Digitales Theater ist (fast) ein Widerspruch in sich – eine Replik

Von |2022-04-28T10:32:32+02:0018.02.2021|Digitalkultur|

Vor zwei Wochen hat Sabine Haas hier auf dem Kultur-Blog über digitale Kulturangebote geschrieben. Sie formulierte dort den Wunsch, dass sich bei Live-Streams oder digitalen Aufnahmen von Theateraufführungen noch mehr entwickeln muss. Nils Bühler sagt nun: Digitales Theater – das kann nichts werden.

 

Sabine hat, denke ich, in ihrem Artikel zu digitalen Kulturangeboten recht: In den letzten Monaten haben sich viele Kultureinrichtungen ins Zeug gelegt, um digitale Ausdrucksformen für ihre Künste zu finden, doch im Großen und Ganzen gibt es noch Luft nach oben. In einer Sache ist der Wunsch nach einer Entwicklung jedoch vergebens: Das Theater wird sich nicht ins Digitale übertragen lassen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

(mehr …)

Digitale Konzerte, Museen und Theater – Hat das alles eigentlich eine Zukunft?

Von |2022-04-28T10:33:11+02:0004.02.2021|Digitalkultur|

Die Lockdowns während der Coronapandemie haben viele digitale Angebote von eigentlich nicht-digitalen Institutionen hervorgebracht. Viele gute und auch nicht so gute Beispiele haben wir hier auf dem Kultur-Blog schon besprochen. Doch wie steht es um die digitalen Kulturangebote im Gesamten? Sabine Haas gibt eine Einschätzung.

 

In Zeiten von Corona bleibt den Kultureinrichtungen nur der eine Weg, um mit dem Publikum in Kontakt zu kommen: Das Internet. Es ist also kein Wunder, dass es inzwischen ein extrem breites Angebot an digitaler Kultur gibt und dieses Angebot täglich weiter wächst. Kulturinteressierte können digital Konzerte besuchen, Theater-Livestreams verfolgen, 360-Grad-Apps auf ihr Handy laden, Podcasts abonnieren und vieles mehr. Das ist toll, denn es zeigt, wie breit die Möglichkeiten digitaler Kulturerfahrungen inzwischen sind.

Dennoch: Immer noch sind viele dieser digitalen Kulturevents eher „Notlösungen“ oder „Ausweichangebote“, die die Pandemie als Ausnahmesituation hervorbringt und die nicht wirklich überzeugen. Der Grund: Vieles ist nicht durchdacht, einiges technisch sehr aufwändig und oft ist die Hürde bei der Nutzung so groß, dass man schon vor dem Einstieg abgeschreckt ist.

Nach einer Reihe von „digitalen Kulturbesuchen“ bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass es noch eine Weile dauert, bis sich eine attraktive und sinnvolle „digitale Kulturlandschaft“ herausgebildet hat, deren Besuch wirklich Spaß macht – und zwar nicht nur in Zeiten einer Pandemie.

(mehr …)

Demokratisierung des Museums: nextmuseum.io versucht, durch Digitalisierung Kurationsprozesse zu öffnen

Von |2022-04-28T10:38:41+02:0006.08.2020|Digitalkultur|

Wie könnte das Museum der Zukunft aussehen? Die meisten Experimente, die diese Frage beantworten wollen, versuchen, den Museumsbesuch neu zu gestalten – die Kuration bleibt dabei oft verschlossen. Das Museum Ulm und das NRW-Forum in Düsseldorf haben am 1. Juli 2020 die Plattform nextmuseum.io gestartet, die diesen Umstand verändern soll. Ich habe mir das von der Bundeskulturstiftung im Rahmen des Fonds Digital geförderte Projekt einmal angeschaut und mit Marina Bauernfeind, einer Initiatorin des Projekts, gesprochen.

