Kölnisches Stadtmuseum digital – Interview mit Wibke Becker

Von |2022-06-21T10:48:42+02:0020.06.2022|Digitalkultur|

Das Kölnische Stadtmuseum zieht ins ehemalige Modehaus Franz Sauer und ist aufgrund dieses Umzuges zurzeit geschlossen. Um die Besucher*innen trotzdem auf dem Laufenden zu halten, ist das Museum digital unterwegs. Wibke Becker, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, spricht im Interview über die Herausforderungen und Besonderheiten.   

Liebe Frau Becker, freuen Sie sich auf den neuen Standort? Mit welchen „Highlights“ dürfen die Besucher*innen rechnen? 

Ich freue mich sehr auf den neuen Standort! Die Lage ist klasse und wir werden sicherlich vom Laufpublikum profitieren. Besonders gut gefällt mir die leichte, elegante Architektur des Hauses, auch wenn es für ein Museumsgebäude sehr speziell ist. Die Bauart hat eine ganz eigene Sprache. Es ist eine tolle Chance für uns, sich komplett neu aufzustellen.  

Unser neuer Standort ist wesentlich kleiner als zuvor. Unsere Besucher*innen können sich auf eine konzentrierte Darstellung der Stadtgeschichte freuen. Wir werden ein völlig neues Ausstellungskonzept präsentieren, indem wir den Besucher*innen in seiner normalen Alltags- und Gefühlswelt abholen. Die Ausstellung wird sehr modern, aber natürlich werden auch weiterhin unsere großen Schätze wie zum Beispiel der Vis-a-Vis, das älteste in Köln gebaute Automobil, oder das mittelalterliche Stadtsiegel ausgestellt.  

Bis zur Neueröffnung ist das Museum digital unterwegs. Was machen Sie hier genau?  

Wir bespielen die gängigen Social-Media-Kanäle wie Instagram, Facebook, YouTube und Twitter. Außerdem verfügt unsere neue Homepage über eine Mediathek und einen Blog.
Jeden Tag veröffentlichen wir Geschichten aus der Vergangenheit für unsere Follower*innen, werfen aber auch immer wieder einen Blick auf aktuelle Themen. Die Inhalte sind abwechslungsreich und modern gestaltet, so kommen wir auch digital unserem Bildungsauftrag nach.  

Welchen Herausforderungen muss sich das digitale Museum stellen?  

Es ist eine Herausforderung, jeden Tag neuen Content zu produzieren. Bei Ausstellungen ist das anders: Wenn sie einmal steht, dann steht sie auch erst mal ein halbes Jahr! 😊  Gleichzeitig müssen wir die Social-Media-Inhalte zielgruppengerecht aufbereiten, da jeder Kanal eine andere Zielgruppe hat. Auf Facebook wenden wir uns beispielsweise an die Besucher 50+, wohingegen Instagram die junge Zielgruppe abholt. Twitter wiederum spricht Journalisten und andere Häuser an. Dazu kommt noch der Algorithmus, der uns auch immer wieder vor neue Aufgaben stellt.  

Im Kern müssen wir immer aktiv und up to date sein, mit den Fragen im Fokus: Welche Trends sind angesagt? Was wollen die Leute? Was will unsere Zielgruppe?  

Welche Besonderheiten fallen Ihnen online im Bereich Kultur auf?  

Mich begeistert der Austausch zwischen den Museen. Es ist nicht das klassische Konkurrenzdenken, ganz im Gegenteil. Wir tauschen uns sehr viel aus und werden von anderen Museen häufig angeschrieben. Der Austausch ist immer sehr inspirierend. 

Außerdem beobachte ich, dass gerade historische Museen mutige und moderne Formate umsetzen. Viele Kunstmuseen sind dagegen beispielsweise klassisch unterwegs. Wir gehen andere und frische Wege, aber dadurch bekommen wir auch die Möglichkeit, ein junges Publikum zielgerichtet anzusprechen.  

Visualisierung des zukünftigen Foyers (Visualisierung neo.studio neumann schneiderarchitekten)

Wie ist die Resonanz auf den Kanälen?  

