Kurzreise nach Bamberg und Bayreuth: Viel Kultur und eine wunderschöne Architektur

Von |16.02.2024|Unterwegs|

In diesem Jahr habe ich mich entschieden, Karneval zu „entfliehen“ und stattdessen mit zwei Freundinnen eine Kurzreise nach Bamberg und Bayreuth zu machen. Nach einem Start mit Hindernissen (Autopanne), erleben wir fünf wunderbare Urlaubstage mit unglaublich vielen verschiedenen Eindrücken. Bamberg begeistert uns mit seinen kleinen Geschäften, seinen historischen Gebäuden und natürlich den herausragenden Symphonikern. Bayreuth entführt uns mit seiner herrschaftlichen Pracht in die Zeit des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhemine (1735-1763) sowie in die Welt von Richard Wagner (1813-1883). Und als kleinen Zwischenstopp auf der Rückfahrt nehmen wir auch das pittoreske Städtchen Limburg noch mit.

 

Tag 1: Auf Shopping-Entdeckertour in Bamberg

In Bamberg kommen wir durch unsere Autopanne etwas verspätet an. Das Wetter ist miserabel und wird sich die nächsten Tage auch nicht sonderlich verbessern. Aber das verleidet uns die Reise nicht, darauf muss man im Februar einfach gefasst sein. Also treten wir mit Schirm und in der Dämmerung einen ersten Rundgang durch die Stadt an.

Das Bürstengeschäft Bürsten Nickles in Bamberg von innen

Gleich auf den ersten Metern bleiben wir in einem Bürstenladen „hängen“. Das kleine Geschäft Bürsten Nickles besteht seit 1907 und wird derzeit von der 4. Generation der Familie betrieben. Ein wunderbarer Laden mit historischer Einrichtung und einer liebevoll ausgesuchten Produktpalette. Die Bürsten sind teilweise handgefertigt in der eigenen Werkstatt.

Kaum zwei Straßen weiter entdecken wir ein weiteres spannendes Geschäft: Das Atelier des Schmuckdesigner-Paares Nora Kovats und Alvaro-Luca Ellwart. Während sie sehr aufwändige, bunte und mit Liebe zum Detail gestaltete Emaille-Arbeiten gestaltet, arbeitet er mit Pflanzenmaterialien, die in einem mehrstufigen Prozess in Metall gegossen und damit dauerhaft gemacht werden. Beide haben sehr individuelle Produkte, aber vor allem eine große Leidenschaft, die sich spürbar in ihre Kreationen überträgt.

Verschiedene Schmuckstücke auf einem Tisch in einem Bamberger Schmuckatelier

Läden wie diese beiden finden sich sehr viele in der Bamberger Altstadt. So entdecken wir noch zwei sehr individuelle Hutläden, einen unglaublich netten Second-Hand-Bekleidungs-Shop, Keramikwaren, Delikatessen-Geschäfte und vieles mehr. All diesen kleinen Geschäften ist gemeinsam, dass sie eine auffallend geschmackvolle und schöne Schaufenster-Dekoration haben, so dass der Rundgang durch Bamberg von einem Blickfang zum nächsten führt. 

 

Tag 2: Auf den Spuren der 1.000-jährigen Stadtgeschichte

Aber natürlich locken nicht nur die Schaufenster. Am nächsten Tag nehmen wir uns die Stadt noch einmal genauer vor: Die Bamberger Altstadt mutet ein wenig wie Venedig an, durch die Innenstadt fließen sowohl die Regnitz als auch der Main-Donau-Kanal. Das uralte Rathaus mit seinen imposanten Fassadenmalereien ist komplett von Wasser umspült und viele kleine Brücken führen über den Fluss und den Kanal. Es gibt sogar ein „Klein Venedig“: eine kleine Siedlung alter Fischerhäuser aus Fachwerk, die direkt ans Ufer grenzen. Von dort kann man Boots- und sogar Gondelausflüge starten, was wir aber nicht gemacht haben. Überall spürt man die 1.000-jährige Geschichte der Stadt.

Natürlich schauen wir uns die ein oder andere historische Sehenswürdigkeit genauer an. Wir entscheiden uns für eine Ausstellung in der Alten Hofhaltung, in der gerade eine kleine „Winterausstellung“ zum Thema „Im Fluss der Geschichte – Bambergs Lebensader Regnitz“ läuft. Wir sind fasziniert, sowohl von der sehr spannenden Ausstellung als auch von dem Gebäude selbst, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Anschließend besuchen wir noch das alte Rathaus, in dem sich ein Porzellanmuseum befindet.

Danach wird es Zeit für eine Pause. Das ist in Bamberg kein Problem, denn gastronomisch hat Bamberg ebenfalls eine Menge zu bieten. Es gibt das sogenannte „Rauchbier“, das in verschiedenen Brauhäusern angeboten wird. Außerdem entdecken wir verschiedene sehr hübsch aussehende italienische Restaurants und einige nette Cafés. Unser Favorit ist das Café Zuckerstück, das ein wunderbares Ambiente mit extrem leckeren hausgemachten Kuchen verbindet.

Highlight am Abend: ein Konzert der Bamberger Symphoniker

Am Abend dann erwartet uns ein besonderes Highlight: Wir haben Karten für ein Konzert der Bamberger Symphoniker. Da auf den braunen Autobahnschildern vor Bamberg auf „Die Symphoniker-Stadt“ hingewiesen wird, gehen wir von einem besonderen Musikerlebnis aus. Tatsächlich erleben wir ein Konzert eines Symphonieorchesters von Weltrang in dem funktionalen und lichten Konzertsaal der Stadt.

 

Tag 3: Barocker Prunk und prachtvolle Gebäude in Bayreuth 

Unsere zweite Station ist Bayreuth. Im Unterschied zu Bamberg ist diese Stadt deutlich weitläufiger. Im Zentrum trifft man auf breite Prachtstraßen, gesäumt von wunderschönen Altbauten und imposanten historischen Gebäuden. Das Angebot an Museen ist groß und wir beginnen unsere Erkundungstour mit dem Markgräflichen Opernhaus. Das barocke Opernhaus und das zugehörige Museum nehmen uns für mehrere Stunden in Beschlag, so sehr faszinieren sie uns.

Das prunkvolle Markgräfliche Opernhaus Bayreuth von innen, Blick auf die Bühne

Im Opernhaus selbst ist man zunächst regelrecht geblendet von der Pracht und dem überbordenden Wand- und Deckenschmuck. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass die Baumaterialen des Theaters eher einfach sind: Holz und Leinwand dominieren die Innenarchitektur, nicht Stein und edler Marmor. Die Erklärung findet man im Museum: Wir lernen, dass das markgräfliche Opernhaus 1746-1750 anlässlich einer Hochzeitsfeier errichtet wurde und nicht auf Dauer ausgerichtet war. Es ist fast ein Wunder, dass es noch existiert: Gebäude dieser Architekturform sind inzwischen nicht mehr erhalten, die meisten wurden durch Brände vernichtet. So hat es das Opernhaus Bayreuth als einzigartiges barockes Theater zum Weltkulturerbe geschafft.