(mehr …)

Auf den Spuren der Geschichte: Deutsches Spionagemuseum Berlin

Von |2022-05-11T14:28:39+02:0012.03.2019|Unterwegs|

Bei unserem jüngsten Familienausflug nach Berlin haben wir neben der Komischen Oper auch das Deutsche Spionagemuseum besucht. Ich fand es sehr interessant, in einer Stadt wie Berlin mit ihrer besonderen Geschichte etwas über die Aktivitäten der Geheimdienste während des Kalten Krieges zu erfahren. Allerdings war ich nicht sicher, ob das »junge« Museum (geöffnet seit 2015) nicht eher reißerisch und touristisch ausgelegt ist.

Ich muss sagen, meine Befürchtungen waren unbegründet. Der Besuch des Museums hat einen Riesenspaß gemacht, denn es war eine sehr gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung.

Besonders beindruckt hat mich, dass es dem Spionagemuseum auf perfekte Weise gelingt, digitale Technologien und Mitmach-Elemente zu kombinieren, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Es ist in meinen Augen ein Best Practice-Beispiel für die Digitalisierung von Ausstellungen und für ein zeitgemäßes Museum.

Bei Museumsbesuchen zu geschichtlichen oder geisteswissenschaftlichen Themen geht es mir häufig so, dass ich entweder – auch bei neueren Angeboten – vor einem Wust analoger Texttafeln und eher langweiligen Exponaten stehe oder – im anderen Extrem – vor einer Menge blinkender Bildschirme mit ungezählten Video- und Audiostationen, die mich komplett überfordern. Das Deutsche Spionagemuseum bietet dagegen eine Ausstellung, die beide Darbietungsformen gekonnt miteinander verbindet und so für jeden etwas bereithält: Von der digital gesteuerten Informationswand mit unzähligen Texten zur Geschichte der Spionage bis hin zum Laserparcours ist alles dabei.

Fast jedes Thema ist sowohl informativ in Textform aufbereitet, als auch durch Exponate, Mitmachstationen oder Multimedia-Inhalte unterstützt. Das ermöglicht den Besuchern je nach Alter und Interesse, sich die jeweils passende Vermittlungsform auszusuchen. Ein wunderbares Konzept! So kann man beispielsweise an den meisten Ausstellungskästen die Exponate auf einer Tafel auch digital anschauen und den zugehörigen Text lesen.

Natürlich gibt es auch im Spionagemuseum Audio- und Videostationen – und davon eine ganze Menge. Aber man hat nicht den Eindruck, diese zum Verständnis der Ausstellung alle ansehen zu müssen. Sie sind ein Angebot, aber man kann durchaus auch einige davon links liegen lassen. Es bleibt genug an Information in anderen Aufbereitungsformen.

https://www.youtube.com/watch?v=Fxzw8KsQtkc

 

Inhaltlich ist das Museum aus meiner Sicht ebenfalls sehr gelungen. Das Themenspektrum umfasst Geschichte, Politik, technische Spionageausrüstung, Codierungs- und Verschlüsselungsmethoden und Spionage in Filmen und Literatur. Meine Highlights: Die Verschlüsselungsmaschine »Enigma« und ihre Nachfolgemodelle, die digitale Wand zur Geschichte der Spionage von der Antike bis heute – eine Videoinstallation, bei der man vom Beobachtenden zum Beobachter wird – sowie die Videowand zu dem Einsatz von Tieren im Geheimdienst.

Insgesamt war der Besuch für alle Familienmitglieder ein gelungenes Ereignis, auch wenn das Museum recht voll war und man an den Mitmachstationen manchmal warten musste. Was ich witzig fand: Facebook-Fans erhalten beim Ticketkauf vor Ort zwei Euro Nachlass. Gute Idee und für alle Beteiligten lohnender als Facebook-Ads.


Bild: © Deutsches Spionagemuseum Berlin

QualityLand: Hörbuch für alle, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen

Von |2022-05-11T14:30:09+02:0007.01.2019|Digitalkultur|

Mit den Känguru-Büchern von Marc-Uwe Kling konnte ich nie so richtig was anfangen. Während andere überschwänglich davon schwärmten, war ich maximal »so mittel« angetan. Jetzt habe ich zu Weihnachten das Hörbuch zu Klings Werk »QualityLand« geschenkt bekommen, und es hat mich sehr begeistert. Ein Hörbuchtipp für alle, die mit dem Thema Digitalisierung zu tun haben!

