Kunst und Kultur auf Distanz – Vielfalt im Netz

Von |2022-09-20T14:29:10+02:0020.09.2022|Digitalkultur|

Ob in der Familie oder der Uni, beim Konzertbesuch oder mit Kollegen auf der Arbeit: Kultur ist theoretisch immer da. Doch sie ist nicht für jeden Menschen gleichermaßen gut verfügbar. Um etwa die Kultur der Inka zu erleben, wäre eine Reise zum Machu Picchu sicher empfehlenswert. Ein Buch oder eine Dokumentation sind jedoch ein guter Ersatz, wenn Zeit, Geld oder körperliche Hindernisse eine beschwerliche Reise unmöglich machen. Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen kennen diese Herausforderung nur allzu gut. Für Menschen mit Immundefekt kommt selbst das gut besuchte Konzert um die Ecke womöglich kaum infrage. Und wer einmal (sei es auch nur zeitweise) auf einen Rollstuhl und somit auf Barrierefreiheit angewiesen war, sieht die Welt ohnehin mit anderen Augen.

Gleichwohl bedeutet es nicht, dass Kunst und Kultur deswegen grundsätzlich unerreichbar wären. Das Internet hält unzählige Angebote bereit. Sie sind von so gut wie überall und jederzeit abrufbereit. Das Internet bietet uns eine nie dagewesene Bandbreite an Möglichkeiten zur Teilhabe an Kunst und Kultur. Was uns gefällt und was wir ablehnen, bleibt live wie virtuell Geschmackssache. Selbst wenn laut Studien ein Großteil der Menschen meint, dass Kultur von ihrem „Live-Charakter“ lebt, gibt es neben Erreichbarkeit und Gesundheit noch finanzielle Gründe, dem virtuellen Angebot eine Chance zu geben.

Kunst und Kultur: Online ist das New Normal – teilweise zumindest

Die Frage ist also, wie wir etwas finden, dass unseren individuellen kulturellen Interessen entspricht. In diesem Beitrag gibt es einige Anregungen, wie Kunst und Kultur auf Distanz aussehen können. Die folgende Auswahl beschränkt sich auf einige Beispiele aus den Bereichen

  • virtuelle Museen und Ausstellungen,
  • Musik, Konzerte, Oper, Theater und Film sowie
  • Städte und
  • Spiele

Die Beispiele dienen als Inspirationsquelle und Ausgangspunkt für eigene Ausflüge durch die Online-Kulturlandschaft. Für die meisten Angebote braucht es nicht mehr als eine stabile Internetverbindung. Bei manchen Angeboten ist zusätzlich Hardware, etwa eine VR-Brille, sinnvoll.

 

Diese Möglichkeiten gibt es für Kultur auf Distanz

Virtuelle Museen und Ausstellungen

Unzählige Museen haben ihre Ausstellungsstücke inzwischen in sagenhafter Qualität digitalisiert. So wird der virtuelle Museumsbesuch von jedem beliebigen Ort aus möglich. Die Auswahl an virtuellen Museen und Ausstellungen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Folgenden einige der möglichen Ausgangspunkte als Inspiration für ausschweifendes Kulturvergnügen rund um den Planeten.

Google Arts & Culture

Allein dieses Projekt von Google bietet unzählige Möglichkeiten Kunst und Kultur aus der ganzen Welt zu entdecken.

Wie viele Stunden man mit dem Google Arts & Culture Projekt verbringen könnte, ist nicht annähernd schätzbar. Weiterhin können User nach Themen wie Pride, verschiedenen Kunstrichtungen und vielem mehr filtern.

Weitere virtuelle Museumsbesuche:

Tipp: Um virtuelle Museen zu finden, reicht meist die einfache Google Suche. Soll es das Museum einer bestimmten Stadt oder eines Landes sein, funktioniert das die Kombination der Suchwörter. Noch einfacher findet man digitalisierte Museen und Ausstellungen über Plattformen wie etwa museum-digital.

Wer übrigens mal selbst künstlerisch tätig sein möchte, könnte es mal mit einer künstlichen Intelligenz versuchen. DALL·E 2 ist eine KI, die auf Basis des Sprachmodells GPT-3 von OpenAI Bilder auf Basis von Beschreibungen generieren.