Ein entspannter Theaterabend mit „Mein Freund Harvey“

Am Abend steht ein Theaterbesuch an. Wir gehen in die Studiobühne Bayreuth, dort steht „Mein Freund Harvey“ auf dem Spielplan. Das Stück ist eine Komödie, die in den späten 50er- und 60er-Jahren mehrfach verfilmt wurde. Sie handelt von dem sehr höflichen und liebenswerten Mr. Elwood P. Dowd, der seine Mitmenschen irritiert, weil er immer in Begleitung seines Freundes Harvey unterwegs ist. Dieser Freund ist ein für alle unsichtbarer, etwa zwei Meter großer, weißer Hase. Seine Familie will Dowd in eine psychiatrische Klinik einweisen, aber die zwar altmodische, aber durchaus vernünftige Ausstrahlung des „Patienten“ lässt die Ärzte zweifeln. Es kommt zu verschiedenen Verwechslungen, die in der unterhaltsamen Komödie am Ende dazu führen, dass die Begriffe „normal“ und „krank“ in neuem Licht erscheinen. In Bayreuth wird das Stück noch bis Anfang April auf die Bühne gebracht, dargestellt von einem sehr spielfreudigen und bunten Ensemble. Vor allem die Hauptrolle ist sehr gelungen besetzt. Wir verbringen einen kurzweiligen Abend in dem familiären Theater, bei dem es im Keller noch eine „After-Show-Bar“ zu geben scheint, die wir allerdings nicht besuchen. 😊.

Vor dem Theaterbesuch entdecken wir noch ein kulinarisches Highlight: Wir besuchen das Restaurant „Hanskaschber“, das mitten im Tierpark direkt am Röhrensee liegt.  Wir essen hervorragende Burger, die wirklich außergewöhnlich lecker schmecken, und treffen auf ein extrem nettes und kundenorientiertes Service-Team. Das Burger-Restaurant liegt nahe an der Studiobühne, so dass wir von dort in wenigen Minuten zur Vorstellung gehen können.

 

Tag 4: Ganz im Zeichen von Richard Wagner

Der folgende Tag in Bayreuth ist Richard Wagner gewidmet. Wir besichtigen das Wagner-Haus mit dem dort untergebrachten Museum und erhalten eine Führung durch das Festspielhaus auf dem berühmten „Grünen Hügel“. Auch hier sind wir mehrere Stunden gefesselt. Wir lesen uns fest an der Geschichte dieses Ausnahme-Komponisten, der ganz anders war als ich ihn mir vorgestellt hatte: ein „Filou“, der sein Leben lang auf der Flucht war, entweder vor Schuldnern, wütenden Ehemännern oder – nach Beteiligung an der deutschen Revolution 1849 – vor der Justiz. In Bayreuth „strandete“ der Verfolgte schließlich und konnte durch Protektion von Ludwig II. sein Festspielhaus bauen.

Außenansicht von Richard Wagners Wohnhaus in Bayreuth

Das Festspielhaus selbst ist so spannend wie sein „Erfinder“. Es hat viele bauliche Besonderheiten, die zum Großteil nicht aus akustischen Gründen so geplant waren, sondern sich aus Wagners Wunsch heraus ergaben, einen möglichst puristischen Rahmen für seine Opern zu schaffen, bei dem nichts vom Bühnengeschehen ablenkt. Eher zufällig entstand daraus ein Festspielhaus mit überragender Akustik – und äußerst schlecht gepolsterten Sitzreihen.

Befasst man sich mit den Opern von Richard Wagner, dann ist auch das Thema Nationalsozialismus nicht weit. Mit viel Offenheit und Akribie wird auch dieser Abschnitt der Rezeptionsgeschichte aufgearbeitet und in einer eigenen Teilausstellung thematisiert. Wir erfahren, dass vor allem die Schwiegertochter des Komponisten, Winifried Wagner, eine glühende Anhängerin von Hitler war. Sie öffnete dem Nationalsozialismus bei den Wagner-Festspielen freudig die Türen und machte aus den Opernaufführungen eine propagandistische Veranstaltung. Heute stehen die Festspiele unter der Leitung von Katharina Wagner, der Urenkelin von Richard Wagner. Jahr für Jahr trifft sich dort die Prominenz des Landes, um sich Wagners Ring oder eine andere Oper des Komponisten anzuschauen.

Nach einem Tag voller Informationen lassen wir den Abend im Brauhaus ausklingen. Allerdings gehen wir nicht in die berühmte Maisel-Brauerei, die in der Stadt ihren Sitz hat, sondern in das Brauhaus Oskar am Markt. Es hat eine sehr nette und gemütliche Atmosphäre, ganz wie in einem Kölschen Brauhaus. Ich wage mich an ein typisch fränkisches Gericht: Schäufele mit Kloß und Krautsalat. Ganz schön mutig von mir, denn als die riesige Portion vor mir steht, fühle ich mich doch leicht überfordert…

 

Tag 5: Fahrt ins Fichtelgebirge und ein letzter Stopp in Limburg

Da das Wetter sehr ungemütlich ist und es während unseres Bayreuth-Aufenthalts meistens regnet, verzichten wir auf einen Besuch der Eremitage mit ihren weitläufigen und im Sommer sicher herrlichen Parkanlagen. Wir fahren zwar vorbei, um uns das Schloss anzuschauen, entscheiden uns dann aber für eine Autotour durch das Fichtelgebirge, da wir am letzten Tag noch etwas vom Umland sehen möchten. Unsere Fahrt führt uns zum Ochsenkopf, auf dem es ein Skigebiet mit Sprungschanze gibt. Es ist eine schöne Region, das erkennt man selbst bei Regen, und sicher – bei besserem Wetter – auch gut zum Wandern geeignet.

Fachwerkhäuser in Lumburg

Schließlich treten wir die Rückreise an. Da wir noch ein wenig Zeit haben, machen wir noch einen Abstecher nach Limburg. Es ist Rosenmontag, viele Läden und auch Cafés haben geschlossen. Aber wir flanieren durch die Altstadt, die zwar sehr überschaubar, aber außerordentlich pittoresk ist. Der Dom und das Schloss überragen die Fachwerkhäuser und kleinen Gässchen in der Innenstadt und bilden zusammen ein tolles architektonisches Ensemble. Sogar die Sonne lässt sich kurz sehen. Der perfekte Abschluss für eine bunte und vielseitige Kurzreise.

