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Ein kleiner Teil einer vergangenen Epoche, die uns im 21. Jahrhundert oft spannend und geheimnisvoll vorkommt, wird durch das Serious Game Basel 1610 einem breiten digitalen Publikum zugänglich gemacht. Serious Games stellen eine Verbindung zwischen Unterhaltung und Lernangeboten dar: Basierend auf realistischen beziehungsweise historischen Ereignissen, betten sie die Vermittlung dieser Informationen in einen spielerischen Kontext ein. 

Analoger Stadtplan erwacht digital zum Leben

In der Rolle des Medizinstudenten Konrad begibt sich der Spieler auf eine Zeitreise ins Jahr 1610. In Basel ist die Pest ausgebrochen und Konrad ist auf der Suche nach dem Arzt Felix Platter, um bei diesem zu studieren. Der Spieler soll ihn aus der fernen digitalen Welt heraus dabei unterstützen und zahlreiche kleinere Rätsel und Aufgaben lösen. Als einfaches 2-D-Spiel animiert ist Basel 1610 eingebettet in die Stadtgeschichte des 17. Jahrhunderts und Teil eines gemeinsamen Projekts des Historischen Museums Basel und des Historischen Seminars der Universität Basel, das mithilfe von Fördergeldern der Abteilung Kultur Basel-Stadt, des Swisslos-Fonds Basel-Stadt sowie der Bowmore Foundation Vaduz umgesetzt wurde. Animiert wurde das Serious Game von den Kölner Programmierern von the Good and Evil. Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf der Website des Historischen Museums Basel.

Merian, Pest und Spalentor

Grundlage des Serious Game ist der historische Merianplan, den Matthäus Merian der Ältere der Stadt 1615 als Federzeichnung widmete. Die Zeichnung sowie ein Druck aus dem Jahr 1617 sind Teil des Bestands des Historischen Museums und bilden die Grundlage für das virtuelle Abenteuer von Konrad. Im spielbaren Prototyp von Basel 1610 gibt es nicht nur Verweise auf den Merianplan an sich, sondern auch andere Aspekte des historischen Basels werden aufgegriffen. So ist Felix Platter keine fiktive Person. Tatsächlich war er Professor für Medizin und zugleich Stadtarzt in Basel. Bekannt wurde er für seine aktive Forschungstätigkeit und ausführliche Dokumentation, zum Beispiel über die Pest in Basel. Und so findet Konrad in Platters Arbeitszimmer Notizen und Formeln mit Überlegungen zur Bekämpfung der Pest.

Aktuell sind mit dem Spalentor und dem Platterhaus zwei Orte beziehungsweise Points of Interest des historischen Basels zu entdecken. Über das Historische Museum Basel werden derzeit Spenden gesammelt, um weitere Teile der Stadt in das Spiel zu integrieren.

Gelungene Verbindung neuer und alter Medien

Mit Basel 1610 haben es die Projektverantwortlichen geschafft, ein wichtiges Exponat einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Merianplan als Serious Game zeigt nicht nur ein zu begrüßendes Kulturverständnis, das Kultur im digitalen Wandel prominent platzieren möchte, sondern verbindet neue und alte Medien, Federzeichnung und digitale Animation auf eine kurzweilige Art und Weise. Die ersten Baseler Schauplätze aus dem 17. Jahrhundert wecken die Vorfreude auf weitere historischen Einblicke und lassen auf eine Anschlussfinanzierung hoffen.

Meine persönliche Empfehlung für die Fortsetzung: Eine Kombination des Merianplans mit anderen Zeichnungen, Stichen oder Dokumenten, die die Lebenswelt des 17. Jahrhunderts noch weiter erfahrbar machen und die verschiedenen Exponate in Relation setzen. Und vielleicht erhöht Basel 1610 ja auch die nicht-virtuellen Besucherzahlen im Historischen Museum Basel. Denn für alle, die mehr über den Merianplan erfahren möchten oder denen die historischen Fakten zu kurz sind, gilt: Das nicht digitale Original gibt es immer noch. Zwar nicht animiert, dafür aber ebenfalls mit spannenden Einblicken, Entdeckungen und Rätseln.

Mehr zum Thema:

Merian-Plan von Frankfurt in 3-D – Ein Projekt des Historischen Museums Frankfurt

Video des Historisches Museum Basel zum Spiel

(Bildrechte: Historisches Museum Basel)

Marcel Dresse
Marcel Dresse