Beispiel gefällig?

Digitale Kultur, Astronauten spielen Basketball mit Katzen

Abbildung 1 | „An astronaut playing basketball with cats in space“.

 

Musik, Konzerte, Oper, Theater & Film

Arte ist der Kanal, bei dem Kultur quasi Programm ist. Der deutsch-französische Sender hat neben dem üblichen Fernsehprogramm in seiner Mediathek eine eigene Sparte für Konzerte: https://www.arte.tv/de/arte-concert/. Von der Oper über Ballett bis hin zu Konzerten ist hier für jeden Kunst- und Musikgeschmack etwas dabei. Der überwiegende Teil des Angebots stammt aus Events jüngerer Zeit. Doch es gibt auch ältere Schätze zu finden. Dazu gehören etwa der Auftritt von Joni Mitchell beim Isle of Wight Festival 1970 oder ein Konzert von Prince während seiner Purple Rain Tour 1985. Außerdem kommt noch eine Reihe von sehenswerten Musik-Dokumentationen hinzu.

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle, dass über Arte hinaus, viele weitere öffentlich-rechtliche Sender Konzerte in ihren Mediatheken anbieten. Da wären unbedingt die https://www.ardmediathek.de/klassik sowie https://www.3sat.de/kultur / https://www.3sat.de/kultur/pop-around-the-clock/ zu nennen.

Außerhalb von YouTube und TV-Sendern bieten etliche Veranstalter mittlerweile auch eigene Mediatheken an. So etwa die der Berliner Festspiele.

Eine ganz neue Welt in Hinblick auf Konzerte tut sich durch virtuelle Welten wie das Metaverse auf. Das Magazin t3n fragt zu Recht: Gehört den virtuellen Konzerten die Zukunft?

Weithin bekannt dürften die Streaming-Angebote von Spotify, Netflix & Co. sein. Und ja, es mag merkwürdig anmuten, was Netflix unter https://www.netflix.com/search?q=kultur versteht. Wobei Filme und Serien selbstverständlich an sich einen gewissen kulturellen Wert mitbringen. Jedenfalls lassen sich auch bei Video-on-Demand Anbietern wunderschöne Perlen finden. Vor einiger Zeit noch war dort etwa der Film „The Most Unknown” zu sehen: Neun Forscher mit jeweils unterschiedlichem wissenschaftlichem Hintergrund tauchen abwechselnd in die für sie fremden wissenschaftlichen Bereiche der anderen Forscher ein. Sie entdecken dabei das jeweils „unbekannteste“ der anderen Forschungsgebiete. Phänomene und Naturereignisse unseres Planeten, die den meisten von uns unbekannt sein dürften.

Zwar ist die Serie inzwischen – typisch für die Launen des Online-Kultur-Angebots – nicht mehr bei Netflix verfügbar. Stattdessen ist der Film aber als Serie bei Vice Media sehen: https://video.vice.com/en_us/show/the-most-unknown

Städte

Ja, selbst Städte kann man inzwischen virtuell erleben. Corona hat hier als Innovationstreiber gewirkt. Neben Anbietern wie Virtual City Tours hat auch YouTube einiges zu bieten. Ein guter Einstieg gelingt dort etwa mit dem Suchbegriff „VR City Tour“. Kombiniert mit dem Filter nach Zeit, z. B. „Länger als 20 Minuten“, kann man hier quasi um die ganze Welt reisen. Viele der Touren verfügen über einen Audioguide, die entsprechenden Informationen zur jeweiligen Stadt oder Sehenswürdigkeit vermittelt.

Die Amsterdam Kanal Tour schippert ohne Audioguide durch die Grachten, während die Amsterdam Guided Tour auch einiges zur Stadthistorie vermittelt. Ebenso wie die Paris Guided Tour und der Wien Virtual City Trip. Es handelt sich um 360° Videos. Zuschauer können im Video per Maus oder Touch jeweils ihre eigene Blickrichtung wählen. Im New York City Video kann man erahnen, ob Stau sich dort anders anfühlt als in Berlin oder Hamburg. 😉 Wer es ganz speziell mag, lässt sich in einem 360° Video durch das Chernobyl Nuclear Power Plant führen.

