Auf ihrer Moselreise machte Sabine Haas Stopp auf dem Weinkulturgut Longen-Schlöder. Nicht nur Speis und Trank, auch Geschichte und Architektur konnten sie dort begeistern.

Das Weinkulturgut Longen-Schlöder im kleinen Örtchen Longuich an der Mosel war meine persönliche Entdeckung auf meiner kürzlich durchgeführten Moselreise. Das seit Generationen im Familienbesitz befindliche Weingut wurde von seinen jetzigen Inhaber*innen, dem 54-jährigen Markus Longen und seiner Frau Sabine, zu einem Gastronomie- und Hotelbetrieb mit einer Vielzahl an kulturellen Veranstaltungen erweitert. Ein gelungenes Konzept, was der hohe Anteil an Stammkunden eindrücklich belegt.

Die Unterkunft

Das Besondere bei Longen-Schlöder ist die Architektur und Anlage der Gästeunterbringung. In sogenannten „Winzerhäuschen“ (s. Artikelbild) kann man ungestört von seinen Nachbarn eine erholsame Zeit verbringen. Jedes Häuschen ist mit viel Liebe ausgestattet: Ein Schlafraum, ein kleines, modernes Bad, eine private Terrasse und ein individueller kleiner Vorgarten. Mehr gibt es nicht: Keinen TV, keine Wellness, keinen Pool. Also nur etwas für Wanderer*innen, Genußurlauber*innen oder Nichts-Tuer*innen. Da mir das Konzept so gut gefiel, führte ich ein Gespräch mit den Inhaber*innen.

Markus und Sabine Longen (© Maurice Shourout)

Markus Longen erläutert das Konzept der Häuschen: „Der Bezug zu den alten Winzerhäuschen aus der Region wurde als Designlinie immer wieder aufgegriffen: Die Nachttische erinnern an Holzklötze, auf denen die Pfähle für die Weinreben gespitzt wurden. Die kleinen Holzleitern an den Wänden benötigte man früher, um von einer Etage der Weinberge auf die nächste zu kommen. Und die große Terrassentür mit ihren Holzläden erinnert an ein Scheunentor. Es war uns wichtig, etwas zu bauen, das sich in die Landschaft einfügt.“ Das ist dem Ehepaar Longen gelungen: Ihre „Winzerhäuschen“ mit der auffälligen Schieferummantelung fügen sich in die liebevoll angelegte Gartenarchitektur genauso gut ein wie in die ebenfalls sehr urige Dorfkulisse.

Die Idee zu den Winzerhäuschen, berichtet Sabine Longen, sei relativ spontan entstanden: „Zunächst hatten wir im Jahr 2002 das Weingut um einen Gastronomiebetrieb erweitert. Später wollten wir dann auch Übernachtungsmöglichkeiten schaffen.“ Dem Winzerehepaar war klar, dass es keine hochaufschießenden Gebäude auf ihrem Grundstück geben solle. Da sie schon immer ein Interesse an Tourismus-Architektur hatten, kannten sie den Namen Matteo Thun. Seine sogenannte botanische Architektur, die auf Nachhaltigkeit und Anbindung an die Landschaft setzt, ist gerade in Südtirol fast schon prägend geworden. Also haben Markus und Sabine Longen nachts um 1 Uhr Mut gefasst und kurzerhand eine Mail an Matteo Thun geschrieben, ob er ihnen bei der Entwicklung ihrer Gästeunterbringung helfen könne.

Schon am nächsten Morgen war die Antwort da: Eine Einladung zum Abendessen in Mailand. Ehepaar Longen stieg in den Flieger und kam glücklich mit einem Star-Architekten in das kleine Longuich zurück. Für Thun lag der Charme darin, dieses Projekt im wahrsten Sinne des Wortes auf einer grünen Wiese von Anfang an entwickeln zu können. Noch heute hält die Beziehung zu Matteo Thun an, den die beiden Mosel-Weinbauern nach wie vor sehr bewundern. „Zu den Winzerhäuschen gehören auch unsere Gärten. Die Verbindung zur Natur war von Anfang an ein wesentlicher Teil des Entwurfs von Thun, die sich in den vergangenen Jahren entfaltet haben. Jetzt ist es perfekt.“ – Dem stimmen die Bewohnerinnen und Bewohner der 14 Gästehäuser sicher zu.

