Wunderbarer Klavierabend mit Grigory Sokolov

Von |01.06.2023|Unterwegs|

Als „Gott des Klaviers“ ist Grigory Sokolov auch bekannt, er gehört zu den bedeutendsten Pianisten der Gegenwart. Umso größer die Freude, dass ein solches Talent an einem Pfingstmontag in der Kölner Philharmonie ein Konzert spielt – das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Auf der Webseite der Philharmonie heißt es, Grigory Sokolov spielt auf seinen Konzerten meist ganze sechs Zugaben und hat so die Zahl Sechs zu einem Gütesiegel klassischer Konzerte gemacht. Soll es auch an diesem Konzertabend wieder soweit sein?

 

Festliche Stimmung an einem sommerlichen Tag

Als ich an diesem sonnigen Tag gegen halb acht am Eingang der Kölner Philharmonie ankomme, kommt sofort eine festliche Stimmung auf. Viele der Besucher*innen haben sich richtig in Schale geworfen, die Vorfreude und Spannung auf das Konzert ist deutlich spürbar. Und das aus gutem Grund: gespielt werden soll an diesem Abend eine Kombination aus Purcell und Mozart.

Nachdem ich ein Programmheft ergattert und meinen Platz im Konzertsaal gefunden habe, bin auch ich sehr gespannt auf die Darbietung des Ausnahmepianisten. Es ist das erste Mal, dass ich Grigory Sokolov live erleben darf. Der im Jahr 1950 geborene Pianist wird an diesem Abend auf einem großen Flügel spielen, welcher sich auf der ansonsten komplett leeren Konzertbühne der Philharmonie befindet. Pünktlich um acht Uhr wird das Licht gedimmt und Sokolov betritt den Konzertsaal.

 

Programmheft des Konzerts von Grigory Sokolov in der Kölner Philharmonie

 

Erfüllende Klaviermelodien mit Werken von Henry Purcell

Die ersten Klaviertöne erfüllen leise und dann zunehmend kraftvoll den Raum. Sie gehören zu dem Werk „Ground in Gamut“ des Komponisten Henry Purcell (1659-1695), welches von Grigory Sokolov gefühlvoll interpretiert wird. In den ersten 40 Minuten des Konzerts werden neun Werke des bereits mit Mitte 30 verstorbenen Komponisten gespielt. Henry Purcell galt auch als „Shakespeare der Musik“ und hat in seinen Kompositionen vielfältige Formen und Gegensätze vereint: Liebe und Tod, Hingabe und Melancholie oder auch Schönheit und Vergänglichkeit.

Diese Gegensätze werden im weiteren Verlauf des ersten Konzertteils deutlich spürbar. Nachdem zu Beginn bereits leise und kraftvolle Töne im Wechsel zu hören waren, vermitteln auch die weiteren Stücke wechselnde Stimmungen: Es wird romantisch, dann wieder kraftvoll und energisch, sehr fröhlich und wiederum melancholisch und nachdenklich. Da die Werke fast ohne Unterbrechung ineinander übergehend gespielt werden, ist es für mich dennoch schwer, dem genauen Ablauf der neun gespielten Stücke zu folgen. Dem Konzertgenuss schadet dies aber keinesfalls. Sokolovs Interpretationen sind beeindruckend – und zugleich wirklich entspannend. Zur Pause erhält der russisch-spanische Pianist einen langen und kräftigen Applaus.

 

Fröhlich-romantische Klänge von Wolfgang Amadeus Mozart

Der zweite Teil des Konzerts ist dem populären Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) gewidmet. Zwei Werke aus seinem Repertoire wird Grigory Sokolov spielen: die „Klaviersonate KV 333“ und „Adagio KV 540“. Mit dem Start des ersten Stücks kehrt in den Konzertsaal wieder völlige Stille ein – die Besucher*innen lauschen gespannt Sokolovs Darbietung. Schnell wird klar, dass sich die Musiksprache deutlich von der des ersten Teils unterscheidet. Die in Linz komponierte „Sonate KV 333“ lässt eine sehr fröhliche Stimmung aufkommen und bringt den wunderschönen Klang des Flügels noch einmal mehr zur Geltung. Doch auch hier finden sich unterschiedliche Facetten. So wechselt die Sonate von sehr fröhlichen hin zu romantischen Klängen, um anschließend wieder ausgesprochen schwungvoll zu werden. Und dann wird es auch mit Mozart und dem zweiten Stück „Adagio KV 540“ noch einmal etwas melancholisch.

Toll finde ich, dass mit den poetischen Interpretationen von Grigory Sokolov nicht nur unterschiedliche Stimmungen vermittelt, sondern den Zuhörenden richtige kleine Geschichten erzählt werden. So kann jede*r mit ein bisschen Fantasie in eigene Sphären eintauchen und sich durch die Klaviermusik inspirieren lassen. Am Ende des zweiten Konzertteils danken die Besucher*innen dem Pianisten mit Standing Ovations.

 

Sechs Zugaben in der Kölner Philharmonie

Nachdem der offizielle Teil des Abends pünktlich sein Ende gefunden hat, schlägt die Stunde der Wahrheit. Wird es wirklich sechs Zugaben geben? Ja! Grigory Sokolov wird nicht müde, sich bei anhaltendem Applaus immer wieder zu verneigen, den Konzertsaal zu verlassen, um dann wieder zu kommen und sich erneut an den Flügel zu setzen. Die gewählten Stücke seiner Zugaben sind dabei ebenso vielfältig wie die vorausgegangenen. Gespielt werden Werke von Frédéric Chopin, Sergej Rachmaninow und Jean-Philippe Rameau. Ein langer und beeindruckender Klavierabend. 😊

Vielen Dank!