Sehr positiv. Wir haben einen sehr aktiven Austausch mit unseren Followern. Da kann ich insbesondere Facebook hervorheben. Es ist schön zu sehen, dass sich die Arbeit in unsere Kanäle auszahlt. Unsere Follower*innen sind sehr dankbar für die umfassenden Informationen. Die sozialen Netzwerke ermöglichen einen intensiven, direkten Austausch mit den Museumsbesucher:innen. Wir bekommen unmittelbares Feedback, das ist wirklich toll.  

Führen Sie das digitale Museum nach der Neueröffnung fort?  

Auf jeden Fall! 😊 Wir waren auch vor der Schließung online unterwegs und werden das auch in Zukunft beibehalten. Unser studentisches Infoteam unterstützt uns hier enorm, ohne sie wäre das auch nicht möglich. Sie sind federführend an dem Projekt beteiligt und wissen als „Digital Natives“ genau, was die Follower*innen sehen wollen. Davon profitieren wir sehr und ich bin für ihre Unterstützung sehr dankbar.  

Wir freuen uns, dass wir das Kölnische Stadtmuseum im Rahmen der neuen Website unterstützen konnten und wünschen schon jetzt für die Neueröffnung viel Erfolg. 


Beitragstitelbild: das Gebäude von außen (Foto: C. Ehrchen)

Depot Boijmans Van Beuningen Rotterdam – ein Blick hinter die Kulissen eines Museums

Von |2022-05-13T12:59:41+02:0013.05.2022|Digitalkultur|

Mit Social Media und der damit verbundenen Demokratisierung des digitalen Dialogs hat sich die Haltung unserer Gesellschaft grundlegend verändert. Politiker*innen, Unternehmen, Institutionen und Medien können es sich nicht mehr leisten, eine „Verlautbarungskommunikation“ zu praktizieren. Es besteht die Erwartung, dass sie transparent, auf Augenhöhe und direkt in den Austausch mit ihrer jeweiligen Zielgruppe treten.

Das betrifft auch Museen: Auch sie beginnen mehr und mehr damit, ihr Publikum nicht nur als passive Ausstellungsbesucher zu sehen, sondern sie darüber hinaus in ihre Arbeit einzubinden. So versucht beispielsweise die Plattform nextmuseum.io Kurationsprozesse für eine breite Öffentlichkeit zu öffnen.

Eine andere Idee der Museumsöffnung verfolgt das Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Es hat sich der Fragestellung angenommen, wie die umfangreichen Depots, in welchen in der Regel der größte Teil der Museumssammlung unzugänglich lagert, für das Publikum transparent und sichtbar gemacht werden können. Ein sehr spannender Trend, mit dem sich inzwischen verschiedene Museen befassen und der in Rotterdam in vorbildlicher Weise umgesetzt ist.

Eine einzigartige Idee schafft Einblicke in die Arbeit hinter die Kulissen

Das Boijmans Van Beuningen ist Rotterdams größtes Museum mit einem Bestand von mehr als 150.000 Exponaten und vielen Kunstwerken der großen alten Meister wie Hubert und Jan van Eyck, Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel, Tizian, Veronese, Rubens, Van Gogh. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, wird derzeit renoviert und ist daher für längere Zeit geschlossen.

Aus dieser „Not“ heraus entstand der Gedanke, das im Keller gelagerte Depot auf eine ganz und gar neue Weise zu inszenieren: In einem futuristisch anmutenden Gebäude direkt neben dem „alten“ Museumsgebäude gibt das Boijmans Depot als erstes Museum weltweit Einsicht in die Arbeit, die bislang hinter den Kulissen verlief.

Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch, als ich die Einladung einer Freundin für den Besuch des Depots erhielt: Ist das denn spannend, sich Lagerflächen anzuschauen? Kann man da viel sehen? Ich wurde positiv überrascht und bin beeindruckt, wie spannend ein Blick in die sonst verborgenen Arbeiten eines Museums sein kann.