Digitale Blog-Posts des Museums für Kommunikation

Von |06.07.2023|Digitalkultur|

Ein Gastbeitrag von Laura Heyer, Mitarbeiterin des Museums für Kommunikation in Bern

 

Museen erhalten Objekte für die kommenden Generationen. Sie sind damit etwas zutiefst Analoges – und doch spielt auch hier die Digitalisierung auf mehreren Ebenen eine sehr bedeutende Rolle. Gerade bei einem Museum, dessen Stifterinnen das Schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom und die Schweizerische Post sind. Wöchentlich erscheint bei uns mindestens ein neuer Beitrag auf unserer Website. Zu Wort kommen dabei alle aus unserem Team. Ich zeige hier eine kleine Auswahl der Blogbeiträge, die sich um das Thema Digitalisierung drehen. Was ein Albumtitel von Falco, die Ukraine und Küssen damit zu tun haben? Lesen Sie selbst. Herzlich willkommen bei den digitalen Blogs des Museums für Kommunikation in Bern.

 

Museumsobjekte erzählen von der Digitalisierung

Wenn unsere Kommunikator:innen durch unsere Kernausstellung führen, bleiben sie oft an einem riesigen Metallschrank stehen, der ERMETH. Die Abkürzung steht für Elektronische Rechen-Maschine der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich. Wenn es um historisch-technische Museumsobjekte geht, schreibt Juri Jaquemet, Sammlungskurator Informations- und Kommunikationstechnologie, gerne Blog-Beiträge und erzählt deren Geschichten.

Noch während des Zweiten Weltkrieges rechnet die Schweiz analog. Mit der Gründung des Instituts für Angewandte Mathematik an der Zürcher Hochschule beginnt 1948 im Alpenland das Zeitalter der programmierbaren Rechenautomaten. Institutsleiter Professor Eduard Stiefel reist mit Kollegen zu den Computerpionieren in die USA. Er publiziert 1951 die Erkenntnisse und erregt damit internationales Aufsehen – vor allem aber hat er sich das Fachwissen für den Bau eines digitalen Rechengerätes geholt. Trotz vieler Probleme beim Bau des Riesencomputers – mit Lieferanten und Abwerbungen durch IBM – wird dieser 1958 in Betrieb genommen und ist bis 1963 fast pausenlos im Einsatz.

Hier geht’s zum Blog-Post „ERMETH – Computer made in Switzerland“ von Dr. phil. Juri Jaquemet.

 

Ermeth Computer und Metallschrank im Museum für Kommunikation in Bern.

Heute steht die ERMETH im Museum für Kommunikation in Bern. Für diese Aufnahme wurde der Computer extra freigestellt. Mittlerweile steht der Rechner in der Zone Datacenter der neuen Kernausstellung. Foto: Museum für Kommunikation, Bern.

 

Neben diesem Leitfossil der Schweizer Informatikgeschichte, beginnt – ebenfalls in den Nachkriegsjahren – die Geschichte des mobilen Telefonierens in der Schweiz. Radiovox heisst das System und füllt den halben Kofferraum eines Autos. 1978 lanciert die PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe, staatliche Behörde zwischen 1928 und 1998) dann das Nationale Autotelefon – kurz Natel. Das Model A ist als tragbarer Koffer von 15 kg für 10’000 CHF zu haben. Die Geräte werden bald kleiner, billiger und stammen fortan meist nicht mehr aus Schweizer Produktion. Die tieferen Preise ermöglichen es, dass sich die mobile Telefonie im Alltag durchsetzt.

 

Historisches Bild mit einem Natel A im Koffer auf einer Motorhaube in den 70er Jahren.

Tragbares Natel A im Koffer: Damit wird die Telefonie in der Schweiz definitiv mobil. Aufnahme Ende der 1970er Jahre. Foto: Museum für Kommunikation, Bern.

 

Auch in den immobilen Telefonkabinen findet sich in den 1990ern ein erstes Anzeichen der kommenden Digitalisierung: Das Telefonbuch wird durch den Teleguide ersetzt. Ein Gerät, das den Online-Zugriff auf das vollständige Teilnehmende-Verzeichnis ermöglicht. 2002 zählt die Statistik dann für die Schweiz erstmals mehr Mobil- als Festnetzanschlüsse, ab 2007 sogar mehr als Einwohnende – damit beginnt das langsame Ende der Telefonkabinen. In der NZZ plädiert zwar ein Architekt augenzwinkernd für den Erhalt einiger Kabinen als künftige Stationen zum Beamen, aber so weit ist es noch nicht. Und so demontiert die Swisscom, eben gerade von der Telefonkabinenpflicht befreit, 2019 ihre letzte Telefonkabine der Schweiz. Sie steht nun im Depot des Museums für Kommunikation in Bern und bleibt der Nachwelt erhalten.

 

Digitale Strategie des MfK

Social Media, digitale Besuche, Sammlungsdatenbanken und eine App zur Zeiterfassung – die digitale Transformation ist in allen Bereichen des Museums angekommen. Und die Situation wird zunehmend komplex. Deswegen entwickeln wir seit 2019 auf Führungsebene eine digitale Strategie. Sie soll ein koordiniertes Vorgehen und den Austausch zwischen allen Bereichen etablieren. Christian Rohner, stellvertretender Direktor und Leiter Ausstellungen und digitales Museum berichtet in seinem Blog-Beitrag von den Anfängen.

Die im Februar 2020 öffentlich präsentierte Strategie verfolgt insgesamt drei Ziele: die Präsenz in der virtuellen Welt auszubauen, die kulturelle Teilhabe zu stärken und eben auch das kulturelle Gedächtnis zu fördern.

Unser erstes Ziel der virtuellen Präsenz, also als vernetzte Gedächtnisinstitution zeit- und ortsunabhängig erlebbar zu sein, wird schon einen Monat nach der Veröffentlichung dieser theoretischen Worte anfangs 2020 zum praktischen Muss: «Das Museum ist bis auf Weiteres GESCHLOSSEN» prangt in Grossbuchstaben auf unserer Homepage. Eine Pandemie namens Corona hat das Leben lahmgelegt. Das zwingt uns dazu, einige Aspekte unserer Zukunftsstrategie schnell zu erproben. Bereits zwei Wochen nach der Schliessung begrüsst ein dreiköpfiges Team viermal in der Woche Besuchende per Livestream. Die schnelle Einführung dieses neuen, digitalen Formats ist nicht einfach, denn in unserem Team hat niemand Erfahrung damit. Auf welchem Kanal soll gestreamt werden? Was sind Konsequenzen in Bezug auf das Urheberrecht und wie sollen diese Führungen archiviert werden? Die Antworten auf all diese Fragen können wir nur nach dem Trial-and-Error-Prinzip finden. Der digitale Wandel der vergangenen Jahrzehnte zeigt sich in diesem neuen Vermittlungsformat eindrücklich: Wäre für ein vergleichbares Vorhaben noch bis in die 1990er Jahre ein TV-Übertragungswagen samt Ton, Kamera und Moderation notwendig gewesen, reichen jetzt ein Smartphone und ein Streamingdienst. Der letzte Stream – als Video on demand untem im Blogbeitrag zu sehen – spiegelt die Experimentierfreude des Teams wider: Was sie in einer Weiterbildung zu Auftrittskompentenz gelernt haben, geben sie hier mit einem Geheimrezept und Aerobic-Instruktionen an die Aussenwelt weiter.