Ein wenig gewöhnungsbedürftig fand ich das Hörbuch zunächst schon. Es handelt sich dabei nämlich um eine Live-Lesung des Autors, der zwar sehr gut lesen kann, in meinen Ohren allerdings nicht an die Leistung eines professionellen Sprechers heranreicht. Andererseits sind die Reaktionen des Publikums ein Mehrwert, und ich habe großen Respekt vor einer über achtstündigen Live-Lesung (wo und wie auch immer die zustande gekommen sein mag).

Hat man sich einmal eingehört, ist man gefesselt. Die Geschichte »QualityLand« quillt über vor guten und witzigen Ideen, ist skurril und intelligent, spannend und überraschend. Doch worum geht es eigentlich?

 

Darum geht’s

»QualityLand« beschreibt ein Land, das sich aufgrund seiner etwas »schwierigen Geschichte« aus Marketinggründen umbenannt hat. Dort – der Roman spielt in »naher Zukunft« – sorgt die Digitalisierung für ein perfektes Leben. Es gibt selbstfahrende Autos, die wissen, wo man hinwill. Und wer bei TheShop angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er haben will, zugeschickt, ganz ohne sie bestellen zu müssen. Das System weiß, was man will. Auch über Freunde und den richtigen Lebenspartner muss man sich keine Sorgen machen. Der eigene digitale Assistent und die Dating-Plattform QualityPartner finden beides im Handumdrehen.

Hauptfigur in der Geschichte ist Peter Arbeitsloser. Der Name hat System, denn in QualityLand trägt jeder den Beruf des Vaters oder der Mutter als Nachnamen. Peter Arbeitsloser selbst ist Maschinenverschrotter. Er hat zwar Freunde (ausgesucht von seinem digitalen Assistenten), eine Partnerin (gefunden über QualityPartner), dennoch ist er nicht zufrieden. Ihn quält das Gefühl, dass etwas nicht stimmt und er nicht das Leben führt, das er führen möchte. Aber das kann ja eigentlich gar nicht sein. MyShop liefert ihm abends das Bier, dass er sich angeblich gewünscht hat und er besucht die Restaurants, die für ihn die besten sind. Kurz: er bekommt in jeder Lebenslage das, was er will. Denn: Algorithmen können sich gar nicht irren, oder?

Zwar hat Peter Arbeitsloser nur einen Level unter zehn und ist damit ein Nutzloser, aber das ist es nicht, was ihn stört. Als Nutzloser muss er zwar länger beim Arzt warten, hat weniger Rechte und bekommt längere Lieferzeiten bei Bestellungen. Dies ist Peter Arbeitsloser aber egal. Auch die Tatsache, dass er als Maschinenverschrotter kaum Kunden hat und nur wenige kaputte KI-Systeme seinen Laden betreten, um sich verschrotten zu lassen, bereitet ihm keinen Kummer. Im Gegenteil: Da er es nie übers Herz bringt, die Maschinen wirklich zu verschrotten, hat er schon den Keller voll mit »kranken« Robotern, wie etwa eine Drohne mit Flugangst oder einem Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung. Es ist eher der diffuse Eindruck, ein »falsches Leben« zu leben, dass ihn unter der Oberfläche »juckt«.

Überzeugt von seinem Verdacht ist Peter Arbeitsloser allerdings erst dann, als ihm ein rosafarbener Delphinvibrator zugestellt wird, von dem er wirklich sicher ist, ihn nicht haben zu wollen. Erst da begibt er sich – gemeinsam mit seinen Roboterfreunden – auf die Suche nach dem Fehler im System.