Mehr als ein Highlight erwartet die Besucherinnen und Besucher 

Das erste Highlight gab es schon vor unserem Eintritt in das Gebäude: Das Depot erinnert an eine große, silberfarbene Salatschüssel. Die gesamte Umgebung spiegelt sich in ihr, und die gebogenen Außenwände sorgen für faszinierende Reflexionen. Der Eingang ist konstruiert wie riesige Flugzeug-Türen, die sich zur Seite hin aufschieben lassen. Ein imposanter Bau in der architektonisch insgesamt sehr vielseitigen und spannenden Stadt Rotterdam.

Das Thema Licht und Spiegelung zieht sich durch das gesamte Gebäude. Auch innen erscheint alles in vielfacher Reflexion, weil Wände und Böden des Treppenhauses zu einem großen Teil aus doppeltem Glas bestehen, zwischen dem Exponate ausgestellt sind. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig und im ersten Eindruck sehr verwirrend, macht aber mehr und mehr Spaß, je länger man sich im Gebäude aufhält, denn es gibt entlang der Laufwege eine Menge zu entdecken.

Die eigentlichen Lagerräume ziehen sich entlang der Flure über insgesamt sechs Etagen und umfassen fünf verschiedene „Klimazonen“. Während ich ganz naiv bislang angenommen hatte, Kunst würde möglicherweise nach ihrem Alter oder dem Namen der Künstler sortiert, ist die Realität eine andere: Um die Lagerbedingungen jeweils zu optimieren, steht bei der Strukturierung im Depot das Material im Vordergrund. So gibt es Räume für „anorganische Materialien“ oder „Papier“, für „hängende Kunst“ oder „Mischmaterialen“. Dieses System macht sehr viel Sinn, weil die entsprechenden Klimabedingungen pro Raum angepasst werden können.

Digital und analog zu informieren ist Teil des Gesamtkonzept

Als Besuchende erhält man sowohl analog als auch digital Einblick in die verschiedenen Räume. Durch große Schaufenster kann man jeweils in die vorderen Regalreihen blicken. Dort sieht man nicht nur spannende Exponate, sondern lernt auch etwas über die komplizierte Thematik der Verpackung von Kunstobjekten. Wer zudem etwas über die Schätze in den hinteren Regalreihen der riesigen Lagerräume wissen möchte, kann mittels QR-Code in der kostenfreien Depot-App nachschauen und findet dort tausende der Objekte beschrieben. Zusätzlich gibt es bei einigen Räumen Screens, die über diverse Eckdaten wie z. B. die Größe der Exponate oder Ähnliches informieren.

Statt klassischer Ausstellung oder Inszenierung steht die Arbeitspraxis im Fokus

Wer erwartet, eine systematische Führung durch verschiedene Kunstgattungen oder Künstler zu bekommen, wird enttäuscht. Da die Kunst in den Regalen lagert, ist sie weder in irgendeiner Weise inszeniert, noch beschriftet. Auch die Kunst, die in Wänden, Decken oder Böden zwischen Glas ausgestellt ist, hat keine Beschriftung. Das ist für mich zunächst ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Aber sehr schnell wird das Interesse umgelenkt auf Fragen rund um das Thema Sammeln, Bewahren und Restaurieren.

So ist es für mich beispielsweise ein Highlight, Einblick in die verschiedenen Restaurationswerkstätten zu erhalten. Auch sie sind verglast, sodass man sehen kann, in welcher Art und Weise und mit welchen Geräten die Restaurierung von Holz, Gemälden oder Glas erfolgt – eine ganz besondere Handwerkskunst, die man üblicherweise nicht zu Gesicht bekommt.

Doch auch die klassische Ausstellung bleibt nicht komplett auf der Strecke. In zwei oder drei Räumen werden Kunstobjekte in vertrauter Art und Weise präsentiert, u. a. die Gemälde-Highlights der Sammlung Boijmans Van Beuningen. Es werden hier tatsächlich nur rund ein Duzend Bilder gezeigt, luftig und frei hängend im Raum, sodass man sie in nächster Nähe sowohl von vorne als auch von hinten besichtigen kann.

Nach ca. 1,5 Stunden sind wir mit dem Rundgang durch die verschiedenen Etagen fertig und kommen auf die mit Birken bepflanzte Dachterrasse der „Salatschüssel“. Dort hat man zum Abschluss noch eine wunderbare Sicht über Rotterdam.