 

Der Blick aufs Nicht-Digitalisierte

Von einem unvorhergesehenen Ereignis der Gegenwart zum nächsten: «Einer meiner ersten Eindrücke als ich in der Schweiz ankomme, ist die Aufmerksamkeit und Sensibilität der Schweizer:innen für wiederverwertbare Materialien (…) und das scheinbar komplizierte Sortier- und Sammelsystem für Abfälle. Von aussen betrachtet sieht die Situation nahezu perfekt aus.» Das schreibt Liubov Dubynets, die vor dem Krieg aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet ist und uns vom Oktober 2022 bis Februar 2023 als Projektmitarbeiterin im Sammlungsteam unterstützt hat. Zum Abschluss ihrer Tätigkeit bei uns hat sie einen Blog-Post geschrieben – und uns mit der Themenwahl überrascht. Sind wir gar nicht so modern und digital? Sie wundert sich, warum die Zugänge für ein Bankkonto mittels fünf einzelner Briefe zugestellt werden, statt direkt in der Bank übergeben oder eben digital, per Mail zugesendet zu werden. Deswegen schaut sie sich das Ganze mal statistisch an: Öffentlichen Zahlen zufolge ist die Schweiz eines der führenden Recyclingländer der Welt. Aber sie ist auch bei der Müllmenge das drittgrößte Land Europas. Und die Schweizer:innen verbrauchen jährlich rund 190 kg Papier pro Kopf, weltweit sind es rund 57 kg.

 

Zerknülltes Papier, Symbolbild Blogbeitrag MfK, Land der Papierberge

Foto: Museum für Kommunikation, Bern.

 

Ob die E-Mail diesbezüglich ein absolutes Allheilmittel sein könnte? Sie spricht von ihrer Erfahrung in der Ukraine, wo kaum Briefe mit der Post verschickt werden, fast alle Kommunikationsprozesse sind digitalisiert. Sie geht dem Thema und den Zahlen weiter nach und stellt fest, dass der elektronische Brief gar nicht so fehlerfrei ist wie angenommen. Briefe stossen im Durchschnitt doppelt so viel CO2 aus wie E-Mails, vor allem des Transports wegen. Eine E-Mail ist also umweltfreundlicher, aber nur wenn sie in der gleichen Häufigkeit wie Briefe verschickt wird. Doch wir verschicken täglich zahlreiche E-Mails. Gar nicht so einfach ein Gleichgewicht zu finden!

Hier geht’s zum Blog-Post „Im Land der (Papier-)Berge“ von Liubov Dubynets.

 

Eigene Erfahrungen mit der digitalen Welt

Wir schliessen den Kreis vom ersten Computer der Schweiz zur neusten Computertechnologie und einem Ausblick auf einen Blog-Beitrag zur Digitalisierung, der im Herbst 2023 erscheinen wird.

NERDA ist ein Projekt bei uns im Museum, dessen primärer Antrieb die Freude an digitalen Erlebnissen und Entdeckungen ist. NERDA hat sich zum Ziel gesetzt, digitale Anwendungen erlebbar zu machen, und zwar sinnlich, zugänglich, experimentell und mit Spass, auch am Scheitern. Hauptakteurinnen des Projekts sind zwei Kommunikatorinnen. Eine davon wagt ein Experiment im Web 3.0. Wie erinnert sich eine Künstliche Intelligenz (KI) an einen ersten Kuss und auf welche Bild- und Datensätze greift sie dabei zurück? Das fragt sie sich in ihrem Blogbeitrag. Schauen Sie doch immer mal auf unserer Website und unserem MfK-Blog vorbei oder folgen Sie uns in den Sozialen Medien (@mfkbern). So erfahren Sie immer wieder das Neuste zur Digitalisierung im analogen Museum.

 

Teletext als Kunstraum

Von |09.12.2022|Digitalkultur|

Mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland nutzen nach wie vor den Teletext der ARD. Das sagen die von den Öffentlich-Rechtlichen veröffentlichen Zahlen von 2020, dem Jahr, in dem der Videotext des Ersten seinen 40. Geburtstag feierte. Damit hat der Informationsdienst einen deutlich größeren Durchlauf als das bestbesuchte Museum der Welt. Warum dieser Vergleich? Weil der Videotext selbst eine Fläche für außergewöhnliche Kunst sein kann.

„Teletext is Art“ ist der Originaltitel einer Ausstellung, die im September drei Wochen lang auf den Seiten 830 bis 861 des ARD Teletextes und im österreichischen Pendant vom ORF ab Seite 560 zu sehen war. Eine Sammlung von Bildern verschiedener Künstler*innen, die mit den strengen Limitierungen des Mediums spielen. Denn die Teletext-Technologie hat sich seit ihrer Erfindung in England in den 70ern kaum weiterentwickelt. Das hatte sie nie nötig – in der Simplizität liegt schließlich ihr Reiz, praktisch wie ästhetisch.

 

Warum nutzen wir heute noch Teletext?

Der Teletext bietet die Möglichkeit, unabhängig von linearen Nachrichtenformaten in Fernsehen, Radio und Zeitung zielgerichtet auf Informationen zuzugreifen, die von einer Redaktion ständig aktualisiert und dann über das Fernsehsignal übertragen werden. Heutzutage, wo wir gleich mehrere internetfähige Geräte jederzeit in Griffreichweite haben, mag das nichts Besonderes mehr sein, doch die erstaunlich hohen Zugriffszahlen bestätigen, dass das Medium weiterhin seinen Nutzen hat. Der größte Vorteil ist vermutlich der ausbleibende „Medienbruch“ beim Fernsehschauen, der den auf Knopfdruck aufpoppenden Teletext komfortabel konsumierbar macht.

In vielerlei Hinsicht ist der Teletext einem Infoportal im Internet ähnlich. Was im Netz Hyperlinks sind, sind hier dreistellige, über die Fernsteuerung eingegebene Zahlencodes, die hunderte Seiten miteinander verknüpfen. Im Teletext von privaten Sendeanstalten kommt auch Werbung nicht zu kurz – nicht selten aus dem Erotiksegment. Und spätestens da bleibt es nicht bei Buchstaben: Mit viel Raffinesse angefertigte Illustrationen und Bilder entzerren die Textwüste. Da ist sie, die Leinwand für die Teletext-Kunst.