 

Mein Fazit

QualityLand ist eine intelligente Satire, die beängstigend nah an den digitalen Möglichkeiten der Gegenwart anknüpft. Wenig von dem, was Marc-Uwe Kling beschreibt, ist wirklich undenkbar, vieles sogar schon da. Seine bissige Darstellung der politischen Protagonisten in QualityLand ist weitsichtig und weise – und vor allem sehr gut vorstellbar. Besonders gut gefallen hat mir die Figur eines »alten Weisen«, der in einem daten- und genundurchlässigen Schutzraum an einem uralten PC mit Tastatur sitzt und Peter die Welt erklärt. Seine Gedanken sind erschreckend und erschreckend schlüssig. Sie weisen auf die vielen rechtlichen und ethischen Probleme hin, die es in Zeiten der Digitalisierung dringend zu lösen gilt.

Auch wenn das Hörbuch mit über acht Stunden sehr lang ist und an manchen Stellen Kürzungen gut vertragen könnte: Wer eine längere Autofahrt vor sich hat, sollte QualityLand mitnehmen. Es lohnt sich!

Intendant Kay Voges zu Digitalisierung und Theater

Von |2022-05-11T14:30:38+02:0020.11.2018|Digitalkultur|

Kay Voges ist seit 2010 Intendant des Theater Dortmund und gilt als wagemutig, experimentierfreudig und richtungsweisend für die Digitalisierung des Theaters. Beim diesjährigen KulturInvest-Kongress in Berlin sprach er ausgiebig über sein Verständnis von modernem Theater und seiner Motivation, besonders das Thema Digitalisierung in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen.

»Seit nun schon neun Jahren versteht sich das Dortmunder Schauspiel als Labor für die digitale Gegenwart«, sagt Voges und erläutert, wie es dazu kam. »Wir haben uns gefragt, was ist Theater? Theater ist immer Gegenwart. Jedes Schauspiel – anders als Literatur oder Musik – wirkt nur in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, im Moment der Inszenierung. Daher hat Theater mehr als andere Genres die Pflicht, Gegenwart zu beschreiben, aber auch Mittel der Gegenwart zu nutzen.«

Hier erlebt Kay Voges einen Bruch: Obwohl das Theater extrem gegenwartsbezogen ist und sein sollte, arbeitet es als Institution und »Maschinerie« immer noch wie vor hundert Jahren. Dies zu ändern und mit aktuellen Mitteln aktuelle Themen zu behandeln, ist ein Ziel von Voges Inszenierungen. Aber was genau bedeutet das?

Inszenierung im Stream

Für Regisseur Kay Voges und Dramaturg Alexander Kerlin ist eine »digitale und gegenwartsbezogene Theaterinszenierung« ein vielschichtiges Konstrukt. Es beginnt bei den Inhalten, die meist keine lineare Geschichte erzählen, sondern aus Bruchstücken, Bildern und wechselnden Perspektiven bestehen. Damit bildet das Team in Dortmund die digitale Mediennutzung und Wahrnehmungskultur ab: Wir leben im Stream und klicken uns durch verschiedene Wirklichkeiten und Perspektiven.

Formal verlässt Voges folgerichtig das traditionelle »Theaterportal« und löst die klassische Inszenierung durch ein digitales, multimediales Gesamtkunstwerk ab. Mit Live-Regie, der Kombination von Webinhalten, Videomitschnitten der Inszenierung, Live-Musik und den immer neu zusammengesetzten Schauspiel-Elementen des Ensembles entwirft er eine Collage, die bei jeder Aufführung neu und anders ist.

»In ,Das goldene Zeitalter‘ hatten wir insgesamt acht Stunden Material vorbereitet. In der Aufführung selbst wurden dann jedes Mal individuell vier Stunden davon ausgewählt. Dieses Material lief vor dem Publikum ab wie Streams beim Surfen im Netz. Wie im Netz beginnt die Session für alle an einem Punkt und mäandert dann für jeden in unterschiedliche Richtungen«, beschreiben Kay Voges und Alexander Kerlin ihre Idee.