Ein innovatives Konzept, das erste Nachahmer findet

Alles in allem ist das Depot Boijmans Van Beuningen eine gelungene Innovation, die schon jetzt einige Nachahmer findet. Transparenz und Storytelling – das sind für mich die Stichworte, die mir im Blick auf diese neue „Erzählform“ einfallen. Eine sehr positive Entwicklung, wenn man bedenkt, dass bei fast allen Museen ein Großteil der Exponate hinter verschlossenen Türen lagert und dort für niemanden sichtbar ist.

Inklusives, hybrides Design für die Kulturvermittlung – Interview mit Alexandra Verdeil von Tactile Studio

Von |2022-04-28T12:33:44+02:0017.06.2021|Digitalkultur|

Alexandra Verdeil, Geschäftsführerin Tactile Studio für Deutschland und Österreich, erklärt im Interview, was inklusives Design für sie bedeutet, was hybride Technologien damit zu tun haben und wie das Museum der Zukunft aussehen sollte.

Die inklusive Designagentur Tactile Studio entwickelt Ausstellungsobjekte für internationale Museen. Sie setzt auf sensorische Vielfalt, um möglichst allen Menschen einen Kulturzugang zu ermöglichen. In ihren neueren Projekten spielen dabei hybride Technologien eine wichtige Rolle, RFID-Chips zum Beispiel, die ganze Räume zum Leben erwecken können. Die Objekte der Agentur stehen unter anderem im Kunsthistorischen Museum Wien, im Louvre Abu Dhabi und im Deutschen Museum. Alexandra Verdeil, Geschäftsführerin in Deutschland und Österreich, erklärte mir im Interview, was digitale Lösungen für eine inklusivere Museumswelt leisten können und warum Vielfalt in der Kulturvermittlung so wichtig ist.

(mehr …)

Ein besonderes Erlebnis: Mein Museumsbesuch im Städel

Von |2022-04-28T10:30:35+02:0001.04.2021|Unterwegs|

Die Museen waren im späten Coronawinter kurz wieder geöffnet, zumindest mit Einschränkungen. Sabine Haas konnte endlich wieder eines besuchen – und hat dabei gemerkt, was ihr im langen Lockdown fehlte.

 

Es war die schönste Nachricht seit vielen Wochen: Die Museen öffnen wieder. Für meine Freundin und mich ein Grund, sofort eine Reise nach Frankfurt zu planen. Schon vor Corona hatten wir uns vorgenommen, endlich einmal gemeinsam das Städelmuseum zu besuchen, denn dort bin ich bislang noch nie gewesen. Und so waren wir unter den ersten, die einen Termin für das große Kunstmuseum gebucht hatten.

(mehr …)

Digitale Konzerte, Museen und Theater – Hat das alles eigentlich eine Zukunft?

Von |2022-04-28T10:33:11+02:0004.02.2021|Digitalkultur|

Die Lockdowns während der Coronapandemie haben viele digitale Angebote von eigentlich nicht-digitalen Institutionen hervorgebracht. Viele gute und auch nicht so gute Beispiele haben wir hier auf dem Kultur-Blog schon besprochen. Doch wie steht es um die digitalen Kulturangebote im Gesamten? Sabine Haas gibt eine Einschätzung.

 

In Zeiten von Corona bleibt den Kultureinrichtungen nur der eine Weg, um mit dem Publikum in Kontakt zu kommen: Das Internet. Es ist also kein Wunder, dass es inzwischen ein extrem breites Angebot an digitaler Kultur gibt und dieses Angebot täglich weiter wächst. Kulturinteressierte können digital Konzerte besuchen, Theater-Livestreams verfolgen, 360-Grad-Apps auf ihr Handy laden, Podcasts abonnieren und vieles mehr. Das ist toll, denn es zeigt, wie breit die Möglichkeiten digitaler Kulturerfahrungen inzwischen sind.