Zur Kultur in Städten gehört selbstverständlich auch die Kunst im öffentlichen Raum, die Street-Art. Auch in diesem Fall eignet sich Wikipedia als Einstieg für tiefergehende Recherchen:

 

Spiele

Spiele sind als kulturelle Errungenschaft gesellschaftlich nach wie vor umstritten. Häufig werden sie einseitig betrachtet, als minderwertig oder nutzlos angesehen und mit teils unbegründeten Vorurteilen belegt. Dennoch ist die Games-Kultur längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, wie Kollege Daniel Bühler hier im Kultur-Blog schon vor einiger Zeit treffend darlegte. Auch unsere Bundesregierung war schon 2017 der Ansicht: Computerspiele sind Kulturgut. Längst ist aus der Nische ein riesiges Geschäft entstanden. E-Sports ist salonfähig geworden und Unternehmen wie PwC nutzen Spiele für ihr Recruiting. Der Deutsche Computerspielpreis zeichnet Spiele in 16 Preiskategorien wie „Bestes Familienspiel“, „Bestes Serious Game“ oder „Nachwuchspreis“ aus. Olympia tut sich mit der Einführung von E-Sports noch ein wenig schwer. 2021 fanden jedoch immerhin die ersten Wettkämpfe der Olympic Virtual Series statt. Insbesondere durch Online-Spiele können Menschen auf der ganzen Welt heute gemeinsam virtuelle Abenteuer erleben. Oder dabei zusehen. Die Entwicklung des Live-Streaming-Videoportals Twitch steht dabei gewissermaßen stellvertretend für die Entwicklung im Bereich Spiele. Im ersten Quartal 2019 wurden 3,6 Milliarden Stunden Inhalte auf der Plattform angesehen. Zu Hochzeiten der Coronapandemie liefen im zweiten Quartal 2021 mehr als 6,5 Milliarden Streaming-Stunden über die Displays.

Screenshot mit Grafik des Streaming Portals Twitch

Abbildung 2 | Twitch Total Hours watched per Quartal.

Plattformen und Spiele-Genres sind inzwischen so vielfältig, dass eine Aufzählung hier jeglichen Rahmen sprengen würde. Als Ausgangspunkt zum tieferen Einstieg ins Thema Spielen sind die Wikipedia Artikel Spiel und Computerspiel sicherlich ein guter Anfang. Zumal Wikipedia selbst natürlich ein wesentlicher Teil der Netzkultur ist. 😉

 

5. Kulturelle Teilhabe für alle ist möglich – zumindest teilweise

Es braucht nicht viel, um Kunst und Kultur virtuell zu erleben. Unzählige Angebote sind nur einen Klick entfernt. Sie zu finden und nach eigenen Interessen zu filtern, ist die eigentliche Kunst. Trotz dieser guten Nachrichten ist längst nicht alles perfekt. Denn leider sind trotz der hohen Verfügbarkeit nicht alle Angebote auch tatsächlich barrierefrei. Gerade für Menschen mit Sehbehinderungen kann allein die Bedienung der Angebote eine große Hürde darstellen. Für viele Kulturstätten war Corona der Anlass zur Digitalisierung. Die Entwicklung seit 2020 gibt zumindest in dieser Sache Anlass zur Freude. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen – real wie virtuell – nicht überall die Inklusion erleben können, die sie verdient haben.

Institutionen für die Games-Kultur

Von |2022-04-28T10:40:42+02:0014.01.2020|Digitalkultur|

Digitale Spiele teilten einmal die Öffentlichkeit. Einerseits wurden sie täglich analysiert, rezensiert und natürlich gespielt. Andererseits wurde ihre Nutzung in Gänze kritisiert, unter Generalverdacht gestellt und ihre ganze Kultur als nicht-Kunst gewertet oder schlicht und einfach ignoriert. Diese unvereinbar scheinenden Standpunkte weichen sich zum Glück inzwischen auf, die Zeit der aus dieser Spaltung resultierenden Verbotsaufrufe ist (mehr oder weniger) vorbei. (mehr …)

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