Filmclub 813 in Köln – eine kleine Zeitreise mitten in der Stadt

Leere Reihen gepolsterter, orangebrauner Kinosessel mit schwarzen Armlehnen in einem warm beleuchteten Saal mit roten Vorhängen.

Manchmal sind es die zufälligen Entdeckungen, die einen besonders begeistern. So ging es mir vor zwei Wochen, als ich an einem Samstagabend eigentlich nur auf dem Weg zum Neumarkt war und plötzlich in einem Kino landete, von dem ich bis dahin noch nie gehört hatte.

Ich war mitten in Köln unterwegs, als mir auffiel, dass die Türen des wunderbaren 60er-Jahre-Gebäudes „Die Brücke“ an der Hahnenstraße offenstanden. Im Eingangsbereich war eine kleine Kinokasse aufgebaut. Das machte mich neugierig. Auf meine Frage, was denn hier stattfinde, erfuhr ich, dass der Filmclub 813 an diesem Abend einen Film zeigte.

Auf dem Programm stand „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“ aus dem Jahr 1932. Ein Film, den ich nicht kannte, der mich aber sofort neugierig machte. Also habe ich kurzerhand eine Karte gekauft und bin geblieben.

Ein Film aus einer anderen Zeit

„Kuhle Wampe“ entstand 1932 unter der Regie von Slatan Dudow, unter Mitwirkung von Bertolt Brecht am Drehbuch und mit Musik von Hanns Eisler. Der Film erzählt von Arbeitslosigkeit, Armut und dem Leben einer Berliner Arbeiterfamilie während der Weltwirtschaftskrise und gilt als eines der bedeutendsten Werke des proletarischen Kinos der späten Weimarer Republik – kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Und was soll ich sagen? Ich fand ihn großartig.

Besonders beeindruckt haben mich die Kameraführung, die ungewöhnlichen Bildkompositionen und dieser harte, kompromisslos sozialistische Erzählstil. Nichts wird beschönigt, wenig ist gefällig. Der Film hat eine politische Direktheit, die man heute so kaum noch kennt. Und gerade das macht ihn so faszinierend. Man spürt förmlich die gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit.

Kino, wie es einmal war

Aber nicht nur der Film selbst machte diesen Abend zu etwas Besonderem. Es war auch der Ort.

Der Filmclub 813 ist kein gewöhnliches Kino. Hier geht es nicht um die neuesten Blockbuster, Popcornberge und möglichst große Leinwände. Hier geht es um Filmkultur, um Entdeckungen, um Werke, die man anderswo kaum noch zu sehen bekommt.

Und um eine Art des Kinosehens, die inzwischen selten geworden ist. Der Filmclub pflegt auch die traditionelle analoge Filmvorführung auf 35-mm-Kopien. Dieses leicht unruhige Bild, das Flackern, die kleinen Spuren manchmal, die das Filmmaterial im Laufe der Jahrzehnte bekommen hat – all das gehört zu einer Kinoerfahrung, die viele von uns noch aus früheren Zeiten kennen.

Wer alt genug ist, erinnert sich vielleicht auch an das leise Rattern der Projektoren. Es ist eine ganz andere Atmosphäre als die technisch perfekten digitalen Bilder, die wir heute gewohnt sind. Irgendwie unmittelbarer, lebendiger und für mich auch ein bisschen magischer.

Ein Samstagabend zwischen zwei Welten

Draußen pulsierte das moderne Köln. Menschen waren unterwegs, die Restaurants und Bars füllten sich, die Stadt war laut und lebendig, wie sie es an einem Samstagabend eben ist.

Und ich saß nur wenige Meter entfernt in einem kleinen Kinosaal und war plötzlich im Berlin der frühen 1930er-Jahre.

Leerer Kinosaal mit mehreren Reihen dunkelroter Sitzplätze, einer großen weißen Leinwand und warm beleuchteten Wänden in Gelb- und Orangetönen.

Foto: Bernhard Marsch (c) 2004 (Filmclub 813 | „8-1-3, nous restons là!“)

Das war schon ein merkwürdiger und zugleich wunderbarer Kontrast.

Für eine gute Stunde war die Gegenwart ganz weit weg. Ich war vollkommen eingetaucht in eine andere Zeit, in eine andere Bildsprache, in eine Welt, die fast hundert Jahre zurückliegt und deren Fragen zum Teil erstaunlich aktuell geblieben sind.

Als ich wieder auf die Hahnenstraße trat, musste ich mich erst einmal ein bisschen sortieren.

Ein kleines Juwel mitten in Köln

Ich liebe solche Entdeckungen. Orte, an denen Menschen mit Leidenschaft etwas bewahren, das sonst vielleicht irgendwann verloren gehen würde. Orte, die nicht laut auf sich aufmerksam machen, sondern einfach da sind und darauf warten, entdeckt zu werden.

Der Filmclub 813 ist für mich genau so ein Ort.

Auch das Programm ist besonders. Man findet hier eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl aus Filmklassikern, selten gezeigten Werken, internationalen Entdeckungen und Filmen abseits des Mainstreams. Ein Angebot für Menschen, die Kino nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als Kunstform und Zeitzeugnis schätzen.

Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, häufiger vorbeizuschauen. Denn dieser spontane Samstagabend war für mich eine kleine Zeitreise und eine dieser schönen Überraschungen, die Köln immer wieder bereithält.

Wer neugierig geworden ist: Das aktuelle Programm und weitere Informationen findet ihr hier:

Filmclub 813 – Programm und Informationen

Filmclub 813 – Kino 813 in der BRÜCKE
Hahnenstraße 6, 50667 Köln

Sabine Haas

Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

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