritisch ist allerdings die relativ kurze Aktionszeit von zwei Tagen. Nicht nur, dass Kunstliebhaber quasi täglich im Auktionshaus »vorbeisurfen« müssen und dies lästig werden kann, stellt ein Problem dar. Auch wirkt das Online-Auktionshaus manchmal recht leer, da keine Auktionen laufen und viele Kunstwerke eine lange Zeit auf ihren Auktionsstart warten. Man könnte den Eindruck erhalten, dass auf dem Portal »gar nichts los sei«. Erst, wenn sich der Betrachter näher mit den Auktionen beschäftigt und die Anzahl der »verkauften Werke« der Künstler betrachtet, lassen sich Vermutungen darüber aufstellen, wie das Geschäft mit dem digitalen Kunstvertrieb tatsächlich läuft. Gründerin Jenny Seul gibt hierbei Entwarnung:

»Wir konnten bisher jedes Jahr Umsatzsteigerungen von 30 bis 40 Prozent erzielen und erreichten letztes Jahr unseren Break-Even (Schwarze Zahlen).«

Julie Weißbach: Why can’t we just be friends

Julie Weißbach: Why can’t we just be friends, 2015, Zeichnung, Unikat, 30 x 42 cm

Ein kompetenter Partner für junge Künstler

Grundsätzlich wurde das Online-Auktionshaus von Jenny Seul vor allem für Studierende und Absolventen einer Kunsthochschule oder Akademie für Bildende Kunst konzipiert. Nicht zu vergessen die talentierten Autodidakten, die das Wissen bereits mit der Muttermilch aufsaugen und auf Leinwand bringen können. Denn Jenny Seul ist es wichtig, dass die Künstler ihr »Handwerk« beherrschen. Eine akademische Ausbildung sei hier aber kein Muss.

Mit dem Auktionshaus haben sie ein Instrument an die Hand bekommen, ihre Bilder zu bewerben, ohne aktiv zeitraubendes Marketing betreiben zu müssen – wovon ohnehin die wenigsten Ahnung haben. start your art kümmert sich aktiv um den Vertrieb und organisiert alle Zahlungs- und Transportmodalitäten für den Künstler. Die Käufer haben den Vorteil, dass sie gute Kunst auf transparentem Wege erstehen können, ohne örtlich gebunden zu sein. Eine Win-Win-Situation also, vor allem, da die Online-Präsenz der Künstler massiv gesteigert werden soll:

»start your art trägt in erheblichem Maße zur Sichtbarkeit der Künstler im Netz bei. Dies gelingt uns vor allem durch Social Media Marketing und Suchmaschinen Optimierung. Wir sind bei zentralen Suchbegriffen wie ,Kunst kaufen‘ oder ,Kunst online‘ unter den ersten fünf Treffern!«, so Gründerin Seul.

Die Bekanntheit des Portals sei so stark angewachsen, dass start your art inzwischen als Marke im Kunstmarkt anerkannt sei. Es gäbe viele Stammkunden, die immer wieder im Online-Auktionshaus einkaufen. Auch das Interesse der jungen Künstler steigt, sodass schon beinahe täglich Bewerbungen eintrudeln. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Online-Portal in der Zukunft entwickeln wird. Ich denke, es ist als Chance zu sehen, insofern man im rechten Moment die Abnabelung von dem Portal schafft, um sich als Künstler eigenständig auf dem Kunstmarkt zu etablieren.

Yasmin Neese

ist Medienwirtin, Redakteurin und Non-Stop online. Über den Leistungskurs Kunst hinaus hat es zwar nicht gereicht. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich aber gerne mit außergewöhnlicher, moderner Kunst. Wenn Familie und Beruf es zulassen, treibt sie auf ihrem Familienmischblog als »Die Rabenmutti« ihr Unwesen.