Der Aufwand für ein solches durch und durch digital beeinflusstes Theater ist hoch: »Wir benötigten bei ,Das Goldene Zeitalter‘ sechs Kameras, um Ausschnitte des Livestreams auf die Bühne übertragen zu können, Live-Musiker und natürlich das Ensemble.«

Ein ähnliches Prinzip verfolgen Voges und Kerlin auch bei »Borderline-Prozession«. Hier löst sich die Bühne auf und wird ersetzt durch ein Haus mit 21 Zimmern und einen Außenbereich. Innen und außen spielt sich das Leben in unterschiedlichen Facetten ab. 23 Schauspieler erleben Situationsvariationen, das Ganze überlagert, ergänzt durch Videoeinspielungen und O-Töne oder Zitate. Der Theaterraum wird verwandelt in einen virtuellen Raum, der ein Erleben in 360-Grad-Ansicht ermöglicht und zugleich die Grenzen dieses Informations-Overkills deutlich macht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Noch imposanter wird die Digitalisierung als künstlerisches Instrument deutlich im Mammutwerk »Die Parallelwelt«. Hier inszeniert der Dortmunder Theaterintendant sein Stück zeitgleich am Schauspiel Dortmund und am Berliner Ensemble. Dank digitaler Technik und einer Glasfaserleitung zwischen beiden Standorten wird es möglich, eine Geschichte an zwei Orten zu erzählen und sie dennoch gemeinsam zu erleben. Videoübertragungen von A nach B, Dialoge zwischen Berlin und Dortmund machen »eine Simultanaufführung über die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen« möglich. Voges: »Damit haben wir ein Experiment gewagt und es ist gelungen.«

Gründung einer Akademie für Digitales Theater

Alle diese Inszenierungen haben für Kay Voges sehr deutlich gezeigt, dass sich ein klassisches Theater in Zeiten der Digitalisierung entwickeln muss. Die Belegschaft, die eingesetzte Technik, das bereitstehende Personal bildet nicht ab, was im Kosmos digitaler Medien zur Verfügung steht. Dies führte zur Idee der »Akademie für Digitalität und Theater«. Kay Voges: »Es ist uns gelungen, Gelder und Unterstützer für dieses Projekt zu gewinnen, sodass wir im März 2019 mit der Arbeit beginnen können.« Voges Ziel war es, Zeit und Raum zum Forschen und Entwickeln von Technologien zu schaffen, aber auch bestehendes und neues Personal im Theater für die Herausforderungen der Digitalisierung fit zu machen.

»Eine Säule der Akademie wird die Qualifizierung der Techniker sein. Wir wollen eine Fortbildung für künstlerisch-technische Berufe anbieten«, erläutert der Theaterintendant und Vordenker. Ein zweiter, wesentlicher Baustein ist ein Stipendienangebot für postgraduierte, junge Künstler. Diese können sich mit Projekten bewerben und erhalten sechs Monate lang finanzielle Unterstützung sowie die Möglichkeit, ihr Projekt mit dem Theater Dortmund gemeinsam aufzuführen. »Von der dritten Säule träumen wir noch«, so Voges weiter. »Wir würden gerne einen Studiengang ,Digitalität und Theater‘ gründen. Dies ist allerdings ein Projekt, das einen höheren Aufwand erfordert. Wir hoffen, es gelingt eines Tages«, beschließt er seine Erläuterungen.

Die Digitalisierung erweitert das bisherige Spektrum

Mit seiner Akademie möchte Kay Voges eine Antwort geben auf den gesellschaftlichen Wandel in Zeiten einer fortschreitenden Digitalisierung. Es ist ihm wichtig, dass das Genre Theater nicht in seinen Traditionen verharrt, sondern sich in einer Art disruptivem Prozess den neuen Bedingungen stellt und einen grundlegenden Wandel vollzieht. Damit bricht er die klassischen Theaterstrukturen auf und legt einen Kosmos neuer Möglichkeiten frei. Inwieweit andere Theater ihm in dieser Entwicklung folgen, wird sich zeigen. Sicher ist, dass er das Spektrum der Möglichkeiten deutlich erweitert.