Dennoch: Immer noch sind viele dieser digitalen Kulturevents eher „Notlösungen“ oder „Ausweichangebote“, die die Pandemie als Ausnahmesituation hervorbringt und die nicht wirklich überzeugen. Der Grund: Vieles ist nicht durchdacht, einiges technisch sehr aufwändig und oft ist die Hürde bei der Nutzung so groß, dass man schon vor dem Einstieg abgeschreckt ist.

Nach einer Reihe von „digitalen Kulturbesuchen“ bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass es noch eine Weile dauert, bis sich eine attraktive und sinnvolle „digitale Kulturlandschaft“ herausgebildet hat, deren Besuch wirklich Spaß macht – und zwar nicht nur in Zeiten einer Pandemie.

(mehr …)

Köln und die Zukunft seiner Museen – MiQua meets DOMiD

Von |2022-04-28T10:38:04+02:0003.11.2020|Digitalkultur|

Unser Autor Nils wurde zu einer außergewöhnlichen Stadtrundfahrt eingeladen, deren besondere Sehenswürdigkeiten noch in der Zukunft liegen. Auf dem Kultur-Blog berichtet er von seinem Blick in die Zukunft der Kölner Museumslandschaft.

Köln bekommt zwei weitere hochkarätige und besondere Museen. Um einmal deren vollen Namen zu nennen: Es geht um das „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln“ und das geplante Haus der Einwanderungsgesellschaft des„DOMiD | Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland“. Das MiQua befindet sich gerade im Bau und will neben den Schätzen der archäologischen Zone jüdische Geschichte und Kultur präsentieren. Das Haus der Einwanderungsgesellschaft des DOMiD tritt gerade in die Planungsphase ein und soll eine Begegnungsstätte werden, in der sich Besucher*innen über Migration in Deutschland bilden und austauschen können. Die Institutionen hinter den beiden zukünftigen Museen wollen somit Perspektiven zu Themenkomplexen aufzeigen, die die deutsche Geschichte seit Langem mitprägen und die doch zu selten eingenommen und berücksichtigt werden.  Dieser Schnittmenge möchten beide nun in einem gemeinsamen virtuellen Projekt Ausdruck verleihen.

(mehr …)

Demokratisierung des Museums: nextmuseum.io versucht, durch Digitalisierung Kurationsprozesse zu öffnen

Von |2022-04-28T10:38:41+02:0006.08.2020|Digitalkultur|

Wie könnte das Museum der Zukunft aussehen? Die meisten Experimente, die diese Frage beantworten wollen, versuchen, den Museumsbesuch neu zu gestalten – die Kuration bleibt dabei oft verschlossen. Das Museum Ulm und das NRW-Forum in Düsseldorf haben am 1. Juli 2020 die Plattform nextmuseum.io gestartet, die diesen Umstand verändern soll. Ich habe mir das von der Bundeskulturstiftung im Rahmen des Fonds Digital geförderte Projekt einmal angeschaut und mit Marina Bauernfeind, einer Initiatorin des Projekts, gesprochen.

(mehr …)

Chatbots zur musealen Wissensvermittlung?

Von |2022-04-28T10:39:24+02:0003.06.2020|Digitalkultur|

Viele Museen haben nach langer Corona-Pause wieder geöffnet. Trotzdem kann man nicht behaupten, der Kulturbetrieb hätte wieder zur Normalität zurückgefunden – und das wird er vermutlich für eine ganze Weile auch nicht. Wie also jetzt Kultur vermitteln? Videokunst, Serien, Games und andere ohnehin (inzwischen) meist digitale Kunst genießen verständlicherweise zurzeit eine erhöhte Auslastung, aber was ist mit all dem Material, das in den Museen sonst so große Aufmerksamkeit erlangt und jetzt ein eher staubiges Nischendasein führt? (mehr …)

Kulturtipp: Die 20. Museumsnacht Köln

Von |2022-04-28T10:41:58+02:0008.10.2019|Unterwegs|

Menschenmassen in Köln verbindet man gerne mal mit angetrunkenen Gruppen verkleideter Personen oder der Domplatte bei sengendem Sonnenschein zur touristischen Hochsaison. Beides gehört nicht zu meinen Highlights im Jahr. Ein anderes Großereignis mit etwa 20.000 Besucherinnen und Besuchern treibt mich aber schon seit einigen Jahren immer wieder begeistert in die Innenstadt: die Museumsnacht, welche 2019 ihr 20-jähriges Bestehen feiert, und ich werde sie erneut besuchen.  (mehr …)