Eine italienische Teletext-Seite aus dem Februar 2022 zeigt ein Verzeichnis für verschiedene Sportarten und eine Illustration einer Figur mit Siegespokal

Der Sportindex im Teletext von Italiens öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt RAI im Februar 2022. Auch zu sehen: eine zum Thema passende Illustration im Teletext-Stil. Quelle: Walter Cicchetti – stock.adobe.com

Wie man Kunstwerke im Teletext erstellt

Die “Leinwand” besteht bei der am meisten verbreiteten Teletext-Implementation aus einem Raster mit 24 Reihen und 40 Spalten. In jedes Feld passt ein Zeichen oder ein Farbelement. In ein Farbelement passen 2×6 „Pixel“. Zur Auswahl stehen die Farben Rot, Grün, Gelb, Blau, Magenta und Cyan sowie Schwarz und Weiß. Klingt kompliziert? Vielleicht hilft beim Veranschaulichen dieser Teletext-Editor mit einblendbarem Raster. Für das Erstellen einer Teletext-Seite stehen jede Menge solcher Tools zur Verfügung. Besonders intuitiv zu bedienen sind die meisten nicht – es besteht also durchaus ein gewisser technischer und handwerklicher Anspruch.

 

Die Kunstwerke im Teletext

Mit dieser Fläche haben insgesamt 15 Kunstschaffende gearbeitet, deren Werke im Rahmen von „Teletext ist Kunst“ im Teletext des Ersten und des ORFs zu sehen waren und die es auf teletextart.com durchgehend zu sehen gibt. Kuratiert wurde die Selektion von den Künstlern Max Haarich und Gleb Divov, die Expertise im Bereich der digitalen Kunst und NFTs (Non-Fungible Token, s. u.) bündeln. Die insgesamt 67 ausgestellten Werke könnten unterschiedlicher kaum ausfallen.

Juha van Ingen präsentiert monochrome Farbflächen in den acht verfügbaren Tönen des Teletexts. Christoph Faulhabers Kreationen dagegen wirken schon fast wie Gemälde, die sich auch ohne den dazugehörigen Titel erkennbar auf historische Ereignisse beziehen. Mamadou Sow dekonstruiert mit einer abstrakten Herangehensweise das Medium Teletext selbst, während Bloom Jr.  mit einer Warhol-Hommage ein Pop-Art-Meisterwerk auf nur wenige Pixel herunterbricht. Ein weiteres übergreifendes Thema scheint die Verhandlung neuartiger Technologie in einem fast aus der Zeit gefallenen Raum wie dem Teletext zu sein: Mittels Filmreferenzen beschäftigt sich Tius mit dem Fortschritt künstlicher Intelligenz und in einzelnen Werken von sp4ce und Kurator Max Haarich stehen Kryptowährungen im Vordergrund.

 

Das große Schlagwort „TeleNFT“

Kryptowährungen sind für die Ausstellung insofern relevant, als dass alle hier ausgestellten Werke zum Verkauf stehen – als NFT, einem sogenannten „nonfungible token“, ein „nicht ersetzbares Objekt“. Der NFT ist, um es sehr simpel und verkürzt zu erklären, ein eindeutig identifizierbarer und praktisch nicht fälschbarer Schlüssel, der beispielsweise digitalen Kunstwerken zugewiesen werden kann. Damit wird ein digitales Werk, das sich im Gegensatz zu einem Gemälde auf Leinwand beliebig oft per Mausklick kopieren ließe, ein unfälschbares „Original“. So kann der Kryptokunst ein Geldwert zugeordnet werden, der vom Interesse der Kundschaft abhängt – so, wie es bei nicht-digitaler Kunst auch der Fall ist.

In diesem neuen Internet-Kunstmarkt werden Summen in Euro-Milliardenhöhe gehandelt – nur eben mit Kryptowährung. Die Auseinandersetzung mit dieser noch jungen Entwicklung in der Kunstgeschichte hatten die Kuratoren der Teletext-Ausstellung von vornherein intendiert. Mehr Infos zum Thema Teletext und NFTs stellen sie auf ihrer eigenen Website TeleNFT.art in englischer Sprache zur Verfügung.

 

Fazit: Wertschätzung eines unterschätzten Mediums

Für jemanden wie mich, der Mitte der 2000er das letzte Mal in einen Teletext geschaut hat, um sich einen überteuerten Klingelton per SMS zu bestellen, ist es erfrischend zu sehen, wie viel Leben noch darin steckt und wie viel Mühe in die Pflege fließt. Die gezeigten Werke der „Teletext ist Kunst“-Ausstellung sind untrennbar mit diesem Medium verbunden. Stünden sie ohne diesen Kontext im Internet, wären sie verwechselbar mit aus der aus der Videospielkunst bekannten Pixelart. Es würde der Bezug fehlen, der sie so besonders macht. Hier hingegen tragen sie zur Wertschätzung eines digitalen Raumes bei, der seit 1980 in jedem deutschen Wohnzimmer existiert – lange, bevor die ersten ISDN-Modems Einzug darin fanden. Und manchmal tritt er selbst in andere Räume ein: Der auch übers Internet abrufbare ARD-Teletext beispielsweise twittert fleißig.

3D-Ausstellung: Netflix & Brooklyn Museum

Von |24.11.2022|Digitalkultur|

Wer bisher von virtuellen Ausstellungen nicht wirklich begeistert ist und das Live-Erlebnis vorzieht, sollte sich einmal die Online-Ausstellung „The Queen and The Crown“ von Netflix und dem Brooklyn Museum ansehen. Vor allem für Serien- und Mode-Fans dürfte diese virtuelle Rundreise ein echtes Highlight sein.

Virtueller Raum für die Mode weiblicher Serienstars

Hintergrund der Kooperation des Streaming-Anbieters Netflix mit dem Brooklyn Museum ist die virtuelle Ausstellung der Mode weiblicher Hauptrollen der Netflix-Original-Serien „The Crown“ und „Das Damengambit“. Die verschiedenen Outfits sind dabei in einem virtuellen Raum ausgestellt, der dem prachtvollen Lichthof des Brooklyn Museums entspricht.

In einer gemeinsamen Darbietung sind die Arbeiten verschiedener Kostümdesignerinnen zu sehen, welche die Damenmode für die beiden Serien entworfen bzw. geschneidert haben. Auch thematisch verwandte Objekte aus der Sammlung des Brooklyn Museums finden in den virtuellen Rundgängen ihren Platz. Kern der digitalen Ausstellung ist jedoch die Erforschung und Verdeutlichung der Bedeutung von Mode für weibliche (Haupt-)darstellerinnen.

Übersicht der Ausstellung The Queen and The Crown

Eine kleine Reise in das Brooklyn Museum

Abstecher in das zweitgrößte Museum New Yorks gefällig? Voilà, mit „The Queen and The Crown” ist das von jedem Ort der Welt aus möglich. Direkt zu Beginn der Webseite ist die Hauptfassade des Brooklyn Museums zu sehen, welche die User*innen mit einem „Drag down to Enter“ einlädt, die virtuelle Ausstellung zu starten.