Headerbild: Kay Voges by Marcel Schaar

Ein Hoch auf die Kulturlandschaft NRW

Von |2020-07-14T12:44:30+02:0025.01.2018|Oper|

Das Netz bietet nicht nur die Möglichkeit, digitale Kultur im Land sichtbar und erlebbar zu machen und eine Plattform für ganz neue digitale Ausdrucksformen zu werden. Onlineangebote können auch dabei helfen, die Grenzen des eigenen Kulturradius zu erweitern und so auf Neues zu stoßen, das bislang nicht im »Relevant Set« der eigenen Aktivitäten stand.  (mehr …)

»Wir machen uns die Welt« – Wie man Jugendliche von Kunst begeistert

Von |2022-04-27T23:42:53+02:0004.01.2017|Digitalkultur|

Jugendliche und Kunst – das ist ein Thema für sich. Es scheint, als wäre es schier unmöglich die Jugend von Kunst und Kultur zu begeistern und sie dafür einzunehmen. Ich selbst habe mich als Kind auch immer davor gedrückt, wenn es um Museumsausflüge ging. »Langweilige« Ausstellungsstücke, deren Wert ich nicht erkannt habe und die verstaubt in großen Hallen herumstanden. Als Kind verstand ich nicht, warum ich sie nicht anfassen darf. Für Kinder bedeutet anfassen und hantieren zu »erleben«. Für mich sollte Kunst kein reines Aufsaugen von Wissen bedeuten. Ich wollte es richtig fühlen dürfen. Da waren Kindermuseen, die zum Berühren und interagieren einluden. Genau richtig für mich, denn sie konnten das erste Interesse wecken. Mittlerweile bin ich älter und damit hoffentlich reifer. Zumindest kann ich mich nun auch für Kunst begeistern, ohne sie anfassen zu müssen (wobei ich das hin und wieder trotzdem gerne machen würde). Das hat allerdings einige Jahre und Kunst-Kurse gedauert. Gibt es vielleicht auch einen einfacheren Weg?  (mehr …)

Ersetzen Tablets bald die klassischen Notenblätter?

Von |2020-07-14T12:56:57+02:0003.11.2015|Allgemein|

Kürzlich erzählte mir eine Kollegin begeistert von einem Beitrag über die »Brüsseler Philharmonie«, die angeblich auf klassische »Notenblätter« verzichtet und diese gegen das Tablet eingetauscht hat. »Wow«, dachte ich mir, dass sich die Digitalisierung gerade im Bereich des klassischen Orchesters durchgesetzt haben soll, hat mich fasziniert. Sogleich habe ich mich auf die Suche nach weiteren Informationen gemacht und stieß auf die erste Hürde: Dieser Beitrag ist bereits knappe drei Jahre alt. Aktuelle Infos darüber konnte ich nicht finden. Auch die allgemeine Suche nach »Tablets in der klassischen Musikszene« gestaltete sich zunächst als schwierig. Aber aufgeben wollte ich noch lange nicht: Ich grub mich durch kritische Foren, habe Ausschnitte aus Konzerten der Brüsseler Philharmonie gesichtet und letztlich sogar Interviews geführt. Dies brachte Erstaunliches ans Licht.

(mehr …)

Das papierlose Büro in der Kultur

Von |2020-07-14T12:57:55+02:0007.10.2015|Digitalkultur|

Schon im April hatte der Social Media Chat Bonn über das papierlose Büro diskutiert. Seitdem schlummert in mir die Idee, dies zu einem Blogposting zu verarbeiten. Naja, schlummern – wohl eher: Ich hatte die Idee, habe sie aber bis jetzt noch nicht umgesetzt.

Es ging um Folgendes: Ist ein papierloses Büro sinnvoll, machbar und gut? Wie sieht es bei Privatleuten, Selbstständigen, Firmen und dem Kulturbereich mit dem papierlosen Büro aus? Das Fazit des Abends war, viele versuchen ein papierloses Büro zu erstellen, aber an vielen Punkten hakt es noch. Zum Teil wird sogar mehr Papier benötigt als zuvor und der Respekt vor dem Original (Rechnung, Unterschrift etc.) ist ungebrochen hoch. Angst vor juristischen Schwierigkeiten, Anzweifeln der Richtigkeit, aber auch ganz praktische Dinge, wie die Schwierigkeit lange Texte am Bildschirm zu lesen, bremsen die Revolution zum papierlosen Büro.

Die Papier-Stapel türmen sich in der Redaktion.