Auf den Spuren der Geschichte: Deutsches Spionagemuseum Berlin

Von |2022-05-11T14:28:39+02:0012.03.2019|Unterwegs|

Bei unserem jüngsten Familienausflug nach Berlin haben wir neben der Komischen Oper auch das Deutsche Spionagemuseum besucht. Ich fand es sehr interessant, in einer Stadt wie Berlin mit ihrer besonderen Geschichte etwas über die Aktivitäten der Geheimdienste während des Kalten Krieges zu erfahren. Allerdings war ich nicht sicher, ob das »junge« Museum (geöffnet seit 2015) nicht eher reißerisch und touristisch ausgelegt ist.

Ich muss sagen, meine Befürchtungen waren unbegründet. Der Besuch des Museums hat einen Riesenspaß gemacht, denn es war eine sehr gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung.

Besonders beindruckt hat mich, dass es dem Spionagemuseum auf perfekte Weise gelingt, digitale Technologien und Mitmach-Elemente zu kombinieren, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Es ist in meinen Augen ein Best Practice-Beispiel für die Digitalisierung von Ausstellungen und für ein zeitgemäßes Museum.

Bei Museumsbesuchen zu geschichtlichen oder geisteswissenschaftlichen Themen geht es mir häufig so, dass ich entweder – auch bei neueren Angeboten – vor einem Wust analoger Texttafeln und eher langweiligen Exponaten stehe oder – im anderen Extrem – vor einer Menge blinkender Bildschirme mit ungezählten Video- und Audiostationen, die mich komplett überfordern. Das Deutsche Spionagemuseum bietet dagegen eine Ausstellung, die beide Darbietungsformen gekonnt miteinander verbindet und so für jeden etwas bereithält: Von der digital gesteuerten Informationswand mit unzähligen Texten zur Geschichte der Spionage bis hin zum Laserparcours ist alles dabei.

Fast jedes Thema ist sowohl informativ in Textform aufbereitet, als auch durch Exponate, Mitmachstationen oder Multimedia-Inhalte unterstützt. Das ermöglicht den Besuchern je nach Alter und Interesse, sich die jeweils passende Vermittlungsform auszusuchen. Ein wunderbares Konzept! So kann man beispielsweise an den meisten Ausstellungskästen die Exponate auf einer Tafel auch digital anschauen und den zugehörigen Text lesen.

Natürlich gibt es auch im Spionagemuseum Audio- und Videostationen – und davon eine ganze Menge. Aber man hat nicht den Eindruck, diese zum Verständnis der Ausstellung alle ansehen zu müssen. Sie sind ein Angebot, aber man kann durchaus auch einige davon links liegen lassen. Es bleibt genug an Information in anderen Aufbereitungsformen.

https://www.youtube.com/watch?v=Fxzw8KsQtkc

 

Inhaltlich ist das Museum aus meiner Sicht ebenfalls sehr gelungen. Das Themenspektrum umfasst Geschichte, Politik, technische Spionageausrüstung, Codierungs- und Verschlüsselungsmethoden und Spionage in Filmen und Literatur. Meine Highlights: Die Verschlüsselungsmaschine »Enigma« und ihre Nachfolgemodelle, die digitale Wand zur Geschichte der Spionage von der Antike bis heute – eine Videoinstallation, bei der man vom Beobachtenden zum Beobachter wird – sowie die Videowand zu dem Einsatz von Tieren im Geheimdienst.

Insgesamt war der Besuch für alle Familienmitglieder ein gelungenes Ereignis, auch wenn das Museum recht voll war und man an den Mitmachstationen manchmal warten musste. Was ich witzig fand: Facebook-Fans erhalten beim Ticketkauf vor Ort zwei Euro Nachlass. Gute Idee und für alle Beteiligten lohnender als Facebook-Ads.


Bild: © Deutsches Spionagemuseum Berlin

Nach oben