Das Essen

Schon 11 Jahre länger als die Gästehäuser gibt es das Restaurant Longen-Schlöder. Die Longens haben mit dem Restaurantbetrieb ihren Traum verwirklicht: „Wir bieten regionale, frische und gesunde Küche an, keine Sterneküche, aber alles mit Liebe zubereitet.“ Davon konnten meine Freundin und ich uns überzeugen. Wir haben sowohl die ruhige Restaurant-Terrasse als auch das Essen sehr genossen und einen ausgiebigen Abend im Restaurant Longen-Schlöder verbracht. Man merkt, dass die Karte bewusst zusammengestellt, die Zutaten frisch und das Angebot regional ist – Was will man mehr?

„Wir waren selbst überrascht, wie schnell sich unser Restaurant gefüllt hat. Sehr viel auch mit Stammgästen aus der Region. Viele kommen jede Woche zu uns und schon bald war uns klar, dass wir das Restaurant erweitern müssen, wenn wir auch genügend Platz für Touristen haben wollten“, erklärt Sabine Longen.

Selbst in den Winzerhäusern steigen viele Gäste aus der näheren Umgebung ab. „Wir haben regelmäßig eine Familie zu Gast, die aus Trier kommt, also nur knapp eine Dreiviertelstunde mit dem Auto entfernt.“ Das Argument der Gäste: „Wir sind früher immer nach Südtirol gefahren. Aber wenn Matteo Thun jetzt hier ist, kombiniert mit gutem Wein und leckerem Essen, warum dann so weit fahren?“ – Ein riesiges Kompliment für die Familie Longen.

Der Wein

Zum guten Essen gehört guter Wein – zumindest an der Mosel. Ich bin keine Weinexpertin, kann aber berichten: Der Wein von Markus Longen hat geschmeckt. Meine Freundin und ich haben die Karte zwar nicht ganz, aber doch zu einem Teil durchprobiert: Angefangen beim Winzersekt über Weißwein, Rosé und Rotwein bis hin zum Schnaps. Alles – natürlich in kleinen Mengen – war sehr, sehr lecker.

© Christopher Arnoldi

Markus Longen ist vor allem auf seine besonderen Sorten stolz: „Ich war vor 30 Jahren mit bei den Ersten, die sich um eine Genehmigung für den Rotweinanbau hier an der Mosel bemüht haben.“ Das sei damals sehr ungewöhnlich gewesen, denn normalerweise gebe es an der Mosel nur Weißweine.

Entsprechend froh ist Markus Longen über seine aktuelle Produktpalette: Es gibt neben dem Mosel-Riesling auch Weißen Burgunder und Chardonnay. Bei den Roten findet sich Spätburgunder, Cabernet und Merlot.

„Mein Mann experimentiert gerne mit neuen Sorten. Das macht ihm Spaß. Er möchte für die Region neue Angebote in Sachen Wein schaffen,“ erläutert seine Frau. Nicht nur die Sorten sind außergewöhnlich, auch die Etiketten. Sabine Longen: „Wir hatten die Idee, verschiedene Künstlerinnen und Künstler zu bitten, unsere Etiketten zu gestalten. Auch Matteo Thun hat ein Etikett für unseren Sohn, der derzeit eine Ausbildung zum Winzer macht, gestaltet. Wir möchten immer auch einen Bezug zu Kunst, Kultur und Design schaffen. Das liegt uns am Herzen.“

Die Kultur

Kultur soll bei Longen-Schlöder eine wesentliche Rolle spielen. Nicht nur in Form der Architektur oder der Weinetiketten, sondern auch in Form von Veranstaltungen. Lesungen, Musik, Theater – vor Corona gab es beim Weinkulturgut einen bunten Veranstaltungskalender, der viele kleine und spannende Angebote umfasste. Jetzt füllt sich der Kalender langsam wieder, in der Hoffnung, dass es auch im Herbst Angebote geben kann.

Alles in allem hat mir vor allem die Begeisterung gefallen, mit der die Winzerfamilie Longen ihren Betrieb gestaltet und betreibt. Es ist viel Energie zu spüren, wenn man mit Markus und Sabine Longen spricht und man bekommt eine Ahnung davon, wieviel Arbeit in einem solch vielseitigen Betrieb steckt. Dennoch wirken weder Personal noch Inhaber*innen gestresst oder genervt. Das Weinkulturgut ist kein hektischer, sondern ein entspannter Ort – trotz des Aufwandes, der mit Sicherheit dahintersteckt. Das nächste Projekt der Beiden ist übrigens schon in Planung: Eine neue Website, damit das, was Longen-Schlöder bietet, auch über die regionalen Grenzen hinaus gefunden werden kann.

Hier noch einmal die wichtigsten Links zum Aufenthalt im Weinkulturgut Longen-Schlöder:

Weinkulturgut Longen-Schlöder

Veranstaltungskalender des Weinguts

Die botanische Architektur von Matteo Thun

Artikelbild: © Christopher Arnoldi