Die Papier-Stapel türmen sich in der Redaktion.

Papierloses Büro für mich?

Mir stellte sich sofort die Frage, wie mache ich das eigentlich? Will ich ein papierloses Büro? Spätestens jedes Jahr, wenn ich die Steuererklärung mache und mich durch einen Berg von Papier wühlen muss, wünsche ich mir die Einfachheit eines digitalen Dokumentes, das man per Knopfdruck nach dem richtigen Keyword durchsuchen kann. Auf der anderen Seite, verstehe ich aber auch die Papierverfechter. Vieles, was mir wichtig ist (Arbeitsverträge, Aufträge, Rechnungen) drucke ich aus und lege es ab. Ich weiß, das muss nicht sein, aber ich tue es trotzdem. Es hilft mir den Überblick zu behalten.

In meinem Beruf als Lektorin und Redakteurin drucke ich bereits sehr viel aus. Korrekturfahnen, Texte, Manuskripte. Alles was länger ist und korrigiert werden will, wird mindestens ein- oder sogar zweimal ausgedruckt und “analog” gelesen. Ich sehe die Fehler einfach besser auf dem Papier. Hier trifft wieder das Argument zu, dass langes Lesen am Bildschirm ermüdet. Obwohl ich sagen muss, das meine Augen – was das angeht – schon seit Jahren immer wieder gut trainiert werden. Gut, es ist nicht gerade gesund. Dass ich während meines Studiums kurzsichtig geworden bin, ist sicherlich eine Folge der Bildschirmarbeit. 😉 Vielleicht waren es aber auch die Stunden in der Bibliothek beim Lesen von Büchern bei schlechtem Licht. Man wundert sich doch, warum man in einer Bibliothek keine vernünftigen Lampen hat, erst recht, wenn es eine alte (historische) dunkel getäfelte Bibliothek ist.

Aber ich komme zu dem Papier zurück. Auf und neben meinem Schreibtisch türmen sich also öfter Papierberge. Das muss sein und das werde ich sicherlich nicht ändern. Aber die organisatorischen Dinge, Verwaltungsangelegenheiten: Hier überlege ich ernsthaft etwas zu ändern. Meine Bank schickt mir schließlich auch schon keine Kontoauszüge mehr, sondern die bekomme ich nur noch als digitale Datei zum Herunterladen. Vielleicht kann ich – abgesehen von Korrekturen – mein Büro auf papierlos umstellen. Das würde zukünftige Umzüge äußerst erleichtern – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Was ist mit dem Kulturbereich?

Im Kulturbereich ist natürlich ebenso das Ziel, irgendwann papierlos zu sein. Aber ich befürchte wir haben da noch einen sehr langen Weg vor uns. Bei uns im Büro wurde zwar immerhin schon auf Greenprinting umgestellt. D. h. nicht jedes Büro hat einen eigenen Drucker, sondern es gibt nur einen Drucker auf jeder Etage, der von mehreren Büros genutzt wird. Aber es wird immer noch gedruckt, als bräuchten wir das Papier und den Toner zum Atmen. Eine Rundmail an 5 Personen, die für eine wichtig war und den anderen 4 in CC geschickt wurde, finde ich sicherlich 3 x ausgedruckt auf unserem Drucker. Die 2 anderen haben mit Sicherheit auch gedruckt, nutzen aber den Drucker im Erdgeschoss. Von der Archivierung und Aufbewahrung dieser ganzen Druckerzeugnisse gar nicht zu reden. Denn es muss ja auch alles aufgehoben werden, falls mal jemand etwas sucht. Unsere Registratur verzweifelt regelmäßig, wenn wieder unbeschriftete und unsortierte Ordner auftauchen, voll gestopft mit Emails und Kram, den wahrscheinlich keinen wirklich mehr interessiert. Aber es ist einfach einfacher, auf Drucken zu klicken und es in einen Ordner zu heften, als sich über eine vernünftige Ablage im PC zu bemühen. Und ja auch Daten brauchen Platz, Speicherplatz.