Nach ein paar eingespielten Hintergrundinformationen gelangen die Nutzer*innen auch schon in die große Halle des Museums, welche inklusive Lichtkuppel detailgetreu in 3D nachgebaut wurde. In einer Übersicht sind nun alle dargestellten Outfits beider Serien zu sehen – die User*innen können beliebig zu den verschiedenen Schaufensterpuppen navigieren. Ich persönlich brauchte ein wenig, um mich zurechtzufinden und zu erkennen, dass sich im linken Teil der Halle die Kostüme aus „The Crown“ und im rechten Teil die der Serie „Das Damengambit“ befinden.

Mode der Serie The Crown in der virtuellen Ausstellung von Netflix und dem Brooklyn Museum

Interaktive Online-Ausstellung in 3D

Mit dem Klick auf ein kleines Plus an den Kleidern erscheinen weitere Informationen sowie Bilder und kleine Clips aus den Serien, welche den Betrachter*innen die Rolle des jeweiligen Kostüms gut nachempfinden und erkunden lassen. Die integrierten und thematisch abgestimmten Ausstellungsstücke des Brooklyn Museums ergänzen die modischen Eindrücke gut und geben der Ausstellung eine zusätzliche historische Komponente.

Auch wenn die gewünschte Navigation an einigen Stellen ein wenig hakt, empfinde ich die Umsetzung als ein kreatives und positives Beispiel einer virtuellen 3D-Ausstellung, bei welcher die betrachtende Person mit Blick auf die entworfenen Kostüme wahrscheinlich etwas genauer hinschaut und mehr erfährt als beim Streamen der Serien.

Detailansicht eines Kleides der Ausstellung The Queen and The Crown

Etwas schade finde ich, dass die Ausstellung nur auf einen Raum begrenzt ist und die Nutzer*innen keine weiteren virtuellen Eindrücke aus dem Brooklyn Museum erhalten können. Die Beschränkung macht allerdings die Navigation auch leichter, da sich die (begrenzte) Funktionsweite des virtuellen Rundgangs schnell nachempfinden lässt – was sicherlich auch dazu führt, sich auf die wesentlichen Informationen der Ausstellungsstücke zu konzentrieren zu können.

Modische Erinnerungsstücke virtuell festgehalten

Insgesamt finde ich es eine schöne Idee, mittels einer virtuellen Ausstellung der weiblichen Kostüme die Geschichten hinter diesen genauer entdecken zu können. Die Zuschauer*innen werden – kostenfrei – eingeladen, die Kostüme und Kunstwerke sehr detailliert zu erkunden und sich, wenn auch virtuell, in die außerordentlich ästhetisch dargestellte Halle des Brooklyn Museums zu begeben.

Eine tolle Möglichkeit für alle Liebhaber*innen von Mode, Serien oder auch virtuellen Reisen nach Brooklyn. 😊

Kölnisches Stadtmuseum digital – Interview mit Wibke Becker

Von |20.06.2022|Digitalkultur|

Das Kölnische Stadtmuseum zieht ins ehemalige Modehaus Franz Sauer und ist aufgrund dieses Umzuges zurzeit geschlossen. Um die Besucher*innen trotzdem auf dem Laufenden zu halten, ist das Museum digital unterwegs. Wibke Becker, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, spricht im Interview über die Herausforderungen und Besonderheiten.   

Liebe Frau Becker, freuen Sie sich auf den neuen Standort? Mit welchen „Highlights“ dürfen die Besucher*innen rechnen? 

Ich freue mich sehr auf den neuen Standort! Die Lage ist klasse und wir werden sicherlich vom Laufpublikum profitieren. Besonders gut gefällt mir die leichte, elegante Architektur des Hauses, auch wenn es für ein Museumsgebäude sehr speziell ist. Die Bauart hat eine ganz eigene Sprache. Es ist eine tolle Chance für uns, sich komplett neu aufzustellen.  

Unser neuer Standort ist wesentlich kleiner als zuvor. Unsere Besucher*innen können sich auf eine konzentrierte Darstellung der Stadtgeschichte freuen. Wir werden ein völlig neues Ausstellungskonzept präsentieren, indem wir den Besucher*innen in seiner normalen Alltags- und Gefühlswelt abholen. Die Ausstellung wird sehr modern, aber natürlich werden auch weiterhin unsere großen Schätze wie zum Beispiel der Vis-a-Vis, das älteste in Köln gebaute Automobil, oder das mittelalterliche Stadtsiegel ausgestellt.  

Bis zur Neueröffnung ist das Museum digital unterwegs. Was machen Sie hier genau?  

Wir bespielen die gängigen Social-Media-Kanäle wie Instagram, Facebook, YouTube und Twitter. Außerdem verfügt unsere neue Homepage über eine Mediathek und einen Blog.
Jeden Tag veröffentlichen wir Geschichten aus der Vergangenheit für unsere Follower*innen, werfen aber auch immer wieder einen Blick auf aktuelle Themen. Die Inhalte sind abwechslungsreich und modern gestaltet, so kommen wir auch digital unserem Bildungsauftrag nach.  

Welchen Herausforderungen muss sich das digitale Museum stellen?  

Es ist eine Herausforderung, jeden Tag neuen Content zu produzieren. Bei Ausstellungen ist das anders: Wenn sie einmal steht, dann steht sie auch erst mal ein halbes Jahr! 😊  Gleichzeitig müssen wir die Social-Media-Inhalte zielgruppengerecht aufbereiten, da jeder Kanal eine andere Zielgruppe hat. Auf Facebook wenden wir uns beispielsweise an die Besucher 50+, wohingegen Instagram die junge Zielgruppe abholt. Twitter wiederum spricht Journalisten und andere Häuser an. Dazu kommt noch der Algorithmus, der uns auch immer wieder vor neue Aufgaben stellt.  

Im Kern müssen wir immer aktiv und up to date sein, mit den Fragen im Fokus: Welche Trends sind angesagt? Was wollen die Leute? Was will unsere Zielgruppe?  

Welche Besonderheiten fallen Ihnen online im Bereich Kultur auf?  

Mich begeistert der Austausch zwischen den Museen. Es ist nicht das klassische Konkurrenzdenken, ganz im Gegenteil. Wir tauschen uns sehr viel aus und werden von anderen Museen häufig angeschrieben. Der Austausch ist immer sehr inspirierend. 

Außerdem beobachte ich, dass gerade historische Museen mutige und moderne Formate umsetzen. Viele Kunstmuseen sind dagegen beispielsweise klassisch unterwegs. Wir gehen andere und frische Wege, aber dadurch bekommen wir auch die Möglichkeit, ein junges Publikum zielgerichtet anzusprechen.  

Visualisierung des zukünftigen Foyers (Visualisierung neo.studio neumann schneiderarchitekten)

Wie ist die Resonanz auf den Kanälen?  