Coldplay-Tribute: Klaviermelodien und Kerzenlicht

Von |20.12.2022|Unterwegs|

Weihnachtszeit ist besinnliche Zeit. Warum also nicht mit ein bisschen Kultur dem vorweihnachtlichen Trubel etwas entgehen? Genau richtig war hier das Coldplay-Klavierkonzert am 15. Dezember 2022 in der Trinitatiskirche in Köln. Als Liebhaberin von Klaviermusik und der Band Coldplay erfüllte mich diese Kombination auf Anhieb mit viel Freude. On top sollte das Konzert bei Kerzenschein stattfinden – umso besser!

 

Ein glücklicher Treffer bei Social Media

Auf das Konzert aufmerksam wurde ich tatsächlich über eine Facebook-Anzeige. So zeigt sich, dass die Zielgruppen-Analysen und Algorithmen des sozialen Netzwerks durchaus etwas sehr Positives bewirken können. Das Klavierkonzert in der Trinitatiskirche war eines der Candlelight-Konzerte des Veranstalters fever, dessen Anzeige sofort meine Aufmerksamkeit hatte. Auch wenn die weltweit stattfindenden Konzerte bei näherem Hinschauen etwas kommerziell wirken, habe ich spontan zwei Tickets gekauft und war sehr gespannt auf den Abend.

 

Besinnliche Stimmung nach einer aufregenden Anreise

Da ich und meine Begleitung etwas spät in Ehrenfeld gestartet sind, ist der Weg zum Konzert erstmal ein wenig turbulent. Wir mussten unbedingt vor Konzertstart da sein, denn danach war kein Einlass mehr möglich. Gar nicht so einfach, in der Adventszeit in Köln schnell irgendwohin zu kommen. Doch trotz überfüllter KVB, schaffen wir es noch rechtzeitig zu unseren Plätzen in der Trinitatiskirche. In dem mit großen LED-Kerzen gefüllten Raum dauert es dann nicht lange, bis die besinnliche Vorfreude auf das Konzert uns wieder hat.

 

Klavierkonzert zu Coldplay Songs in der Trinitatiskirche in Köln

 

Coldplay-Klassiker zur Weihnachtszeit

Die ersten Klaviertöne des Songs Clocks erfüllen dann in eindrucksvoller Weise den Kirchenraum. Die Klaviermelodie zieht das Publikum sofort in ihren Bann und es herrscht ansonsten völlige Stille. Aufmerksam folgen wir der virtuosen Darbietung des Pianisten Giorgos Fragos. Nach diesem ersten Stück richtet der Pianist ein paar Worte an die Besucher*innen und erklärt den Ablauf des gut einstündigen Konzerts.

Es folgen vier Trios von Coldplay-Songs, welche ineinander übergehend gespielt werden. Der Klang des Flügels im Altarraum der Trinitatiskirche ist beeindruckend, die bekannten Songs wirken in den Klavierversionen vertraut und dennoch zum Teil überraschend anders. Gespielt werden:

Don’t Panic – Speed of Sound – Trouble
Fix you – Paradise – In my place
Adventure of a Lifetime – Hymn of the Weekend – Yellow
The Scientist – Sky Full of Stars – Viva la Vida

Nach einem kleinen Applaus zu jeder der knapp 15 Minuten andauernden Komposition folgt eine weitere Ansprache des Pianisten zu den darauffolgenden Stücken. Am meisten beeindruckt haben mich die Klavierversionen von The Scientist und A Sky Full of Stars im letzten Block.

Die Darbietung von The Scientist ließ sofort eine sehr emotionale Stimmung aufkommen, welche uns in dem mit Kerzenlicht ausgeleuchteten Kirchenraum noch einmal mehr einfängt. Die kraftvollen Klaviertöne von A Sky Full of Stars hingegen gehen gefühlt weit über den Kirchenraum hinaus, der Coldplay-Song wird von Giorgos Fragos wirklich virtuos gespielt.

 

Kerzen in der Trinitatiskirche in Köln

 

Ein Weihnachtssong zum Advent?

Das vorab veröffentlichte Line-up des Konzerts ließ bereits vermuten, dass sich die gespielten Stücke besonders auf die sehr bekannten Klassiker der Band Coldplay konzentrieren – und genauso war es. Das finde ich zu dieser besonderen Jahreszeit etwas schade, gefreut hätte ich mich zum Beispiel über die Coldplay-Weihnachtssongs Christmas Lights oder 2000 Miles.

Von der Auswahl der Stücke ganz abgesehen, lässt das Konzert an diesem Abend aber keine Wünsche offen. Die tolle Akustik in der Trinitatiskirche und die Umsetzung des Klavierkonzerts bei Kerzenschein gehen unter die Haut und sorgen für ein wunderschönes Konzerterlebnis. Auch über eine kleine Zugabe dürfen wir uns freuen – gespielt wird eine Klavierversion von Queen als letzter Song des Abends.

Eine wirklich schöne Erinnerung an die Weihnachtszeit 2022. 😊

 

 

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