Andererseits ist so ein Stück Papier einfach unglaublich praktisch. Es kann auch noch nach Jahrzehnten ohne Probleme gelesen werden, es sind keine speziellen Programme notwendig oder bestimmt Hardware. Und so ein abgeheftetes Stück Papier bleibt. Ein Dokument, das vor 30 Jahren vernünftig abgeheftet und beschriftet worden ist, kann heute wieder gefunden werden und bei Fragen weiterhelfen, sei es zu Bildrechten, sei es zu Restaurierungsunterlagen, sei es zu Kontaktinformationen. Das hörbare Aufatmen habe ich schon des Öfteren gehört, wenn ein altes Dokument erfolgreich im Archiv wieder gefunden wurde. 😉

 

Digitale Sammlungen

Neben den üblichen verwaltungstechnischen Dingen eines Büros, ist die Digitalität natürlich inzwischen auch in den Museen und ihren Sammlungen angekommen. Bzw. zumindest das Bewusstsein, dass es praktisch ist, eine digitale Sammlung zu haben. Durchsuchbarkeit, das Finden von Objekten, das Ablegen von Zusatzinformationen in Form von Datenbanken ist bereits in einer normalen Inventardatenbank zu finden. Jedes Objekt bekommt eine Inventarnummer und wird erfasst. Mit Größe, Zustand, Material, eventuell noch weiteren Informationen wie Fundort, Verkäufer, Finder, Restaurator etc. In der Datenbank kann man vieles erfassen. Das eine solche Datenbank den alten Zettelkatalog oder auch die handschriftliche geführten Inventarbücher abgelöst hat, da widerspricht keiner mehr der Nützlichkeit. Wo es noch Zweifel auszubügeln gilt, ist die Digitalisierung von Sammlungen. Alleine schon das Foto eines Objektes hilft in der Datenbank immens weiter. Sei es nun eine mittelalterliche Handschrift oder ein römischer Krug; die Informationen, die bereits über ein Bild übertragen werden, sind vielfältig. Und so lassen sich viele Dinge bereits am PC klären und das Objekt muss nicht erst umständlich aus dem Depot herausgeholt und transportiert werden – erst wenn es tatsächlich benötigt wird, z. B. für eine Ausstellung. Das ist für den Zustand eines Objektes einfach am besten: so wenig wie möglich bewegt zu werden.

Vieles kann erleichtert werden. Schnelle Recherchen – wie etwa, ob es sich tatsächlich um das gesuchte Stück handelt, oder doch nur ein Fragment eines Kruges ist oder gar ein ganz ähnliches Bild, aber nicht das gewünschte – sind durch eine gut gepflegte Datenbank mit digitalen Fotos mehr als hilfreich. Und genau da sind wir an dem Knackpunkt der ganzen Geschichte. Denn egal ob analoger Zettelkasten oder digitale Datenbank, beides muss sorgfältig gepflegt werden. Ein Tippfehler im Schlagwort oder ein falsch abgeheftetes Dokument und schon findet man es nie wieder – es sei denn aus Zufall.

Zurzeit gibt es ein paar Vorreiter, was das Digitalisieren angeht: Als Beispiel sei hier das vielgenannte Rijksmuseum in Amsterdam genannt, die ihre Sammlung zum sehr großen Teil digital im Internet zur Verfügung stellen. Dadurch haben sich dem Museum ganz neue Möglichkeiten eröffnet und auch neue Perspektiven ergeben. Auch deutsche Museen versuchen ihre Sammlungen digital durchsuchbar zu machen und so nicht nur im Museum ihrem Vermittlungscharakter zu entsprechen. Projekte wie das Archiv der Fotografen von der Deutschen Fotothek ist eine sich ständig erweiternde Datenbank zu deutschen Fotografen. Hier können ihre Werke gesucht werden, gleichzeitig wird immer auf den korrekten Urheber, Rechteinhaber etc. verwiesen, so dass alle Rechte gewahrt bleiben und man sofort einen Ansprechpartner (für Leihgaben und/oder Lizenzen) hat. Solche Projekte zeigen, dass es papierlos/digital funktionieren kann – und zwar erfolgreich.

 

Nach oben