Sehr positiv. Wir haben einen sehr aktiven Austausch mit unseren Followern. Da kann ich insbesondere Facebook hervorheben. Es ist schön zu sehen, dass sich die Arbeit in unsere Kanäle auszahlt. Unsere Follower*innen sind sehr dankbar für die umfassenden Informationen. Die sozialen Netzwerke ermöglichen einen intensiven, direkten Austausch mit den Museumsbesucher:innen. Wir bekommen unmittelbares Feedback, das ist wirklich toll.  

Führen Sie das digitale Museum nach der Neueröffnung fort?  

Auf jeden Fall! 😊 Wir waren auch vor der Schließung online unterwegs und werden das auch in Zukunft beibehalten. Unser studentisches Infoteam unterstützt uns hier enorm, ohne sie wäre das auch nicht möglich. Sie sind federführend an dem Projekt beteiligt und wissen als „Digital Natives“ genau, was die Follower*innen sehen wollen. Davon profitieren wir sehr und ich bin für ihre Unterstützung sehr dankbar.  

Wir freuen uns, dass wir das Kölnische Stadtmuseum im Rahmen der neuen Website unterstützen konnten und wünschen schon jetzt für die Neueröffnung viel Erfolg. 


Beitragstitelbild: das Gebäude von außen (Foto: C. Ehrchen)

Depot Boijmans Van Beuningen Rotterdam – ein Blick hinter die Kulissen eines Museums

Von |13.05.2022|Digitalkultur|

Mit Social Media und der damit verbundenen Demokratisierung des digitalen Dialogs hat sich die Haltung unserer Gesellschaft grundlegend verändert. Politiker*innen, Unternehmen, Institutionen und Medien können es sich nicht mehr leisten, eine „Verlautbarungskommunikation“ zu praktizieren. Es besteht die Erwartung, dass sie transparent, auf Augenhöhe und direkt in den Austausch mit ihrer jeweiligen Zielgruppe treten.

Das betrifft auch Museen: Auch sie beginnen mehr und mehr damit, ihr Publikum nicht nur als passive Ausstellungsbesucher zu sehen, sondern sie darüber hinaus in ihre Arbeit einzubinden. So versucht beispielsweise die Plattform nextmuseum.io Kurationsprozesse für eine breite Öffentlichkeit zu öffnen.

Eine andere Idee der Museumsöffnung verfolgt das Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Es hat sich der Fragestellung angenommen, wie die umfangreichen Depots, in welchen in der Regel der größte Teil der Museumssammlung unzugänglich lagert, für das Publikum transparent und sichtbar gemacht werden können. Ein sehr spannender Trend, mit dem sich inzwischen verschiedene Museen befassen und der in Rotterdam in vorbildlicher Weise umgesetzt ist.

Eine einzigartige Idee schafft Einblicke in die Arbeit hinter die Kulissen

Das Boijmans Van Beuningen ist Rotterdams größtes Museum mit einem Bestand von mehr als 150.000 Exponaten und vielen Kunstwerken der großen alten Meister wie Hubert und Jan van Eyck, Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel, Tizian, Veronese, Rubens, Van Gogh. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, wird derzeit renoviert und ist daher für längere Zeit geschlossen.

Aus dieser „Not“ heraus entstand der Gedanke, das im Keller gelagerte Depot auf eine ganz und gar neue Weise zu inszenieren: In einem futuristisch anmutenden Gebäude direkt neben dem „alten“ Museumsgebäude gibt das Boijmans Depot als erstes Museum weltweit Einsicht in die Arbeit, die bislang hinter den Kulissen verlief.

Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch, als ich die Einladung einer Freundin für den Besuch des Depots erhielt: Ist das denn spannend, sich Lagerflächen anzuschauen? Kann man da viel sehen? Ich wurde positiv überrascht und bin beeindruckt, wie spannend ein Blick in die sonst verborgenen Arbeiten eines Museums sein kann.

Mehr als ein Highlight erwartet die Besucherinnen und Besucher 

Das erste Highlight gab es schon vor unserem Eintritt in das Gebäude: Das Depot erinnert an eine große, silberfarbene Salatschüssel. Die gesamte Umgebung spiegelt sich in ihr, und die gebogenen Außenwände sorgen für faszinierende Reflexionen. Der Eingang ist konstruiert wie riesige Flugzeug-Türen, die sich zur Seite hin aufschieben lassen. Ein imposanter Bau in der architektonisch insgesamt sehr vielseitigen und spannenden Stadt Rotterdam.

Das Thema Licht und Spiegelung zieht sich durch das gesamte Gebäude. Auch innen erscheint alles in vielfacher Reflexion, weil Wände und Böden des Treppenhauses zu einem großen Teil aus doppeltem Glas bestehen, zwischen dem Exponate ausgestellt sind. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig und im ersten Eindruck sehr verwirrend, macht aber mehr und mehr Spaß, je länger man sich im Gebäude aufhält, denn es gibt entlang der Laufwege eine Menge zu entdecken.

Die eigentlichen Lagerräume ziehen sich entlang der Flure über insgesamt sechs Etagen und umfassen fünf verschiedene „Klimazonen“. Während ich ganz naiv bislang angenommen hatte, Kunst würde möglicherweise nach ihrem Alter oder dem Namen der Künstler sortiert, ist die Realität eine andere: Um die Lagerbedingungen jeweils zu optimieren, steht bei der Strukturierung im Depot das Material im Vordergrund. So gibt es Räume für „anorganische Materialien“ oder „Papier“, für „hängende Kunst“ oder „Mischmaterialen“. Dieses System macht sehr viel Sinn, weil die entsprechenden Klimabedingungen pro Raum angepasst werden können.

Digital und analog zu informieren ist Teil des Gesamtkonzept

Als Besuchende erhält man sowohl analog als auch digital Einblick in die verschiedenen Räume. Durch große Schaufenster kann man jeweils in die vorderen Regalreihen blicken. Dort sieht man nicht nur spannende Exponate, sondern lernt auch etwas über die komplizierte Thematik der Verpackung von Kunstobjekten. Wer zudem etwas über die Schätze in den hinteren Regalreihen der riesigen Lagerräume wissen möchte, kann mittels QR-Code in der kostenfreien Depot-App nachschauen und findet dort tausende der Objekte beschrieben. Zusätzlich gibt es bei einigen Räumen Screens, die über diverse Eckdaten wie z. B. die Größe der Exponate oder Ähnliches informieren.

Statt klassischer Ausstellung oder Inszenierung steht die Arbeitspraxis im Fokus

Wer erwartet, eine systematische Führung durch verschiedene Kunstgattungen oder Künstler zu bekommen, wird enttäuscht. Da die Kunst in den Regalen lagert, ist sie weder in irgendeiner Weise inszeniert, noch beschriftet. Auch die Kunst, die in Wänden, Decken oder Böden zwischen Glas ausgestellt ist, hat keine Beschriftung. Das ist für mich zunächst ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Aber sehr schnell wird das Interesse umgelenkt auf Fragen rund um das Thema Sammeln, Bewahren und Restaurieren.

