August Sander – ein fotografischer Blick auf die Welt

Von |02.11.2026|Unterwegs|

August Sander: Blick vom Messeturm, 1928–1935

Ein Besuch der Ausstellung „150 Jahre August Sander“ in der SK Stiftung Kultur in Köln

Die Ausstellung „150 Jahre August Sander“ in der SK Stiftung Kultur hat mich wieder einmal für diesen außergewöhnlichen Fotografen begeistert.

Ich habe eine besondere Verbindung zu August Sander, weil er – wie ich auch – im Westerwald geboren und aufgewachsen ist. In dieser durch und durch ländlichen Region gibt es nicht viele Prominente. Eigentlich nur zwei wirklich nennenswerte: Friedrich Wilhelm Raiffeisen und August Sander. Entsprechend habe ich mich mit beiden etwas intensiver auseinandergesetzt.

Eigentlich kenne ich mich mit Fotografie nicht besonders gut aus. Aber die besondere Kunstfertigkeit und das große Talent von August Sander glaube ich zu verstehen. Er hat eine unverwechselbare Art, Menschen, Landschaften und Lebenssituationen ins Bild zu nehmen. Seine Fotografie ist zugleich unverstellt dokumentarisch und hochgradig künstlerisch. In jedem Bild wird sein Wunsch erkennbar, die Welt in ihrer Vielfalt und Einzigartigkeit festzuhalten. Zugleich aber sieht man die Magie, die sein fotografischer Blick in jedes Bild hineingezaubert hat.

Historische Schwarz-Weiß-Fotografie des Fotografen August Sander von fünf Personen vor einem dunklen Waldhintergrund. Drei Erwachsene sitzen nebeneinander, zwischen ihnen stehen ein älteres Mädchen in einem dunklen Kleid mit Blumenverzierungen und rechts ein kleines Mädchen in einem hellen Kleid mit Haarschleifen.

August Sander: Die Familie in der Generation, 1912

Ein Streifzug durch Sanders Gesamtwerk

In der Ausstellung „150 Jahre August Sander“ erlebt man einen Streifzug durch sein Gesamtwerk. Angefangen mit seinen Köln-Bildern aus der Zeit vor und nach dem Krieg geht es weiter zu den Fotografien seiner einzigen größeren Reise, die ihn nach Sardinien führte. Es folgen Aufnahmen aus den ländlichen Regionen rund um Köln – vor allem auch aus dem Westerwald –, Bilder seiner Familie und natürlich die große Porträtreihe „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Dazwischen finden sich seine Studien von Händen und Gesichtsprofilen.

Jedes Thema wird auf „Sandersche Art“ umgesetzt: ernst, dokumentarisch und dennoch hochgradig künstlerisch. Sander hatte einen unglaublichen Blick für die Welt um sich herum und schaffte es, alle Dinge in seinem Umfeld durch seine Fotografie zum Sprechen zu bringen. Seine Bilder von Farnblättern erzählen ebenso eine ganze Geschichte wie sein fotografischer Blick in die eigene Werkstatt.

Sanders Bilder sind für mich immer wieder dazu geeignet, mich darin zu verlieren. Es fasziniert mich sehr, wie er die brutale Realität festhält – zum Beispiel in seinen Bildern von Köln in Trümmern – und dennoch darüber hinaus ganze Welten eröffnet.

Ein Pionier der Fotografie

Ich glaube, für August Sander war die damals noch relativ neue Technik der Fotografie ein Aufbruch in neue Welten. Und er selbst sah sich als Pionier, dessen Aufgabe es war, aus dieser Technologie das Beste herauszuholen.

Das zeigt auch der Blick in seine akribisch aufgeräumten Fotolabore, deren Aufnahmen ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Hier wird deutlich, mit welcher Ernsthaftigkeit und Präzision Sander seine Arbeit betrieb. Fotografie war für ihn offenbar nicht nur ein Mittel, die Welt festzuhalten, sondern auch eine Möglichkeit, sie neu zu entdecken.

Und genau das macht seine Bilder für mich bis heute so besonders: Sie zeigen die Welt, wie sie ist, und lassen uns zugleich mehr darin sehen.

Alles in allem: Eine rundum gelungene Ausstellung, die meine Begeisterung für August Sander einmal mehr bestätigt hat. Ein Besuch lohnt sich!

Link zur Ausstellung „150 Jahre August Sander“ – SK Stiftung Kultur