So ist es für mich beispielsweise ein Highlight, Einblick in die verschiedenen Restaurationswerkstätten zu erhalten. Auch sie sind verglast, sodass man sehen kann, in welcher Art und Weise und mit welchen Geräten die Restaurierung von Holz, Gemälden oder Glas erfolgt – eine ganz besondere Handwerkskunst, die man üblicherweise nicht zu Gesicht bekommt.

Doch auch die klassische Ausstellung bleibt nicht komplett auf der Strecke. In zwei oder drei Räumen werden Kunstobjekte in vertrauter Art und Weise präsentiert, u. a. die Gemälde-Highlights der Sammlung Boijmans Van Beuningen. Es werden hier tatsächlich nur rund ein Duzend Bilder gezeigt, luftig und frei hängend im Raum, sodass man sie in nächster Nähe sowohl von vorne als auch von hinten besichtigen kann.

Nach ca. 1,5 Stunden sind wir mit dem Rundgang durch die verschiedenen Etagen fertig und kommen auf die mit Birken bepflanzte Dachterrasse der „Salatschüssel“. Dort hat man zum Abschluss noch eine wunderbare Sicht über Rotterdam.

Ein innovatives Konzept, das erste Nachahmer findet

Alles in allem ist das Depot Boijmans Van Beuningen eine gelungene Innovation, die schon jetzt einige Nachahmer findet. Transparenz und Storytelling – das sind für mich die Stichworte, die mir im Blick auf diese neue „Erzählform“ einfallen. Eine sehr positive Entwicklung, wenn man bedenkt, dass bei fast allen Museen ein Großteil der Exponate hinter verschlossenen Türen lagert und dort für niemanden sichtbar ist.

Inklusives, hybrides Design für die Kulturvermittlung – Interview mit Alexandra Verdeil von Tactile Studio

Von |17.06.2021|Digitalkultur|

Alexandra Verdeil, Geschäftsführerin Tactile Studio für Deutschland und Österreich, erklärt im Interview, was inklusives Design für sie bedeutet, was hybride Technologien damit zu tun haben und wie das Museum der Zukunft aussehen sollte.

Die inklusive Designagentur Tactile Studio entwickelt Ausstellungsobjekte für internationale Museen. Sie setzt auf sensorische Vielfalt, um möglichst allen Menschen einen Kulturzugang zu ermöglichen. In ihren neueren Projekten spielen dabei hybride Technologien eine wichtige Rolle, RFID-Chips zum Beispiel, die ganze Räume zum Leben erwecken können. Die Objekte der Agentur stehen unter anderem im Kunsthistorischen Museum Wien, im Louvre Abu Dhabi und im Deutschen Museum. Alexandra Verdeil, Geschäftsführerin in Deutschland und Österreich, erklärte mir im Interview, was digitale Lösungen für eine inklusivere Museumswelt leisten können und warum Vielfalt in der Kulturvermittlung so wichtig ist.

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Ein besonderes Erlebnis: Mein Museumsbesuch im Städel

Von |01.04.2021|Unterwegs|

Die Museen waren im späten Coronawinter kurz wieder geöffnet, zumindest mit Einschränkungen. Sabine Haas konnte endlich wieder eines besuchen – und hat dabei gemerkt, was ihr im langen Lockdown fehlte.

 

Es war die schönste Nachricht seit vielen Wochen: Die Museen öffnen wieder. Für meine Freundin und mich ein Grund, sofort eine Reise nach Frankfurt zu planen. Schon vor Corona hatten wir uns vorgenommen, endlich einmal gemeinsam das Städelmuseum zu besuchen, denn dort bin ich bislang noch nie gewesen. Und so waren wir unter den ersten, die einen Termin für das große Kunstmuseum gebucht hatten.

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Digitale Konzerte, Museen und Theater – Hat das alles eigentlich eine Zukunft?

Von |04.02.2021|Digitalkultur|

Die Lockdowns während der Coronapandemie haben viele digitale Angebote von eigentlich nicht-digitalen Institutionen hervorgebracht. Viele gute und auch nicht so gute Beispiele haben wir hier auf dem Kultur-Blog schon besprochen. Doch wie steht es um die digitalen Kulturangebote im Gesamten? Sabine Haas gibt eine Einschätzung.

 

In Zeiten von Corona bleibt den Kultureinrichtungen nur der eine Weg, um mit dem Publikum in Kontakt zu kommen: Das Internet. Es ist also kein Wunder, dass es inzwischen ein extrem breites Angebot an digitaler Kultur gibt und dieses Angebot täglich weiter wächst. Kulturinteressierte können digital Konzerte besuchen, Theater-Livestreams verfolgen, 360-Grad-Apps auf ihr Handy laden, Podcasts abonnieren und vieles mehr. Das ist toll, denn es zeigt, wie breit die Möglichkeiten digitaler Kulturerfahrungen inzwischen sind.

Dennoch: Immer noch sind viele dieser digitalen Kulturevents eher „Notlösungen“ oder „Ausweichangebote“, die die Pandemie als Ausnahmesituation hervorbringt und die nicht wirklich überzeugen. Der Grund: Vieles ist nicht durchdacht, einiges technisch sehr aufwändig und oft ist die Hürde bei der Nutzung so groß, dass man schon vor dem Einstieg abgeschreckt ist.

Nach einer Reihe von „digitalen Kulturbesuchen“ bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass es noch eine Weile dauert, bis sich eine attraktive und sinnvolle „digitale Kulturlandschaft“ herausgebildet hat, deren Besuch wirklich Spaß macht – und zwar nicht nur in Zeiten einer Pandemie.

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Köln und die Zukunft seiner Museen – MiQua meets DOMiD

Von |03.11.2020|Digitalkultur|

Unser Autor Nils wurde zu einer außergewöhnlichen Stadtrundfahrt eingeladen, deren besondere Sehenswürdigkeiten noch in der Zukunft liegen. Auf dem Kultur-Blog berichtet er von seinem Blick in die Zukunft der Kölner Museumslandschaft.

Köln bekommt zwei weitere hochkarätige und besondere Museen. Um einmal deren vollen Namen zu nennen: Es geht um das „MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln“ und das geplante Haus der Einwanderungsgesellschaft des„DOMiD | Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland“. Das MiQua befindet sich gerade im Bau und will neben den Schätzen der archäologischen Zone jüdische Geschichte und Kultur präsentieren. Das Haus der Einwanderungsgesellschaft des DOMiD tritt gerade in die Planungsphase ein und soll eine Begegnungsstätte werden, in der sich Besucher*innen über Migration in Deutschland bilden und austauschen können. Die Institutionen hinter den beiden zukünftigen Museen wollen somit Perspektiven zu Themenkomplexen aufzeigen, die die deutsche Geschichte seit Langem mitprägen und die doch zu selten eingenommen und berücksichtigt werden.  Dieser Schnittmenge möchten beide nun in einem gemeinsamen virtuellen Projekt Ausdruck verleihen.

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